FRANKFURT (dpa-AFX) - Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling zeigt sich "alarmiert" über die Zinsentwicklung im Euroraum. "Die Banken müssen handeln, wenn sie keine Verluste einfahren und überleben wollen", schrieb der Bankenaufseher in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin "Focus" (Samstag). Nach seiner Einschätzung könnten Banken die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) "bald an noch mehr Kunden weitergeben".

Geschäftsbanken müssen künftig 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Schon der bisherige negative Einlagensatz von 0,4 Prozent war eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche. Etwas Entlastung verschafft die EZB den Instituten nun über Freibeträge.

Möglicherweise holen Banken die Kosten für den Strafzins auch darüber wieder herein, dass sie die Gebühren für ihre Dienstleistungen erhöhen. "Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Girokonten kosten Geld, wie jede andere Dienstleistung auch", argumentierte Wuermeling. "Stabile Banken gibt es nicht zum Nulltarif."

Seiner Meinung nach haben Deutschlands Banken aber auch "ein Effizienzproblem": "Zu viele Filialen, zeitaufwendige Prozesse, üppige Belegschaften und veraltete IT verbrauchen die Budgets. Allein mit höheren Gebühren ist es also nicht getan", mahnte Wuermeling./ben/DP/stk