MINSK (dpa-AFX) - Sechs Monate nach Beginn der Proteste gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus (Weißrussland) haben die Behörden die Schuld für den Tod eines Demonstranten eingeräumt. Aufgrund tragischer Umstände sei "eine der Wunden" tiefer gewesen. Dies habe schließlich zum Tod des Mannes geführt, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Belta am Freitag den Chefermittler Iwan Noskewitsch. Der 34-jährige Demonstrant war der erste Tote bei den Protesten.

Die Behörden des autoritären Landes sahen allerdings keine Schuld beim Vorgehen der Sicherheitskräfte. Der Mann habe am 10. August 2020 mit seinen Handlungen die Polizei provoziert und sei stark alkoholisiert gewesen. Die Sicherheitskräfte hätten mit dem Einsatz von nichttödlichen Waffen aus größerer Distanz korrekt gehandelt. Es wurden keine weiteren Ermittlungen eingeleitet.

Früheren Medienberichten zufolge hatte die Polizei intern berichtet, dass der Mann durch ein Gummigeschoss getötet worden war. Das Innenministerium hatte zunächst behauptet, dass er einen explosiven Gegenstand werfen wollte und bei der Explosion ums Leben kam.

Die weithin als gefälscht geltende Präsidentenwahl am 9. August hat in Belarus Massenproteste mit mehr als 30 000 Festnahmen, Hunderten Verletzten und mehreren Toten ausgelöst. Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80,1 Prozent der Stimmen von der Wahlkommission für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Zuletzt kam es noch vereinzelt zu Protestaktionen vor allem in größeren Städten./ast/DP/men