FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 3. August 2022. FRANKFURT. Erneut hat sich der DAX eindrucksvoll befestigt. Im gleichen Zuge findet sich keine überzeugende Mehrheit mehr für die Annahme, dass wir uns noch in einem übergeordneten Bärenmarkt befinden.

Nun hat der DAX seit Mitte Juli eine bisweilen sogar eindrucksvolle Rallye hingelegt, die zeitweise eine Größenordnung von mehr als 9 Prozent erreichte, so dass sich mittlerweile manche Kommentatoren zu fragen begannen, ob es sich immer noch nur um eine Erholung in einem übergeordneten Bärenmarkt handele oder ob gar eine Trendwende zum Guten bevorstehe. Gerade wenn es um den Teil der Erholung geht, die seit unserer vergangenen Stimmungserhebung stattgefunden und in der Spitze knapp 3,7 Prozent erreicht hat, mag hier und da eine gewisse Verwunderung entstanden sein. Denn eigentlich gab es - sowohl im Guten als auch im Schlechten - keine wirklichen Überraschungen. Vor allem nicht beim Ausgang der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank in der vergangenen Woche, den man nicht anders als unspektakulär nennen kann.

Indes haben wir bereits bei unserem letzten Kommentar angemerkt, dass sich die Akteure offenbar an die großen Marktrisiken gewöhnt haben. Noch besser brachte es jüngst ein Kommentator auf den Punkt, indem er sinnig erklärte, dass anscheinend schon ein paar kleine, positive Nachrichten oder allein das Ausbleiben schlechter Neuigkeiten ausgereicht hätten, um eine veritable Rallye an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks auszulösen.

Aus der Patsche geholfen

Unterdessen haben sich die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont die vierte Woche in Folge von bullishen Positionen befreit. Dabei ist unser Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Mal um 7 Punkte auf einen neuen Stand von -5 gefallen. Tatsächlich zeigt diese Entwicklung, dass die kräftige Erholung des DAX nun auch denjenigen Optimisten aus der Patsche geholfen zu haben scheint, deren Positionen sich bereits seit Wochen unter Wasser befunden hatten. Möglicherweise sind einige von ihnen noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen und konnten bullishe Engagements am Ende ohne riesengroße Verluste glattstellen.

Lebhaft ist es indes bei den Privatanlegern zugegangen. In diesem Segment haben einige Akteure sehr diszipliniert gehandelt und ihre bearishen Engagements aus der Vorwoche angesichts des deutlichen DAX-Anstiegs beendet und sich teilweise sogar direkt auf die Bullenseite geschlagen. Als Resultat ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels um 14 Punkte auf einen neuen Stand von -8 gestiegen.

Immer weniger glauben an übergeordneten Bärenmarkt

Mit der heutigen Befragung hat sich die deutliche Stimmungskluft zwischen privaten und institutionellen Investoren aus der vergangenen Woche auf lediglich 3 Punkte verringert. Dabei fällt insbesondere auf, dass sich der Stimmungswandel bei den institutionellen Investoren eher halbherzig vollzogen hat. Während die Gruppe der Bullen mittlerweile das vierte Mal hintereinander geschrumpft ist, profitierten davon jedes Mal die neutral gestimmten Akteure - in der Summe fast in gleicher Höhe. Allerdings haben die dahinter stehenden Positionsreduzierungen der Optimisten per Saldo keinen negativen Einfluss auf den DAX gehabt. Im Gegenteil: Das Börsenbarometer hat sich - vermutlich auch durch langfristige Kapitalflüsse - trotzdem deutlich befestigt.

Aber auch etwas anderes wird deutlich. Während der besagten vier Wochen hat sich der Anteil der Pessimisten bei den institutionellen Investoren praktisch nicht verändert, geschweige denn erhöht. Tatsächlich gibt es keine überzeugende Mehrheit, die an den Fortbestand des übergeordneten Bärenmarktes glaubt. Zumindest ist die heutige Entwicklung beim Sentiment nicht als ungünstig zu bewerten. Denn die Optimisten, die sich an die Seitenlinie begeben haben, dürften bei einem interessanten Rücksetzer des DAX auf niedrigerem Niveau (möglicherweise erstmals zwischen 13.000 und 13.050 Zählern) wieder als Käufer zurückkommen und dem DAX zumindest vorübergehend eine Stütze sein.

3. August 2022, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)