SARAJEVO (dpa-AFX) - Außenministerin Annalena Baerbock ist am Donnerstag zum Auftakt ihrer zweitägigen Westbalkanreise in Bosnien-Herzegowina mit ihrer Amtskollegin Bisera Turkovic zusammengekommen. Vor dem Hintergrund einer drohenden weiteren Destabilisierung des Landes will die Grünen-Politikerin um eine Orientierung in Richtung Europa werben. Sie wolle mit ihrem Besuch in Sarajevo sowie im Kosovo und in Serbien auch deutlich machen, "dass wir diese Region im Herzen Europas nicht dem Einfluss Moskaus überlassen werden", kündigte Baerbock am Mittwochabend vor ihrem Abflug an.

Baerbock verlangte ein stärkeres europäisches Engagement für die Länder auf dem Balkan. "Der russische Angriff auf die Ukraine ist eine Zäsur, die eindringlich zeigt: Europa muss bereit sein, strategisch in seine langfristige Sicherheit zu investieren." Viele Länder des westlichen Balkan "haben wir in den letzten Jahren enttäuscht und vernachlässigt", räumte sie ein. "In diese offene Flanke drängen Akteure wie Russland hinein, die kein Interesse an einer europäischen Zukunft haben und nicht davor zurückschrecken, ungelöste Konflikte wieder zu schüren."

Im Anschluss an weitere Gespräche mit der Staatsführung wollte Baerbock auch mit dem Hohen Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft, dem Ex-CSU-Politiker Christian Schmidt, zusammenkommen. Schmidt hatte kürzlich angesichts von nationalistischen Tendenzen des Serbenführers Milorad Dodik vor einer Spaltung des Landes gewarnt und personenbezogene Sanktionen der EU ins Gespräch gebracht.

Baerbock wollte sich auch mit Vertreterinnen der Opferorganisation "Mütter von Srebrenica" treffen. Beim Völkermord von Srebrenica im Bosnien-Krieg hatten serbische Truppen 1995 die dortige UN-Schutzzone überrannt und anschließend mehr als 8000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen ermordet. Das Massaker gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa.

Am Nachmittag wollte Baerbock in Pristina, der Hauptstadt des Kosovos, mit Präsidentin Vjosa Osmani und Ministerpräsident Albin Kurti Gespräche führen. Zudem war ein Treffen mit Vertretern der Nato-Mission KFOR sowie mit Soldatinnen und Soldaten des deutschen Einsatzkontingentes geplant. Im Rahmen der KFOR-Mission können bis zu 400 deutsche Einsatzkräfte ins Kosovo geschickt werden. Derzeit sollen rund 70 Bundeswehrsoldaten die öffentliche Ordnung in dem Land sichern und den Aufbau einer zivilen Friedensordnung unterstützen./bk/gm/DP/eas