LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer <DE000BAY0017> setzt weiterhin auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, steckt aber auch viel Geld in die Erforschung von Alternativen. Glyphosat wird zwar nach wie vor eine wichtige Rolle in der Produktpalette von Bayer spielen, gleichzeitig sollen in den kommenden zehn Jahren aber auch rund 5 Milliarden Euro in zusätzliche Methoden zur Unkrautbekämpfung investiert werden, wie der Leverkusener Dax<DE0008469008>-Konzern am Freitag mitteilte.

Das Thema Glyphosat ist aktuell das größte Sorgenkind von Bayer. So ist der Konzern in den USA mit rund 13 400 Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des Wirkstoffs konfrontiert. Drei Fälle gingen bereits in der ersten Instanz verloren. Die jüngste Niederlage geht mit einer Schadenersatzforderung der Geschworenen von rund 2 Milliarden US-Dollar (rund 1,8 Mrd Euro) einher. Bayer weist Gesundheitsgefahren bei richtiger Anwendung mit Verweis auf zahlreiche wissenschaftliche Studien zurück und setzt auf günstigere Urteile von Berufungsrichtern in den nächsten Instanzen.

Viel Kritik muss Bayer aber auch von Umweltschützern einstecken, sowie wegen der früheren Informationspolitik von Monsanto. So wurde unlängst bekannt, dass Monsanto Listen mit Kritikern und Unterstützern erstellen ließ - wohl auch in Deutschland. Bayer entschuldigte sich für die "komplett unangemessene" Praxis und kündigte Aufklärung an

Insgesamt soll es unter der Bayer-Führung besser laufen. Der Dax-Konzern will verstärkt auf Kritiker zugehen. Während die Integration von Monsanto gut vorankomme, sollte nun auch das Engagement in puncto Transparenz und Nachhaltigkeit verstärkt werden, hieß es am Freitag. Das gelte auch mit Blick auf das im Laufe des Jahres beginnende Wiederzulassungsverfahren für Glyphosat in der Europäischen Union. Aktuell ist das Mittel bis Ende 2022 zugelassen.

Der Gegenwind nahm zuletzt aber zu. So droht etwa ein Verbot in Österreich. In Deutschland will die Deutsche Bahn den Unkrautvernichter perspektivisch nicht länger nutzen, wie Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla der "Wirtschaftswoche" sagte. Mit ihrem viele tausend Kilometer langen Streckennetz, das frei gehalten werden muss, ist die Bahn ein Glyphosat-Großabnehmer./mis/elm/stk