FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Anleger bleiben gefangen zwischen Preisdruck und robuster wirtschaftlicher Erholung.

28. Juni 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Inflations- und Zinssorgen scheinen der Stimmung an den Aktienmärkten bislang nicht allzu sehr zuzusetzen. Der S&P 500 folgte dem Nasdaq und markierte am Freitag eine neue Bestmarke. Der DAX stieg vergangene Woche um rund 1 Prozent auf 15.607 Punkte und eröffnete am Morgen mit 15.580 Punkten nur leicht darunter.

Nachdem sich die Wirtschaft kräftig erholt hat und die Sommerferien bevorstehen, stellt sich für Anleger die Frage nach den nächsten Kurstreibern. Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank rechnet unter anderem aufgrund immer höherer Gewinnerwartungen der Unternehmen in den USA und Europa mit einer anhaltend robusten Verfassung an den Aktienmärkten. Dem stehe allerdings ein Unbehagen wegen des überhitzten Preisklimas gegenüber. Insofern werde das Tauziehen zwischen der guten fundamentalen Lage und einer möglichen Eintrübung des monetären Umfelds entgegen.

Stabile Seitenlage

Technisch bewegt sich der DAX laut Andreas Büchler von index-radar in einer enger werdenden Seitwärtsbewegung, die sich allerdings fast immer oberhalb der ersten stärkeren Wendezone bei 15.350 bzw. 15.500 Punkten abspiele. Solange diese Entwicklung anhalte, sei das Abwärtsrisiko gering. Auf der Oberseite hätten zuletzt Umsatzhäufungen um 15.700 DAX-Punkten eine verstärkte Verkaufsbereitschaft signalisiert. Diese Barriere dürfte Büchler zufolge dem Markt noch für einige Tage erhalten bleiben.

US-Arbeitsmarktdaten geben Aufschluss

Hinsichtlich der Inflationsentwicklung werden die am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten wohl mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Ein stärker als erwarteter Anstieg der Löhne würde vermutlich die Alarmglocken klingeln lassen. Die Durchschnittsgehälter legten in den vergangenen drei Monaten mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent zu. Das spricht nach Ansicht der Helaba in einigen Branchen für erhebliche Lohnerhöhungen. Derzeit werde der Anstieg durch die vielen neuen Jobs in relativ schlecht bezahlten Dienstleistungssektoren aber gedämpft. Eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent erwarten die Helaba-Analysten für 2022.

Die Erwartung bestimmt die Richtung

Wie sich der Preisdruck entwickelt, wird laut Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank unter anderem von den marktbasierten Inflationserwartungen bestimmt. Sollten sich Investoren zunehmend gegen den Preisdruck etwa mittels inflationsgeschützten Anleihen oder Inflationsswaps schützen, werde der Wert steigen und unter Umständen eine Lohn-Preis-Spirale nach sich ziehen. Diese Entwicklung würden die Notenbanken kaum ignorieren können. Noch blieben Anleger ruhig, da vieles für einen temporären Anstieg der Inflation spreche. Sicher sein könne man sich aber nicht.

Entspannung in Sicht

Derweil rechnet de la Rubia in den nächsten sechs Monaten mit einer Entspannung bei den Rohstoffpreisen. Aktuell liefere die globale Inflationsfront gemischte Signale. Die Preise für Kupfer, Eisenerz und insbesondere Holz hätten in den vergangenen Wochen nachgegeben. Am Ölmarkt hingegen setze sich die Rallye fort. Für de la Rubia sind die Entwicklungen auch Zeichen der Normalisierung. Die OPEC+ Staaten stellten sich offenbar auf ein gegenüber heute zwar höheres, im Vor-Corona-Vergleich jedoch dauerhaft niedrigeres Förderniveau ein. Mit der Öffnung der Volkswirtschaften kehre sich auch der Trend hin etwa zu Gartenmöbeln und Einrichtungen wieder um. Damit gehe aller Voraussicht nach die Nachfrage nach Rohstoffen zurück, was den Preisdruck verringere. Zudem würden Unternehmen ihre hohen Lagerbestände mit dem schrittweisen Wegfall von Lieferengpässen tendenziell wieder zurückfahren.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch, 30. Juni

11.00 Uhr. Euroraum: Verbraucherpreise HVPI, November. Die Inflation dürfte im Vergleich zum Vorjahr laut Umfrage auf 1,9 Prozent gesunken sein. Zwar seien Benzin, Diesel und Heizöl vergleichsweise teurer, eine noch stärkere Verteuerung der Energiepreise im Vormonat relativierten den Wert aber. Bei Industriegütern ohne Energie liegt der Konsens bei 0,9 Prozent.

Donnerstag, 1. Juli

18. OPEC und Nicht-OPEC Ministertreffen. Die Länder der OPEC+ werden voraussichtlich ab August eine erhöhte Fördermeng um täglich 500 Tausend Barrels beschließen. Ausreichend freie Förderkapazitäten sind vorhanden. Die weltweite Nachfrage nach Öl ist derzeit größer als das Angebot, die Lagerbestände nehmen ab.

Freitag, 2. Juli

14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktzahlen Juni. Laut Umfrage dürften in diesem Monat 695.000 neue Stellen geschaffen worden sein. Verglichen mit dem Vorkrisenniveau fehlen immer noch sieben Millionen Jobs. Mit dem Auslaufen des erhöhten Arbeitslosengelds im September und der zunehmenden Impfquote erwarten Analysten in den kommenden Monaten eine Entspannung am US-Arbeitsmarkt.

von: Iris Merker 28. Juni 2021, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)