FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 4. April 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Fast Retailing profitiert von lockerer Geldpolitik in Japan. Tesla macht erstmals Gewinn. MagicJack VocalTec überrascht mit Ergebnissprung. Moleskin geht erfolgreich auf das Parkett.

Die hohe Liquidität trägt die Aktienmärkte, fassen Market Maker das Geschehen im Handel mit Auslandswerten zusammen. 'Wenn man sich die Konjunkturzahlen aus Europa ansieht, lässt eigentlich nichts entdecken, was für gute Stimmung sorgen könnte. Und auch der Boom in den USA wirkt nicht mehr so plausibel, wenn die Arbeitsmarktdaten nicht mitziehen', kommentiert Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler mit Blick auf den zuletzt enttäuschend ausgefallenen ADP-Bericht zum US-Arbeitsmarkt, der als Indikation für die am morgigen Freitag zur Veröffentlichung stehenden offiziellen Zahlen gilt.

Ähnlich sieht das Jan Vrbsky von der Baader Bank: 'Es herrscht ein Mangel an Alternativen. Die von den Zentralbanken in den Markt gepumpte Liquidität muss irgendwo angelegt werden. Dass der Euro weiterhin unter Druck steht, zeigt aber die Skepsis gegenüber Europa.'

An den Aktienmärkten zeige sich dies etwa in der gegensätzlichen Entwicklung der Aktienindizes in Südeuropa und Deutschland oder der Schweiz. 'Während der DAX seit Jahresbeginn um etwa 1,5 Prozent zugelegt hat, steht beim spanischen IBEX 35 ein Minus von rund 400 Punkten zu Buche. Aber auch in den USA setzten Investoren in erster Linie auf Bluechips, während riskantere Titel eher gemieden werden', erklärt Vrbsky und weist darauf hin, dass der Russell 3000 - der breiteste Aktienindex der USA - auf der Stelle trete, während der Dow Jones von einem Rekordhoch zum nächsten jage.

Aufschwung in Japan beflügelt Fast Retailing

Getrieben von Liquidität werden aber nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch den Konsum und damit die Konjunktur. Davon profitiert, wie Vrbsky berichtet, unter anderem der japanische Bekleidungseinzelhändler Fast Retailing ( WKN 891638 ( FR HOLDINGS Aktie) ), der im März einen Umsatzsprung um knapp ein Viertel gegenüber dem Vorjahr verbucht hat. Die Aktie, die mit einer Gewichtung von 10 Prozent ein Schwergewicht im Nikkei-Index ist, schoss um fast 14 Prozent nach oben und markierte ein Allzeithoch. Seit Jahresbeginn ist der Kurs bereits um über 60 Prozent gestiegen, verglichen mit einem Plus von 56 Prozent im gesamten Jahr 2012.

Tesla-Limousine verkauft sich besser als gedacht

Aufwärts ging es in dieser Woche auch für die Aktie des US-Elektroautomobilherstellers Tesla ( WKN A1CX3T ( TESLA MOTORS Aktie) ), der mehr seiner Limousinen Modell S verkauft hat als geplant. 'Entgegen der anvisierten 4.500 Fahrzeuge hat der Daimler-Partner 4.750 Stück ausgeliefert und stellt für das erste Quartal erstmals einen Gewinn in Aussicht, nachdem im Vorjahr noch über 300 Millionen US-Dollar Verlust gemacht wurden', weiß Vorhauser. Die Aktie zog am Dienstag von 29,60 Euro um rund 15 Prozent auf 35,20 Euro an. Aktuell kostet der Titel noch rund 32,50 Euro.

MagicJack VocalTec zurück in Gewinnzone

Mit besser als erwartet ausgefallenen Zahlen überzeugt auch der US-amerikanische Telefonieanbieter MagicJack VocalTec ( WKN 899222 ( VOCALTEC Aktie) ) am Markt. Der Erfinder der so genannten Voice Over IP (VoIP)-Telefonie ist im vierten Quartal überraschend in die Gewinnzone zurückgekehrt. 'Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 5,6 Millionen Dollar gemacht', merkt Vorhauser an. Magic Jack ist spezialisiert auf Internettelefonie und vertreibt Geräte wie den Magic Jack Plus oder die MagicJack APP, die es den Kunden ermöglichen, auch ohne Computer über das Internet zu telefonieren und dadurch Telefonkosten zu sparen. Für 2013 hat Konzernchef Gerald Vento unter anderem eine Neuauflage des Magic Jack Plus mit zahlreichen neuen Funktionen angekündigt.

Moleskin gelingt Börsengang

Den Gang auf das Börsenparkett wagte in dieser Woche der italienische Notizbuchhersteller Moleskin (A1KCZV). 'Das IPO verlief sehr erfolgreich, die Nachfrage war hoch. Am Mittwoch, dem ersten Handelstag, wurden gleich 18 Millionen Stück in Italien gehandelt', berichtet Vrbsky. Vom Ausgabepreis bei 2,30 Euro kletterte das Papier zeitweise auf knapp 2,50 Euro. Aktuell liegt der Kurs bei 2,24 Euro. 'Es ist wirklich sehr mutig, in Zeiten von Smartphones und Tablets mit einem solchen Produkt an den Markt zu kommen. Aber: Das Unternehmen macht mit seinen Notizbüchern und Kalendern Gewinn und wächst seit einigen Jahren rasant. Wieso also nicht', ergänzt der Händler.

EADS kauft eigene Aktien zurück

Um Veränderungen in der Aktionärsstruktur abzufedern, hat der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm aufgelegt, dass den Titel nach Einschätzung der Baader Bank noch einige Zeit bewegen dürfte. 'Die drei Gründungsnationen Frankreich, Deutschland und Spanien reduzieren ihre Beteiligungen, zudem will Großaktionär Lagardère komplett aussteigen. Mit dem Rückkaufprogramm sollen die Auswirkungen auf den EADS-Kurs offenbar verringert werden', erläutert Vrbsky. Binnen anderthalb Jahren will die Mutter des Flugzeugbauers Airbus für 3,75 Milliarden Euro eigene Aktien zurückerwerben. Nachdem die spanische Staatsholding Sepi ihre Beteiligung am heutigen Donnerstag um 1,15 auf 4,2 Prozent reduziert hat, verliert das EADS-Papier rund 1 Prozent auf 39,92 Euro.

Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich einfach unter www.boerse-frankfurt.de/newsletter.

© 4. April 2013/Karoline Kopp

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)