Ähnlich wie Tesla in seinen Anfängen stand auch Sono Motors bereits mehrfach vor der Insolvenz. Nun rettet sich das Münchner E-Auto-Start-up durch einen Börsengang. Welches langfristige Potenzial steckt in dem Start-up?

Es ist eine kleine Sensation: Erstmals seit Jahrzehnten gelingt einem deutschen Auto-Start-up der Sprung an die Nasdaq. Seit dem 17. November ist der Münchner Solarautoentwickler Sono Motors unter dem Tickersymbol SEV an der US-Technologiebörse gelistet.

Bei der Erstemission wurden zehn Millionen Stammaktien zum Preis von 15 US-Dollar je Aktie ausgegeben. Darüber hinaus hat das Unternehmen den Konsortialbanken eine 30-tägige Option eingeräumt, bis zu 1,5 Millionen zusätzliche Stammaktien zum Erstemissionspreis zu erwerben. Der Gesamtnettoerlös für Sono Motors liegt bei 156,1 Millionen US-Dollar.

Sono Motors war vor dem Börsengang insolvenzgefährdet. Durch den IPO sei der drohende Zahlungsausfall abgewendet. Dies bestätigte Gründer und Vorstandschef Laurin Hahn am vergangenen Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Ja, die Erlöse helfen uns, unser Fortbestehen zu sichern und helfen uns, zusätzliche Investitionen für die Serienproduktion zu tätigen".

Der Kurs der Sono Motors-Aktie hatte sich bereits am ersten Handelstag mit 38,20 US-Dollar mehr als verdoppelt. Zeitweise stieg das Papier sogar bis auf 47,49 US-Dollar. Doch der Höhenflug endete so schnell, wie er begann: Innerhalb einer Woche verlor die Sono Motors-Aktie mehr als 54 Prozent. Gestern kostete ein Anteilschein bei Börsenschluss an der Nasdaq nur noch 20,36 US-Dollar (Stand: 24.11.2021).

Sono Motors entwickelt mit dem Sion einen batterieelektrischen Kompaktwagen, in dessen Karosserie 248 Solarzellen eingearbeitet sind. Auf der Kurzstrecke benötigt der Sion durch die Solarmodule im Idealfall keine Ladestationen mehr, denn pro Woche gewinnt er durch Sonnenenergie bis zu 245 Kilometer Reichweite. Für längere Strecken oder bei Sonnenflaute kann das Solarelektroauto auch über konventionelle Haushaltsteckdosen, sowie über DC-Schnell- oder Typ 2-Ladestation geladen werden.

Der Sion soll in Schweden gebaut werden und 2023 auf den Markt kommen. Laut Sono Motors gebe es bereits rund 16.000 angezahlte Reservierungen. Doch wie schätzen Autoexperten das Marktpotenzial des Sion ein?

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research in Duisburg glaubt nicht an einen großen Marktdurchbruch des Sion. Mit 28.500 Euro sei das Solarelektroauto von Sono Motors "preislich eher Mittelmaß" – Für den Sion wird es voraussichtlich keinen Umweltbonus in Höhe von 9.000 Euro geben. Vergleichbare E-Autos wie der VW ID.3 (25.388 Euro), der Renault ZOE (18.530 Euro), der elektrische Opel Corsa (18.590 Euro) und der Hyundai Kona (24.360 Euro) seien nach der Umweltprämie deutlich günstiger als der Sion.

Die Solarpanele des Sion sind laut Dudenhöffer zudem kein riesiger technologischer Durchbruch. Zudem seien "Verarbeitungsqualität, Ausstattung und Langzeitqualität unbekannt", aber die "Produktionskosten in Kleinfertigung hoch". Dudenhöffer verwies im Gespräch mit wallstreet:online auch auf "die Aktie, die nach wenigen Tagen und einem Kurzzeithoch von 47,50 US-Dollar fast schon wie eine Eintagsfliege auf 20 US-Dollar gestürzt ist."

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion


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