FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 6. Oktober 2021. Den Profis sind Aktien noch nicht günstig genug zum Einstieg und etliche Depots der Privaten setzen die Kursverluste unter Wasser. Kein gutes Umfeld für Optimisten, wie Goldberg resümiert.

Offenbar gibt es Strategien, die sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr auszahlen. Die Rede ist von den sogenannten Dip-Käufen, den Käufen der Börsianer in die Schwäche, wenn der Aktienmarkt eine deutliche Korrektur produziert. Dies ist beim DAX in diesem Jahr immerhin einige Male passiert, und auf fast jeden größeren Rücksetzer folgte eine ordentliche Erholung - meist verbunden sogar mit neuen Allzeithochs. Seit Beginn des neuen Quartals scheinen sich zumindest die Kommentatoren und Analysten nicht mehr so sicher zu sein, ob der Wille zum Kauf in die Schwäche beim DAX, aber auch bei anderen Aktienindices noch erfolgversprechend sein würde.

Grund dafür mag sein, dass das Börsenbarometer zum heutigen Erhebungszeitpunkt unter der 15.000er Marke und unterhalb seiner 200-Tage-Linie notiert, nur unweit von seinem Tief vom 13. Mai. Gleichzeitig ist auch die Liste der Ängste und Bedenken lang geworden. Angefangen beim wahrscheinlichen Tapering, dem Zurückfahren der Wertpapierkäufe der US-Notenbank, über befürchtete weltweite Energieengpässe und eine Inflation, die womöglich doch nicht vorübergehenden Charakters ("transitory") sein könnte. Ganz zu schweigen von den Unwägbarkeiten in China.

Die Angst vor dem Dip-Kauf

Skeptischer zeigen sich auch die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index gegenüber der letzten Septemberumfrage um 11 Punkte auf einen neuen Stand von -12 gefallen ist. Dabei rekrutieren sich die neuen Pessimisten fast ausschließlich aus ehemals neutral eingestellten Akteuren. Dies ist umso bemerkenswerter, als es seit unserer vergangenen Erhebung nur wenige Möglichkeiten gab, zu günstigen Kursen auf die Short-Seite zu gehen.

Bei den Privatanlegern zeigt sich ein völlig anderes Bild. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist in diesem Panel sogar um 3 Punkte gestiegen und befindet sich nun auf einen Stand von +12. Mit anderen Worten: Die bullishen Engagements aus der Vorwoche sind nicht weiter aufgelöst worden. Mehr noch wurden die vergleichsweise "günstigen Kursniveaus" mancherorts zu neuen Käufen genutzt.

In bullishen Positionen gefangen

Mit der heutigen Erhebung hat sich die Stimmungskluft zwischen privaten und institutionellen Investoren deutlich vergrößert. Eine Kluft, die verständlich wird, wenn man die Vorpositionierungen der beiden Panels aus der vergangenen Woche betrachtet. Das sind auf der einen Seite die Privatanleger, die unter dem Strich ihre bullishen Engagements wahrscheinlich nicht ohne Verlust hätten glattstellen können und aufgrund dieser Verlustaversion in ihren Positionen gefangen sind. Gut möglich, dass manche davon ausgehen, dass sich der DAX erneut - wie schon einige Male in diesem Jahr - doch noch erholen könnte, zumal zum Erhebungszeitpunkt der bedeutsame Referenzpunkt "Mai-Tief" (rd. 14.817 Zähler) noch nicht unterlaufen war.

Ganz anders verhielten sich die institutionellen Akteure aus einer neutralen Position heraus. Denen erschien ein Wochenverlust von 3,1 Prozent seit der vergangenen Erhebung (Punktbetrachtung) und ein DAX unter 15.000 Zählern in Kombination mit den DAX-Tiefs des vergangenen Halbjahres unter dem Strich aber offenbar nicht reizvoll genug, um als Käufer tätig zu werden. Das Gegenteil ist passiert. Auf Sicht von sechs Monaten ist der heutigen Sentiment-Index von -12 allerdings nicht herausragend, sondern liegt beinahe auf dem Durchschnittswert dieses Zeitraums.

Unter dem Strich ist die Situation für den DAX insofern nicht günstig, da man bezweifeln muss, ob die Nachfrage aus Gewinnmitnahmen vorgenannter Short-Positionen ausreichen würde, um ihm tatsächlich (bei 14.700/750 Zählern?) eine nachhaltige Stütze zu geben. Denn die Anzeichen für ausländische Kapitalabflüsse haben sich angesichts des gefallenen Euro gegenüber dem US-Dollar gemehrt. Tatsächlich sind es zum wiederholten Male nicht die von uns befragten heimischen Investoren, die die nächste große Bewegung ausmachen.

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6. Oktober 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)