FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 18. September 2012. Die jüngsten Kursgewinne am Aktienmarkt haben die Umsätze im Fondshandel belebt. Laut Händlern überwogen in der vergangenen Woche allerdings die Verkäufe. Vor allem Aktienfonds kamen unter die Räder.

Die Umsätze im Fondshandel ziehen wieder an. 'Nach einem katastrophalen halben Jahr ist seit der jüngsten EZB-Sitzung wieder Leben in den Markt gekommen', berichtet Lucas Schulte von der Baader Bank. Die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi zu den geplanten Staatsanleihekäufen in der Euro-Peripherie seien positiv aufgefasst worden - immerhin ist der DAX auf ein 14-Monatshoch gestiegen. Am Fondsmarkt hätten in den zurückliegenden Tagen allerdings die Verkäufe deutlich überwogen. 'Das sind wohl Gewinnmitnahmen. Außerdem bleibt die Verunsicherung weiter hoch', erklärt Schulte und verweist etwa auf die von der US-Notenbank eingeläutete dritte Runde quantitativer Lockerungen. 'Nachdem auch noch die Fed weitere Anleihekäufe angekündigt hat, sind riesige Geldmengen unterwegs - das ist langsam unheimlich.'

Auch Frank Wöllnitz von ICF Kursmakler beobachtet eine gestiegene Handelsaktivität: 'Während des langen Kampfes des DAX mit der 7.000 war der Markt fast tot. Je weiter die Aktienkurse sich von dieser Marke nach oben entfernt haben, sind auch die Umsätze mit Fonds angezogen.' Insgesamt seit das Umsatzniveau aber weiter als mittelmäßig einzustufen, ergänzt der Market Maker.

Aktienfonds fliegen aus den Depots

Gewinnmitnahmen waren laut Schulte vor allem im Bereich der Aktienfonds zu beobachten. Hier trennten sich die Anleger etwa vom DWS Deutschland ( WKN 849096     ) und vom cominvest Fondak P ( WKN 847101     ). 'Aber auch bei den auf Europa und international ausgerichteten Portfolios sind die Investoren überwiegend ausgestiegen', berichtet Schulte und spricht von Verkäufen im FF - European Growth ( WKN 973270     ) und im Allianz Europe Equity Growth Fund ( WKN A0KDMU     ). Auch der BlackRock Glb Euro-Markets Fund ( WKN 989691     ), dessen Anlageziel sich auf die Eurozone konzentriert, stand nach Auskunft von Wöllnitz unter Abgabedruck.

Rentenportfolios wenig beliebt

Wenig Zuspruch fanden laut ICF Kursmakler aber auch Rentenfonds, wie etwa der UniEuroAspirant ( WKN 989805     ) von der Union Investment. Der Fonds investiert seine Mittel gut zur Hälfte in festverzinsliche Wertpapiere, die auf die Währung von möglichen Beitrittskandidaten der europäischen Währungsunion lauten. Ein weiteres Viertel wird in Anleihen von EU-Staaten wie Großbritannien, Dänemark oder Schweden angelegt, die nicht den Euro als Währung eingeführt haben. Die übrigen 25 Prozent investiert der UniEuroAspirant im Euro-Rentenmarkt.

Überwiegend verkauft wurde laut Wöllnitz auch der international ausgerichtete Rentenfonds Templeton Glb Bond ( WKN A0MNNM     )

Angst vor Inflation

Dass Anleger dem Geldregen der Notenbanken nicht ganz über den Weg trauen, zeigt sich laut Schulte ganz deutlich an den Edelmetallnotierungen. 'Die Fed hat den Goldpreis auf ein Sechsmonatshoch katapultiert. Das spiegelt die Angst vor steigender Inflation', sagt der Market Maker und berichtet von Käufen im Earth Gold Fund von Universal-Investment ( WKN A0Q2SD     ). Insgesamt sei in dem umsatzstarken Segment der Minenfonds aber keine einheitliche Tendenz zu erkennen gewesen, merkt Schulte an. So hätten sich Käufe und Verkäufe beim BlackRock Glb World Gold Fund ( WKN 974119     ) die Waage gehalten, während der BlackRock Glb World Mining Fund stark verkauft worden sei. 'Hier haben eventuell auch schon Gewinnmitnahmen eingesetzt', kommentiert der Händler.

Verschmäht wurde laut Wöllnitz zudem der in US-Dollar notierte Geldmarktfonds DekaLux-Geldmarkt: USD ( WKN 974557     ). 'Hier hat sicherlich die jüngste Abwertung des Greenback zum Euro eine Rolle gespielt.' Seit der Sitzung der US-Notenbank in der vergangenen Woche hat der Euro noch einmal kräftig Boden gut gemacht und behauptet sich mit mehr als 1,31 US-Dollar auf dem höchsten Niveau seit Anfang Mai.

Asiatische Aktien kaum beachtet

Auch bei den Fonds mit asiatischen Aktien überwogen laut Baader Bank die Abgaben, allerdings auf sehr niedrigem Umsatzniveau. 'Die Region Asien scheint aktuell bei den Anleger nicht im Fokus zu stehen', kommentiert Schulte. Verkauft wurde der DWS Top 50 Asien ( WKN 976976     ). Auch beim Templeton Asian Growth ( WKN 971661     ) sprangen die Anleger ab. Im Gegensatz zu dem DWS-Fonds investiert der Templeton nicht in Aktien von Unternehmen mit Sitz in Japan, Australien und Neuseeland. Anlagen in China und Thailand machen rund 50 Prozent des Fonds aus, wobei Templeton überwiegend in Finanz- und Energiewerte investiert.

Mischfonds: Weiter beliebt

Regem Zulauf erfreuten sich indes erneut einzelne Mischportfolios, die bereits seit einigen Monaten gut bei den Anlegern ankommen. So berichtet Wöllnitz etwa von Käufen im europäischen Mischfonds Kapital Plus ( WKN 847625     ) von der Allianz, dessen Mittel zu rund zwei Dritteln in Euro-Anleihen guter Bonität investiert sind. Etwa 30 Prozent legen die Fondsmanager am europäischen Aktienmarkt und weitere 5 Prozent am Geldmarkt an.

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© 18. September 2012/Karoline Kopp

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)