FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Eigentlich sollte die neue Auflage des europäischen Bankenstresstests schon 2020 durchgeführt werden. Doch um den Instituten mitten in der Pandemie nicht noch weitere Aufgaben aufzubürden, verschob die europäische Bankenaufsicht EBA die Prüfung um ein Jahr. Daher mussten die Institute nun in den vergangenen Monaten auf Basis ihrer Bilanz des Jahres 2020 durchrechnen, ob ihre Kapitalpuffer in bestimmten Krisenszenarien widerstandsfähig genug sind. Die Ergebnisse des Stresstests veröffentlichen die EBA und die Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Freitag (ab 18.00 Uhr).

Die EBA nahm 50 Geldhäuser aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe. Darunter sind 7 aus Deutschland: BayernLB, Commerzbank , Deutsche Bank , DZ Bank, Landesbank Baden-Württemberg, Landesbank Hessen-Thüringen, Volkswagen Bank. Parallel dazu untersuchte die EZB weitere 51 Banken aus dem Euroraum, die sie direkt beaufsichtigt.

Im als besonders hart geltenden Krisenszenario des EBA-Test wird unterstellt, dass sich die Corona-Krise zuspitzt und die wirtschaftlichen Rückschläge infolge der Pandemie länger anhalten. Die Wirtschaft in der Europäischen Union würde in diesem Szenario in den drei Jahren bis 2023 kumuliert um 3,6 Prozent schrumpfen. Zugleich würde die Arbeitslosenquote steigen und die Immobilienpreise würden kräftig einbrechen.

Durchfallen können Banken bei den diesjährigen Tests nicht. Die Ergebnisse fließen in den "SREP"-Prozess ("Supervisory Review and Evaluation Process") ein, in dem Aufseher die Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen und die Angemessenheit des Risikomanagements bewerten. Einzelnen Instituten können die Aufseher auf dieser Basis auftragen, Kapitalpuffer zu stärken.

Mit solchen Stresstests überprüfen Aufseher weltweit regelmäßig, wie anfällig Banken im Krisenfall wären. Unumstritten sind solche Tests und die Ableitungen daraus nicht, denn welche Risiken in den hypothetischen Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt letztlich in der Hand der Aufseher./ben/DP/zb