FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 11. Juli 2013. An brasilianischen Aktien haben Anleger zuletzt wenig Freude gehabt. Doch es gibt auch Ausnahmen, etwa den Ölkonzern Ultrapar.

Hohes Wachstum, steigende Aktienkurse - diese Aussicht hat viele Investoren in den vergangenen Jahren zu Schwellenländertiteln greifen lassen. Doch die Rechnung ging nicht auf: Mit Aktien aus BRIC-Ländern, also Brasilien, Russland, Indien und China, haben sich viele eine blutige Nase geholt. Dabei boomte etwa Brasiliens Wirtschaft lange, die im kommenden Jahr anstehende Fußball-WM und die Olympischen Spiele 2016 sollten für einen weiteren Schub sorgen.

Es brummt nicht mehr

Doch das Wirtschaftswunder an der Copacabana hat Kratzer bekommen: Das Land leidet unter gesunkenen Rohstoffpreisen, die Industrie ist schwach. 2012 stieg das BIP nur um 0,9 Prozent. Die anziehende Inflation wirkt hemmend auf das Wachstum. Die Entwicklung der Infrastruktur kommt nur langsam voran. Korruption ist ein verbreitetes Problem, daher gingen in diesem Sommer auch tausende Brasilianer auf die Straße.

Brasilianische Aktien haben, gemessen am Börsenbarometer Bovespa, in diesem Jahr deutlich nachgegeben: Nach über 63.000 Punkten zu Jahresanfang notiert der Index mittlerweile nur noch bei 45.483 Zählern - ein Minus von 28 Prozent. Der lange sehr starke brasilianische Real hat gegenüber dem US-Dollar und dem Euro in den vergangenen Monaten ebenfalls heftig an Wert eingebüßt.

Potenzial für Petrobras

Auch für die Aktie des halbstaatlichen Ölkonzerns Petroleo Brasileiro ( WKN 541501 ( PETROBRAS Aktie) ), kurz Petrobras, ging es deutlich nach unten - seit mittlerweile über drei Jahren. 'Vor einigen Jahren galt Petrobras noch als Paradebeispiel für ein erfolgreiches Schwellenlandunternehmen', bemerkt Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. Im Frühling 2010 notierte Petrobras - in Frankfurt wie alle brasilianischen Titel nur als American DepositoryReceipts (ADR) handelbar, also stellvertretend für die Originalaktie - noch bei über 34 Euro, aktuell sind es 9,74 Euro. 'Zum einen ist der Ölpreis unter Druck, zum anderen geht der Trend weg von aufwändigen Tiefseeförderprojekten hin zur Förderung aus Ölschiefer', erklärt der Händler.

Daneben hätten sich Lieferverzögerungen bei Verschiffungen und Produktionsausfälle negativ ausgewirkt, ebenso wie die staatlich kontrollierten Benzinpreise in Brasilien. 2012 musste ein deutlicher Gewinneinbruch hingenommen werden. 'Im zweiten Quartal 2012 wurde sogar ein Verlust eingefahren.'

Nun ruhe die Hoffnung auf der Entwicklung neuer Förderkapazitäten. 'Unter anderem führt Petrobras Gespräche mit der chinesischen Sinopec über ein Projekt im brasilianischen Maranhão.' Nach Einschätzung von Vorhauser ist die Aktie derzeit überverkauft, er geht davon aus, dass sich das Unternehmen wieder erholen wird - auch wegen anziehender Ölpreise. 'Das ist aber nur etwas für spekulative Anleger.'

Vale: schwarze Zahlen ohne Folgen

Ebenfalls enttäuschend entwickelt hat sich die Aktie des Bergbaukonzerns Vale, wie Roland Stadler von der Baader Bank berichtet. Vale leidet unter der Wachstumsabschwächung in China und dem dadurch ausgelösten Rückgang der Eisenerzpreise. An der Börse Frankfurt hat sich der Wert ( WKN 897998 ) seit Anfang 2011 mehr als halbiert, aktuell wird der ADR zu 9,43 Euro gehandelt. Vale gelang zwar im ersten Quartal dieses Jahres wieder der Sprung in die Gewinnzone - nach einem Verlust von 2,7 Milliarden US-Dollar im Schlussquartal 2012. Hintergrund ist ein umfangreiches Sparprogramm, etwa werden unrentable Bereiche verkauft. Im Aktienkurs hat sich das allerdings noch nicht niedergeschlagen.

Ultrapar als attraktiver Langläufer

Trotz jüngstem Rücksetzer: Viel besser abgeschnitten hat die Aktie des weniger bekannten Ölkonzerns Ultrapar, an der Börse Frankfurt ebenfalls als ADR ( WKN 928325 ( ULTRAPAR Aktie) ) gehandelt. Für den Kurs geht es seit rund fünf Jahren gen Norden. 'Selbst seit Jahresanfang liegt die Aktie im Plus', meldet Vorhauser. 'Das Unternehmen hat sich auf wenige Länder konzentriert', erläutert Vorhauser. So habe Ultrapar im ersten Quartal Gewinn und Umsatz steigern können.

Thomas Melendez, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft MFS, sieht auf lange Sicht durchaus Anlagechancen auf dem brasilianischen Aktienmarkt: Immer mehr Menschen stiegen in die Mittelklasse auf, so dass sich deren verfügbares Einkommen erhöhe. Favorisiert werden allerdings nicht die Indexschwergewichte aus den Rohstoffbereich, sondern Sektoren wie das Gesundheits- und das private Bildungswesen.

Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter.

© 11. Juli 2013/Anna-Maria Borse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)