von Oskar Herbert

Düsseldorf, 27.08.2015: Die großen Wirtschaftsretter scheinen jetzt mit ihrem Latein am Ende: China zieht die Weltwirtschaft runter. Die Zinsen sind schon unten. Sie können nicht mehr gesenkt werden, um die Wirtschaft wieder nach oben zu ziehen. Staaten und Regierungen rund um den Globus zudem viel zu hoch verschuldet, um mit neuen Ausgaben für Schwung sorgen zu können. Die Kurse von Anleihen steigen. Zinsen und Renditen sinken.

Vor 50 Jahren geisterte ein Gespenst durch das damalige deutsche Wirtschaftswunderland: "Die gelbe Gefahr der blauen Ameisen". Das war noch zu Zeiten des Kommunistenführers Mao Tse Tungs. Die Geschichte kam ganz anders. Die gelbe Gefahr geriet zum chinesischen Segen. Der Aufbruch des Riesenreichs in die Moderne schuf jede Menge Nachfrage, Gewinn und Arbeitsplätze besonders im Exportwunderland Deutschland. Alle Bundesregierungen konnten immer mehr Anleihen ausgeben und das sogar mit immer weniger hohen Zinskupons.


Die gelbe Gefahr

Die jetzige gelbe Gefahr, nämlich der Abbruch dieses chinesischen Aufbruchs, wird klein geredet: "Nur 7% der deutschen Exporte gehen nach China". Das sei wenig, heißt es. Tatsächlich sind 7% von insgesamt etwa 1.000 Mrd. Euro deutschen Exporten 70 Mrd. Euro. Diese Export-Milliarden fallen natürlich nicht alle sofort weg. Dennoch: Wenn nur ein Zehntel dieser China-Exporte wegfallen sollte, dann ist mehr als das, was die Bundesregierung im Laufe der Jahre z.B. für die Rettung von Brücken und Straßen ausgeben will oder für sonstige Wirtschaftsförderungsmaßnahmen. Und China ist nicht der einzige Negativ-Effekt: Russland bricht 2015 weg. Der brasilianische Wachstumsmarkt schrumpft.


Vorteil wird zum Nachteil

Der Ölpreis fällt. Vordergründig mag das als positiver Einspar-Effekt gewertet werden. Tatsächlich führt dieser Effekt jedoch dazu, dass Erdöl-Exporteure bei ihren Ausgaben sparen müssen oder gar an Erspartes aus besseren Öl-Tagen rangehen müssen. Ganz viel von diesem Ersparten liegt in "sicheren Häfen": in Anleihen aus Euro-Land und aus Dollar-Land. Ihr ebenso ehrgeiziges wie absurdes Ziel, die jährliche Geldentwertung (Inflation) im Euro-Land auf 2 % erhöhen zu wollen, wird die Europäische Zentralbank EZB unter diesen Bedingungen auf absehbare Zeit kaum verwirklichen können. Das würde selbst dann nicht gelingen, wenn die EZB alle europäischen Anleihen aufkaufen würde.


Anleihen bleiben hoch

Von der amerikanischen Notenbank FED will man wissen, sie hätte in Kürze die Leitzinsen erhöhen wollen, um die US-Wirtschaft vor einer Inflationsspirale zu bewahren. Die Verantwortlich in China haben ihre Leitzinsen erst mal gesenkt und die Währung abgewertet. Mit ihrem Ersparten, nämlich mit den Währungsreserven aus den vergangenen Jahren, haben die Chinesen den amerikanischen Anleihenmarkt quasi in der Hand. Sie können die Finanzierung der immer neuen, gewaltigen Staatsschulden der USA gelingen lassen oder eben scheitern lassen. Vor diesem Hintergrund wird man realistisch damit rechnen, dass Zinsen und Renditen noch lange Zeit niedrig -und die Kurse von Anleihen entsprechend hoch bleiben werden.


6,6 % für 60 Jahre-Dollar

Für 30 Jahre laufende Anleihen des US-Schatzamts gibt es jetzt 2,9 % Zinsen in Dollar. Für die gerade herausgekommene 60 Jahre laufende Dollar-Anleihe des RWE gibt es 6,625 % Jahreszinsen auf einen Kurs von kaum mehr als 100 %. Stromriese RWE kämpft mit massiven Problemen. Die Lichter beim RWE dürfen aber nicht ausgehen. Sonst steht eine ganze Reihe von RWE-Eigentümer-Städten des Ruhrgebiets im Dunkeln. Banken und Sparkassen haben RWE-Aktien der Städte beliehen. Obendrein haben die Städte ungedeckte Kassekredite in Milliardenhöhe bei Banken und Sparkassen offen stehen. Die Bundesrepublik bedient derweil die 31jährige Bundsanleihe mit 2,5% Jahreszins. Das ergibt 1,3 % Rendite, weil der Kaufkurs der Euro-Anleihe aktuell fast bei 130 % steht. Die noch knapp zehn Jahre laufende 2,75%-Spezialanleihe der Deutschen Bank ist jetzt für 95 % zu haben. Das macht mehr als 3 % Rendite, sofern die Bank die Anleihe planmäßig am 17.2.2025 zu 100 % zurückzahlen wird. Die Zinszahlung für diese Spezialanleihe darf die Bank nur dann ausfallen lassen, wenn sie Insolvenz anmeldet. Davor mögen EZB und das Bundes-Finanzministerium das Land und seine Sparer schützen.

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