FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 29. April 2015. Bei deutschen und europäischen Aktienfonds machen viele Anleger jetzt lieber Kasse. Die Gemüter bewegten unterdessen Russland und die Biotechbranche.

Eindeutig nach oben geht es an den Börsen nicht mehr, Aktienfonds bleiben aber beliebt, auch wenn zum Teil Gewinne mitgenommen werden. "Als der DAX nach Erreichen des Rekordhochs bei 12.390,80 Zählern über 600 Punkte nach unten rutschte, waren die Umsätze natürlich extrem", berichtet Matthias Präger von der Baader Bank.

Insgesamt sei das Handelsaufkommen im April noch sehr gut, wenn auch nicht mehr ganz so hoch wie im ersten Quartal. "Das war ja geradezu bombastisch." Bei der ICF Bank sind die Umsätze in deutschen und europäischen Aktienfonds mit dem Ende des eindeutigen Aufwärtstrends zurückgegangen, Spezialthemen wie Biotechnologie und Russland zögen aber immer noch viel Aufmerksamkeit auf sich, wie Frank Wöllnitz feststellt.

Kurssprung in russischen Aktienfonds

Dass der russische Aktienmarkt seit den dramatischen Verlusten im zweiten Halbjahr 2014 - Folge des Ölpreisverfalls und der Ukraine-Krise - ordentlich Boden wiedergutmachen konnte, ist auch Fondsanleger nicht entgangen. "Hier sind viele kurzfristig orientierte Anleger unterwegs und sehr aktiv", meint Wöllnitz. Positioniert werde sich "den Marktbewegungen angepasst", gekauft werde also bei einem Kursanstieg und verkauft bei Verlusten. Das gelte vor allem für den DWS Russia ( WKN 939855     ). Der war zwischen Juli und Dezember um mehr als ein Drittel gefallen, hat die Verluste mittlerweile aber schon wieder wettmachen können. Allein für die vergangenen drei Monate kommt der Fonds auf ein Plus von 31 Prozent.

Rege gehandelte Biotech-Fonds

Viel Beachtung findet außerdem nach wie vor die Biotech-Branche. "Die Schwankungen sind hoch, die Umsätze auch", meint Wöllnitz. Auch hier werde in Aufwärtsbewegungen massiv gekauft, in Abwärtsbewegungen verkauft. Betroffen seien besonders der DWS Biotech ( WKN 976997     ) und der SEB Concept BioTech ( WKN 542164     ). Trotz der holprigen Kursentwicklung seit Mitte März: Wer vor vier Jahren Anteile am DWS Biotech erworben hat, hat seinen Einsatz mehr als vervierfacht.

Deutschland und Europa: dünnere Luft

In deutschen und europäischen Aktienfonds wurden in den vergangenen Wochen häufig Gewinne glattgestellt. Präger zufolge standen etwa der Cominvest Fondak (WKN 84710), der FF European Growth von Fidelity ( WKN 973270     ), der Allianz Nebenwerte Deutschland ( WKN 848176     ) und der Deutsche Invest I German Equities ( WKN DWS1AA     ) auf den Abgabelisten. Im DWS Aktien Strategie Deutschland ( WKN 976986     ) und im DWS Deutschland ( WKN 849096     ) hätten aber noch Zuflüsse überwogen. Wöllnitz meldet hingegen ein wieder rückläufiges Interesse an klassischen Aktienfonds. "Gerade die Privatkunden halten sich in der Seitwärtsbewegung eher zurück, die Höhen und Tiefen im DAX haben wir ja alle schon gesehen."

US-Aktien beliebter

Präger zufolge machten sich bei internationalen Fonds die starken Währungsschwankungen bemerkbar. Der Euro, der sich in der zweiten Märzhälfte gegenüber dem US-Dollar etwas erholt hatte, fiel bis Mitte April wieder unter 1,06 US-Dollar, jetzt wird die Gemeinschaftswährung aber erneut zu knapp 1,10 US-Dollar gehandelt. Sehr rege Umsätze in beide Richtungen verzeichnete die Baader Bank im DWS Top Dividende ( WKN 984811     ). Im Robeco BP Global Premium Equities ( WKN A0DLK6     ) und im KBC Equity Fund High Dividend ( WKN A0JKMV     ) dominierten hingegen die Zuflüsse.

"Mr. DAX" mit eigenem Fonds

Richtig gut an kommt offenbar ein neuer internationaler Aktienfonds von "Mr. DAX" Dirk Müller, der Dirk Müller Premium Aktien ( WKN A111ZF     ). "Da hatten wir hohe Umsätze und nur Käufe, selbst im Abwärtstrend", berichtet Präger.

Der Fonds verfolgt den Value-Ansatz, nach dem auch Börsenlegende Warren Buffett seine Investments auswählt, gesetzt wird also auf unterschätzte Aktien. "Es ist ein bewährter Ansatz: Aktien von Firmen suchen, die zu den besten der Welt gehören, ein robustes Geschäftsmodell haben und unterbewertet sind", erläutert Müller in einem Interview mit "Börse Online". Zudem kämen nur Papiere ins Depot, die man verstehe, nicht zuletzt seien ihm auch ethische Aspekte bei der Aktienwahl wichtig.

Höhenflug in China

Im Geschäft mit asiatischen Aktienfonds hatten die Händler extrem viel zu tun. Das ist kein Wunder, die chinesischen Börsen haben in den vergangenen Monaten eine rasante Aufwärtsbewegung hingelegt. "Allein im April sind chinesische Aktien um 16 Prozent gestiegen", bemerkt Präger. Anleger deckten sich daher zum Beispiel mit dem Threadneedle China Opportunities ( WKN A0MMW3     ) und dem Aberdeen Global Asian Smaller Companies ( WKN A0HMM3     ) ein, im Baring Hong Kong China (WKN 933583     ) dominierten hingegen die Gewinnmitnahmen, im First State Greater China ( WKN A0BKZB     ) würden beide Seiten gespielt. Der China-Fonds von Threadneedle kommt auf Sicht von drei Monaten auf ein Plus von 24 Prozent, auf Sechsmonatssicht sind es 42 Prozent.

Überzeugende Mischfonds

In der Gunst der Anleger weit oben stehen weiter europäische Mischfonds wie der Kapital Plus ( WKN 847625     ). "Da sehen wir nur Käufe", bemerkt Wöllnitz. Unter den Mischfonds gebe es aber einen klaren Favoriten: den M&G Optimal Income ( WKN A0MND8     ). "Der Fonds war 2014 offenbar der, der sich in Europa am besten verkauft hat, also die größten Kapitalzuwächse verzeichnen konnte", berichtet der Händler. In den vergangenen drei Jahren erwirtschaftete der schwerpunktmäßig auf Anleihen setzende Fonds eine Rendite von 6,9 Prozent im Jahr.

Ruhiger geworden ist es im Bereich der Geldmarktfonds, wie Präger feststellt. Umsätze gebe es vor allem in US-Dollar-Fonds ( WKN 986376     , 972167     ) - mit einem Abgabeüberhang - und in Schweizer Franken-Fonds Fonds ( WKN 578796     ) - mit hauptsächlich Zuflüssen.

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Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG

© 29. April 2015

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)