FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Anleger interessieren sich für US-Treasuries - Gewinnmitnahmen und Neupositionierungen sind an der Tagesordnung. Diskussionen über eine mögliche rechte Koalition in Italien erhöht den Abgabedruck bei Staatsanleihen des Landes. Renditen hiesiger Staatsanleihen verharren auf der Stelle.

12. Mai 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). In einer verkürzten Woche beschäftigen sich Anleger laut Händler mit den Auswirkungen einer möglichen Neufassung des Atom-Abkommens mit dem Iran, der schleppenden Formierung einer italienischen Regierung sowie der ziemlich eindeutigen Entscheidung britischer Notenbanker, den Leitzins vorerst bei 0,50 Prozent zu belassen. Die Wirtschaft entwickele sich im Königreich nicht wie gewünscht und die Teuerung liege mit 2,5 Prozent im März unter den Erwartungen. Zudem seien die möglichen Brexit-Folgen für BoE-Präsident Mike Carney nicht absehbar. "Das ist ein Spagat", urteilt Arthur Brunner von der ICF Bank.

Die starke US-Währung sorge allgemein für ansehnliche Umsätze mit US-Treasuries. "Käufer setzen auf einen stabil bleibenden US-Dollar und einen ansehnlichen Renditevorteil von 240 Basispunkten." Verkäufe stuft der Händler als Gewinnmitnahmen nach der beträchtlichen Aufwertung des Greenback ein.

Italienische Staatsanleihen mit Preisnachlass

Meldungen über eine mögliche Allianz zwischen der italienischen populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega habe für Verkäufe italienischer Staatspapiere gesorgt. "Anleihen von Spanien, Portugal und Zypern wurden in Sippenhaft genommen", bemerkt Brunner, wenngleich der Abgabedruck für diese Werte geringer ausgefallen sei. Die geplante Koalition würde nach Ansicht von Analysten womöglich höhere Staatsausgaben und die Rücknahme von umgesetzten Reformen nach sich ziehen.

Die anstehenden Aufstockungen italienischer Bonds im Volumen von bis zu 6,75 Milliarden Euro werden nach Auffassung von Rentenexperten wahrscheinlich von Konzessionen an die Anleger begleitet werden. Geplant sind Laufzeiten bis 2021, 2025 und 2033.

Gute Bonität zählt

Im Handel mit Corporate Bonds sieht Brunner rege Nachfrage nach zwei neuen Daimler-Anleihen ( WKN A190NE , A190ND ) mit Kupons von 1 und 0,25 Prozent. "Die Werte haben sich im Wochenverlauf gut entwickelt." Auch eine im Mai 2022 fällige Sixt Leasing-Anleihe ( WKN A2LQKV ) mit jährlichen Zinsen von 1,5 Prozent käme bei Investoren gut an und lande per Saldo in den Depots.

Lebhaftes Interesse in beide Richtungen verbucht Brunner für eine VW-Hybridanleihe ( WKN A1ZE21 ) mit einer jährlichen Verzinsung von 4,625 Prozent. Der jüngste Verdacht auf Manipulationen von Audi-Fahrzeugen mache sich bemerkbar. "Der Wert steht leicht unter Druck." Überwiegenden Zuspruch gebe es für einen Metro-Bond ( WKN A14J83 ) mit Fälligkeit im März 2025 und einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent.

Argentinische Bonds in Bewegung

Eine Inflation von derzeit rund 25 Prozent, ein Leitzins von 40 Prozent und eine Währung im Sinkflug rücken argentinische Staatsanleihen in den Anlegerfokus, wie Gregor Daniel registriert. Eine noch junge 100-jährige Anleihe der Südamerikaner ( WKN A19J68 ) wird Daniel zufolge rege in beide Richtungen gehandelt. Der seit Jahresbeginn abwärts tendierende Bond notiert derzeit um 87 Prozent, nach rund 103 Prozent Anfang Januar. Ein in 2038 fälliger argentinischer Bond ( WKN A0VTZ1 ) mit einem Kupon von 2,26 Prozent würde überwiegend gekauft. Gleichzeitig trennten sich Anleger zumeist von einer mit 7,82 Prozent verzinsten Anleihe ( WKN A0VTZV ) des südamerikanischen Staates. Von einer im April 2025 zur Rückzahlung anstehendem Anleihe der Neuquen Province ( WKN A19GPQ ), ausgestattet mit einem Kupon von 7,5 Prozent, verabschiedeten sich Anleger per Saldo. Der Bond gab seit Monatsbeginn von etwa 100 auf rund 95 Prozent nach.

Ende offen

Für Daniel begeben sich Käufer zweifellos aufs Glatteis. "In der Vergangenheit haben sich Investoren mit argentinischen Staatspapieren öfter mal die Finger verbrannt", erinnert der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Staatschef Macri habe nun Haushaltskürzungen in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar angekündigt und suche mittlerweile Hilfe beim Internationalen Währungsfonds. Eine Garantie für einen positiven Ausgang sei dies nicht. Der argentinische Staat ging in den vergangenen 200 Jahren laut Handelsblatt immerhin acht Mal bankrott.

von: Iris Merker

11. Mai 2018, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)