STUTTGART (BOERSE STUTTGART GMBH) - Euwax Trends an der Börse Stuttgart

Trotz Daimler und Continental: DAX erstaunlich robust

Daimler: Jahresausblick kann bestätigt werden

Die Oster-Rally der vergangenen Tage ist seit gestern beendet. Nach neun Gewinntagen in Folge,

schloss der deutsche Leitindex gestern erstmals wieder etwas tiefer. Das Minus ist zwar moderat

und mehr als verkraftbar, doch kurzfristig spricht eher wenig für weiter steigende Notierungen.

Trotzdem präsentiert sich der deutsche Leitindex bisher vergleichsweise robust - und das trotz

eher durchwachsener Quartalszahlen aus dem Automobilsektor.

Die Erwartungen an Daimler waren nicht besonders hoch. Analysten und Marktteilnehmer rechneten

bereits damit, dass der Jahresauftakt für den Stuttgarter Autobauer nicht besonders erfreulich

verlaufen ist. Bei Daimler selbst gab man sich ebenfalls eher nüchtern und Dieter Zetsche

spricht in der heutigen Pressemitteilung ebenfalls von einem erwartet verhaltenen

Jahresstart. Finanzvorstand Bodo Uebber wird sogar noch deutlicher: Wir sind vergleichsweise

schwach ins Jahr gestartet und haben in allen automobilen Geschäftsfeldern mit zahlreichen

Herausforderungen über die gesamte Wertschöpfungskette zu kämpfen. Dies hat sich negativ auf

Absatz und Ertrag ausgewirkt. Nüchtern betrachtet ist der Rückgang nicht erfreulich, aber

vielleicht nicht ganz so dramatisch wie man meinen könnte. Zu den Fakten: Der Konzernabsatz

verringerte sich um vier Prozent auf nun 773.800 PKW und Nutzfahrzeuge. Der Umsatz blieb

gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil bei 39,7 Milliarden Euro. Dramatisch wird es allerdings

beim EBIT. Mit rund 2,8 Milliarden Euro lag dieses fast eine halbe Milliarde unter dem

Vorjahresvergleichszeitraum. Entsprechend verringerte sich auch das Konzernergebnis, welches im

ersten Quartal bei knapp 2,1 Milliarden Euro lag (im Vorjahr rund 2,3 Milliarden). Trotz der

Rückgänge lagen die heute vorgelegten Zahlen sogar noch leicht über den Erwartungen von

Analysten. Zudem bestätigte Daimler heute seine Jahresprognose. Beobachter waren sich im

Vorfeld nicht ganz sicher, ob Daimler wirklich an den Jahreszielen festhalten würde.

Gewinnrückgang: Continental dennoch zufrieden

Wenn die Autobauer husten, dann bekommt man als Zulieferer schon einmal eine schwere Erkältung.

Das bekommt nun auch Continental zu spüren - wenngleich man von einer Grippe noch weit entfernt

ist. Wie der DAX-Konzern heute im Vorfeld der anstehenden Hauptversammlung mitteilte, sank das

operative Ergebnis im ersten Quartal um 17 Prozent auf nun rund 884 Millionen Euro. Der Umsatz

konnte zwar moderat gesteigert werden, doch die operative Marge verringerte sich merklich um

1,6, auf nun 8,1 Prozent. Trotz des Rückgangs gibt man sich bei Continental noch halbwegs

zufrieden. CEO Elmar Degenhart: Die weltweite Autoproduktion ist zu Beginn des Jahres wie

erwartet stark zurückgegangen. Umso erfreulicher ist unser solides Ergebnis. Nach eigener

Aussage, habe man im ersten Quartal besser abgeschnitten, als die Gesamtbranche. Das Jahresziel

wurde auch von Continental bestätigt.

Deutsche Bank: Nicht Fisch, nicht Fleisch

Einen Tag nachdem die Deutsche Bank das Ende der Fusionsgespräche mit der Commerzbank

verkündete, gab es heute auch noch einen Quartalsbericht zu verdauen. Das Positive vorweg:

Deutschlands größtes Finanzinstitut konnte den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um ganze 67 Prozent

steigern. Das Problem: Der Gewinn liegt bei gerade einmal 201 Millionen Euro. Im

internationalen Vergleich ist das eine geradezu lächerliches Ergebnis. JP Morgan beispielsweise

verdiente im ersten Quartal 2019 knapp neun Milliarden US-Dollar. Wer zumindest auf einen

kleinen Lichtblick hoffte, wurde heute bitter enttäuscht. In nahezu allen wichtigen Kernfeldern

musste die Deutsche Bank weitere Federn lassen. So gaben die Erträge aus dem Privat- und

