Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer (WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017) musste in seinem US-Glyphosat-Rechtsstreit wieder einmal einen Rückschlag einstecken. Richter Vince Chhabria lehnte einen Antrag zum Umgang mit künftigen Klagen ab.

Der angestrebte Kompromiss für insgesamt zwei Mrd. US-Dollar hätte das juristische Glyphosat-Debakel beenden können. Der nun geplatzte Deal war Teil eines Gesamtpakets von über 11 Mrd. US-Dollar, in dessen Rahmen Bayer schon viele bestehende Klagen beilegen konnte. Richter Chhabria kritisierte, dass der Lösungsvorschlag für die Nutzer des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup unangemessen sei, die derzeit noch nicht an einem Non-Hodgkin-Lymphom, also einer Krebserkrankung des lymphatischen Systems, leiden.

Schafft der Fünf-Punkte-Plan die Wende?

Bayer reagierte auf die Gerichtsschlappe mit der Ankündigung eines Fünf-Punkte-Plans zum effektiven Umgang mit potenziellen künftigen Glyphosat-Klagen. So plant der Konzern unter anderem eine Internet-Seite mit wissenschaftlichen Studien zu Glyphosat-basierten Produkten und will – mit Genehmigung der US-Umweltbehörde EPA – einen entsprechenden Hinweis auf Roundup-Produkten anbringen.

Bayer reagiert auf den neuen Glyphosat-Rückschlag mit einem Fünf-Punkte-Plan. Dieser sieht unter anderem vor, Glyphosat aus den Regalen für Privatkunden in den USA zu verbannen. (Bildquelle: Pixabay / hpgruesen)

Gleichzeitig erwägt Bayer, solche Produkte nicht länger an US-Privatkunden zu verkaufen. Denn laut Bayer behauptet die ganz überwiegende Mehrheit der Kläger, Roundup-Produkte für Privatzwecke verwendet zu haben. Bayer zufolge wäre das viel größere Geschäft etwa mit Landwirten davon nicht betroffen.

Außerdem prüft der DAX-Konzern, wie ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium eingerichtet werden könnte, in dem externe Experten die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Sicherheit von Roundup überprüfen. Die Ergebnisse sollen dann im Internet veröffentlicht werden.

Keine Bedenken in Bezug auf die Sicherheit der Produkte

Ziel der Maßnahmen ist es, die Risiken durch mögliche weitere Klagen einzudämmen. Laut Bayer geht es dabei allein um die Minimierung von Rechtsrisiken. Demnach gibt es weiterhin keine Bedenken in Bezug auf die Sicherheit der Produkte. Bayer zufolge hat die US-Umweltbehörde EPA erst in der vorletzten Woche bei einem US-Berufungsgericht eine Stellungnahme eingereicht, in der sie bestätigt habe, dass von Glyphosat „keine bedenklichen Risiken für die menschliche Gesundheit ausgehen“.

Bayer erklärte, dass sich auch das Vorgehen bei bereits vorliegenden Klagen ändern könnte, nachdem der Konzern inzwischen rund 96.000 Fälle im Rahmen des Mitte 2020 vorgestellten umfassenden Vergleichs endgültig beigelegt hat. Grundsätzlich will Bayer die ausstehenden Klagen gütlich einigen. Allerdings könne regelmäßig geprüft werden, ob dieser Ansatz noch im besten Interesse des Unternehmens ist.

Laut Bayer soll sich am geplanten Kostenrahmen von 2 Mrd. US-Dollar erst einmal nichts ändern. Demnach bleiben die entsprechenden Rückstellungen in ihrer Höhe bestehen.

Im Fünf-Punkte-Plan könnte vor allem die relativ drastische Maßnahme, Glyphosat aus den Regalen für Privatkunden in den USA zu verbannen und durch einen anderen Inhaltsstoff zu ersetzen, dabei helfen, das Risiko künftiger Klagen zu begrenzen. Bayer erzielt rund 300 Mio. Euro Umsatz im Roundup-Geschäft mit Privatkunden. Das bedeutet nur einen Anteil von nicht einmal ein Prozent des gesamten Konzernumsatzes von 41 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2020.

Rechtsstreitigkeiten im Aktienkurs eingepreist?

Die Rechtsstreitigkeiten dürften auf unabsehbare Zeit weiterhin ein omnipräsentes Thema bei Bayer bleiben, allerdings könnte dieser Belastungs-Faktor bei der Bayer-Aktie inzwischen im Kurs eingepreist sein.

Seit dem Oktober-2020-Tief bei 40 Euro konnte sich der Kurs bis Anfang Juni 2021 auf zeitweise über 50 Euro erholen, auch weil Bayer durch das Engagement bei der Corona-Impfstoffproduktion und durch den Einstieg in das Zukunftsgeschäft mit Zell- und Gentherapien wieder neue Pharma-Hoffnungen wecken konnte.

Überwiegend Kaufempfehlungen von den Analysten

Möglicherweise eröffnen die nach wie vor niedrigen Kurse bei Bayer eine günstige Einstiegsgelegenheit. Davon scheinen offenbar viele Analysten überzeugt zu sein, die für die Bayer-Aktie mehrheitlich Kaufempfehlungen aussprechen. Dazu gehören unter anderem die Analysten von Goldman Sachs und UBS, deren Kursziele bei 74 Euro und 85 Euro liegen.

Anleger, die mit einer nachhaltigen Aufwärtstrendwende bei der Bayer-Aktie rechnen, können mit einem Long-Zertifikat (WKN: MA3DSU / ISIN: DE000MA3DSU1) gehebelt von Kurssteigerungen profitieren. Skeptiker können dagegen zu passenden Short-Zertifikaten greifen (WKN: MA03LA / ISIN: DE000MA03LA1).

Bildquelle: Pressefoto Bayer AG

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