FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Obgleich der DAX nun zum sechsten Mal hintereinander zum Zeitpunkt unserer Stimmungserhebung gestiegen ist, zeigen sich die Investoren auffallend wenig begeistert.

01. September 2021. Dass sie derzeit zu den größten Ängsten der Börsianer zählt, war seit unserer vergangenen Stimmungserhebung gleich zwei Mal zu spüren. Die Rede ist von der Befürchtung, dass die US-Notenbank bereits in diesem Jahr ihre Anleihekäufe zurückfahren (Tapering) könnte. Zumindest vor dem virtuellen Treffen der Zentralbanker, das normalerweise alljährlich in Jackson Hole stattfindet, markierte selbst der hiesige DAX in der vergangenen Woche das niedrigste Niveau während des Berichtszeitraums. Um sich allerdings später wieder zu erholen, nachdem es Fed-Chef Jerome Powell vermieden hatte, einen konkreten Beginn des Tapering in den USA zu kommunizieren.

Den Eindruck, dass derlei Debatten nun auch bei der Europäischen Zentralbank Einzug gehalten haben, vermittelten gestern zwei Ratsmitglieder, die sich für eine Diskussion über ein Zurückfahren des Krisenprogramms PEPP aussprachen. Sowohl der Chef der österreichischen Zentralbank, Robert Holzmann, als auch sein Kollege aus den Niederlanden, Klaas Knot, gelten zwar als Notenbanker, die eine straffe Geldpolitik verfolgen ("Falken"), aber dennoch reichten deren Statements aus, um vorübergehend Reaktionen beim DAX auszulösen. Dem blieb es nämlich gestern verwehrt, die 16.000er Marke nachhaltig zu überwinden. Aber selbst der Rücksetzer, der innerhalb weniger Stunden dafür sorgte, dass die gut 1,9-prozentige Handelsspanne seit vergangenem Mittwoch beinahe einmal von oben nach unten durchlaufen wurde, war bis zum heutigen Erhebungsschluss fast wieder wettgemacht.

Mittelfristige Positionen kaum verändert

Von all dem wenig beeindruckt zeigen sich die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index präsentiert sich gegenüber der Vorwoche unverändert auf einem Stand von -7. Per Saldo gab es also keine Positionsverschiebungen, was auch dem Umstand geschuldet sein mag, dass der DAX im Gegensatz zu einigen US-Indices nicht mit einem neuen Allzeithoch aufwarten konnte. Aber auch die beiden vorgenannten Rücksetzer waren anscheinend nicht groß genug, um zu größeren Engagements zu verleiten.

Etwas anders gestaltet sich hingegen die Situation bei den Privatanlegern. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels hat sich nämlich immerhin um 5 Punkte auf einen neuen Stand von -4 abgeschwächt, nicht zuletzt, weil einige Optimisten zu den Pessimisten übergelaufen sind.

Asymmetrische Verteilung

Obgleich der DAX zum Erhebungszeitpunkt nun das sechste Mal hintereinander einen Anstieg verbuchen konnte, der in der Summe immerhin 4,4 Prozent betrug, hat sich am Stimmungsbild der institutionellen und privaten Investoren während dieser Zeit per Saldo praktisch nichts geändert. Natürlich gab es zwischendurch bei Ersteren zwei deutliche bearishe "Stimmungs-Ausreißer", aber am Ende finden wir uns absolut betrachtet stimmungstechnisch auf dem gleichen Niveau wie vor sechs Wochen: leicht bearish. In der relativen Sichtweise auf Sicht von drei und sechs Monaten ist das Sentiment wie bereits in der vergangenen Woche als neutral zu bezeichnen.

Per Saldo ist auch die Gesamtsituation für den DAX gegenüber der Vorwoche wenig verändert, wobei an der Oberseite mit erhöhtem Angebot zwischen 16.150 und 16.200 Zählern zu rechnen ist. Die Unterseite dürfte im Bereich um 15.550/15.600 Punkte durch Nachfrage heimischer Investoren ordentlich abgesichert sein. Gemessen am heutigen Erhebungskurs von 15.960 Punkten ergibt sich somit eine asymmetrische Verteilung von Angebot und Nachfrage, aber die heimischen Investoren alleine dürften aufgrund ihrer Positionierung kaum für massive Bewegungen beim DAX sorgen.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)