Frankfurt/Main (dpa) - Nach einer Gewinnwarnung und dem Rücktritt des Vorstandschefs sind die Papiere des Kohlefaserspezialisten SGL Carbon um fast ein Drittel eingebrochen.

Mit 3,714 Euro rutschten die Papiere unter ihr bisheriges Rekordtief aus dem Jahr 2002 und notieren erstmals überhaupt unter 4 Euro. Im SDax sind sie in diesem Jahr unter den größten Verlierern mit einem Abschlag von fast 40 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Management um Vorstandschef Jürgen Köhler die Ziele für 2019 bestätigt. Anleger wurden daher von der Gewinnwarnung vom Vorabend auf dem falschen Fuß erwischt, reagierten entsprechend entsetzt und sprachen von Vertrauensverlust. Die Wiesbadener senkten nicht nur die Prognose für das laufende Jahr, sondern kassierten auch gleich den Ausblick für 2020 bis 2022 komplett ein.

Analyst Christian Obst von der Baader Bank schrieb in einer am Studie, die Hiobsbotschaften von SGL könnten bedeuten, dass die komplette Zukunft des Unternehmens - zumindest die derzeitige Struktur - überarbeitet werden wird.

An SGL Carbon sind die Autobauer BMW und VW sowie die Aufsichtsratschefin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion beteiligt. Analyst Obst schloss nicht aus, dass Hauptaktionär Skion SGL von der Börse nehmen könnte, was aus seiner Sicht für die Aktionäre die bessere Option wäre.

Vor allem im Geschäftsbereich Composites - Fibers & Materials (CFM) läuft es für SGL derzeit schlecht. Das Unternehmen begründete dies mit Planungsfehlern bei einem großen Windenergie-Geschäft.

Außerdem würden die erwartete Erholung im Marktsegment Industrielle Anwendungen sowie die geplanten Maßnahmen zu Besserung der Ergebnisse nicht in dem erwarteten Ausmaß das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2019 stützen. SGL-Chef Jürgen Köhler tritt vor diesem Hintergrund mit Wirkung zum 31. August 2019 zurück.