Seit vier Jahren mischt ein skandinavisches Unternehmen den Markt für Batteriezellen auf. Konzerne wie Volkswagen (WKN: 766403), Siemens (WKN: 723610) und ABB (WKN: 919730) haben Hunderte Millionen in dieses noch weitgehend unerprobte Start-up gepumpt. Aber warum eigentlich? Hier ist, was das Besondere an Northvolt ist.

Northvolt ist ein bisschen wie Nikola

Ein Vergleich mit Nikola Corp. (WKN: A2JQN0) ist auf den ersten Blick nicht gerade vorteilhaft. Das ambitionierte Elektro-Lkw-Start-up hat schließlich zuletzt eine Menge Rückschläge verkraften müssen. Kritiker werfen dem Management vor, dass es nur Luftschlösser gebaut habe und über kaum eigene Technologie verfüge.

Aber auch Northvolt hat noch nicht sonderlich viel eigene Technologie vorzuweisen. Schaut man in Patentdatenbanken nach, dann tauchen gerade einmal zwei Patente auf, die alle 2020 veröffentlicht wurden. Lediglich bei einem davon geht es um Batteriezellen. Zum Vergleich: der Zellhersteller Varta (WKN: A0TGJ5) meldet fast jeden Monat mindestens ein Batteriepatent an.

Eine weitere Gemeinsamkeit von Nikola und Northvolt betrifft ihre Fähigkeit, große Visionen zu entwickeln und dafür sowohl Geldgeber als auch herausragende industrielle Partner zu gewinnen.

Nikola wird bald in Ulm in Kooperation mit IVECO erste Elektro-Lkw vom Band laufen lassen und Northvolt bereitet in Kooperation mit Volkswagen den Bau von Northvolt Zwei in Salzgitter vor. Nikola konnte Bosch als Entwicklungspartner gewinnen und bei Northvolt unterstützen Siemens und ABB dabei, den Automatisierungsgrad auf Weltspitzenniveau zu hieven.

Northvolt denkt in Lösungen statt in Produkten

Northvolt agiert also als eine Art Plattform, die als Speerspitze das Batteriethema in Europa vorantreibt, aber stets offen für Projekte verschiedenster Partner ist. Das Unternehmen mag bei Patenten noch etwas schwach auf der Brust sein, vereint jedoch erstklassige Wissenschaftler aus vielen Nationen unter seinem Dach. Deren Erfahrung und Wissen bietet es an, um maßgeschneiderte Zellen zu entwickeln.

Außerdem werden die eigenen Zellen zu Batteriesystemen verbaut. Auch Baufahrzeuge und Ladestationen wurden bereits damit ausgerüstet. Durch diese kontinuierliche Suche nach neuen Anwendungsfällen erschließt sich das Unternehmen neue Erlösquellen und baut gleichzeitig wertvolles System-Know-how auf.

Im Gegensatz zu reinen Zellherstellern, die darauf angewiesen sind, dass Kunden ihre Zellen abnehmen, kann sich Northvolt so zum Teil seine eigenen Märkte schaffen. Außerdem hilft es damit, die Energiewende insgesamt zu beschleunigen, genauso wie ein Katalysator eine chemische Reaktion erleichtert.

Northvolt denkt die Wertschöpfungskette neu

Im September sammelte Northvolt weitere 600 Mio. US-Dollar ein, um die Forschungsanstrengungen zu steigern und sich auf die Massenproduktion vorzubereiten. Neben Private-Equity-Investoren nahmen daran auch erneut Volkswagen und Scania teil. Das langfristige Ziel lautet, die Produktionskapazität bis 2030 auf 150 Gigawattstunden hochzuschrauben und damit etwa ein Viertel des europäischen Marktes zu beherrschen.

Dabei geht es allerdings nicht nur um die Fabriken selbst. Vielmehr will Northvolt ein großes Rad drehen, um die gesamte Wertschöpfungskette möglichst nachhaltig gestalten und steuern zu können. Wo andere Hersteller die Batteriechemie als Fertigmischung von BASF (WKN: BASF11) und Co. beziehen, wollen die Schweden die Ingredienzien von zuverlässigen Quellen beziehen und dann so weit wie möglich selbst aufbereiten und zusammenmischen.

Bis 2024 die Fabrik in Salzgitter voll anläuft, können die Wissenschaftler noch viel forschen, um das optimale Rezept für die nächste Batteriegeneration herauszufinden. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch ein niedriger CO2-Abdruck und die Etablierung eines Wertstoffkreislaufs. Metalle wie Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan aus entsorgten Batteriesystemen sollen so im großen Stil wiedergewonnen werden.

Eine spannende Story

Northvolt maximiert viele Hebel wie etwa Automatisierung, Recycling und Energieeffizienz. Gleichzeitig bauen die Schweden mit Hochdruck Know-how auf und binden erfolgreich Industriepartner an sich. Es scheint folglich alles angerichtet, um hier eine große Erfolgsgeschichte zu schreiben. Eine Frage bleibt für mich dennoch, ob es tatsächlich gelingen wird, die Batteriechemie auf Weltklasseniveau zu bringen. Nur dann wird es möglich sein, den europäischen Markt anzuführen.

Partner Volkswagen hat immerhin noch einen Trumpf in der Hinterhand: Falls Northvolt die erforderliche Zellqualität nicht liefern kann, könnten die Wolfsburger ihre andere Beteiligung QuantumScape (WKN: A2QJX9) hinzuziehen, die dank ihrer aussichtsreichen Feststofftechnologie aktuell einen wahnsinnigen Hype erfährt. Sie will 2025 bereit sein, ein Jahr nach dem geplanten Start von Northvolt Zwei in Salzgitter.

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Bis dahin könnte auch Northvolt börsennotiert sein und einige der besten Aktien sich bereits vervielfacht haben.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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