Firmenkundengeschäft um weitere fünf Prozent nach. In der Vermögensverwaltung, weitestgehend

durch die Fondstochter DWS gesteuert, sanken die Einnahmen um fünf Prozent. Die Einnahmen

sanken sogar um neun Prozent und lagen zuletzt nur mehr bei rund 6,4 Milliarden Euro. Was den

Ausblick angeht, zeigt man sich ebenfalls eher nüchtern. CEO Christian Sewing: "Wir erwarten,

dass unsere Erträge im Jahr 2019 im Wesentlichen unverändert zum Vorjahr bleiben werden". Im

Fall von JP Morgan dürfte man sich über derartige Aussagen freuen. Im Fall der Deustchen Bank

sind das nicht unbedingt rosige Aussichten.

Amazon: Die Rekordjagd geht weiter

Amazon hingegen bleibt weiter auf Rekordjagd. Wie das Unternehmen gestern mitteilte erzielte

man im abgelaufenen Quartal den bereits vierten Rekordgewinn in Folge. Insgesamt verbuchte der

Onlinehändler einen Nettogewinn von 3,6 Milliarden US-Dollar. Das ist gut doppelt so viel, wie

im Vorjahresvergleichszeitraum. Das Ergebnis je Aktie lag bei 7,09 US-Dollar und somit doch

sehr deutlich über den Erwartungen von Analysten (4,72 US-Dollar). Der wesentliche

Gewinntreiber ist, wie erwartet, das Cloud-Geschäft. Mit rund 2,2 Milliarden US-Dollar steuerte

das Geschäft mit der Cloud fast die Hälfte zum Konzernergebnis bei. Nachdem in dieser Woche

bereits SAP und Microsoft Zahlen präsentierten und auch hier der Stellenwert des Cloud

Business im Vordergrund stand, hat sich bereits abgezeichnet, dass auch Amazon nachziehen

würde. Ohnehin entwickelte sich Amazon bereits in den vergangenen Jahren zu einem echten

Konkurrenten für Microsoft und SAP, da Amazon Web Services (AWS) einen halbwegs identischen

Kundenkreis auf Unternehmensseite anspricht. Amazon ist mittlerweile weit mehr als eine reine

Onlinevertriebsplattform. Doch das traditionelle Geschäft will man weiter ausbauen, was zu

Lasten der kommenden Quartalsbilanz gehen dürfte, wie Finanzvorstand Brian Olsavsky

durchblicken ließ. So plant Amazon im laufenden Jahr schon wieder Investitionen von rund 800

Millionen US-Dollar. Vor allem die Logistik soll ausgebaut werden, um Prime-Kunden noch

schneller ihre bestellten Waren auszuliefern. Im Gegensatz zu früheren Jahren, kann man sich

derartige Investitionen durchaus leisten.

Börse Stuttgart TV

Die Berichtssaison in den USA steuert auf ihren Höhepunkt zu. Gestern Abend gab es bereits

einen kleinen Paukenschlag durch Microsoft, doch auch das Zahlenwerk von Facebook konnte sich

sehen lassen. Bei Tesla fällt man währenddessen eher wieder zurück in alte Muster. Wie die

einzelnen Zahlen ausgefallen sind und was diese Entwicklung für den Gesamtmarkt bedeutet,

erläutert Roland Hirschmüller von der Baader Bank bei Börse Stuttgart TV.

Video unter folgendem Link anschauen: https://youtu.be/pbd5NMyOtPo

Euwax Sentiment Index

Es ist erneut kein einfacher Handelstag für Derivateanleger in Stuttgart. Die sehr geringe

Schwankungsbreite des DAX erschwert die Aussichten auf Ertragschancen im kurzfristigen

Tradingbereich. Insgesamt bewegt sich der DAX in einer sehr engen Range, was zu einer gewissen

Ratlosigkeit bei Anlegern an der EUWAX führt. Ablesen lässt sich dieser Umstand an einer doch

sehr ausgeprägten Zick-Zack-Bewegung des Euwax-Sentiment-Index.

Trends im Handel

Reger Handel bei Call-Optionsschein auf Continental

Nach der heutigen Zahlenpräsentation werden Call-Optionsscheine auf die Continental-Aktie (WKN:

TR4505) stark nachgefragt. Im Zuge der Zahlen kletterte die Continental-Aktie doch recht

deutlich nach oben und hat sich am frühen Nachmittag bei rund 152,5 Euro eingependelt.

Ebenfalls im Fokus der Anleger steht auch heute ein Call-Optionsschein auf Microsoft (WKN:

TR4505). Der Schein hat eine Laufzeit bis Dezember 2019 und wurde von HSBC Trinkaus & Burkhardt

emittiert.

Disclaimer:

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Quelle: Boerse Stuttgart GmbH

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