Der Umbau innerhalb des Konzerns trägt Früchte und hat die Commerzbank im zweiten Quartal zurück in die Gewinnzone katapultiert. Zum Jahresende peilt sie einen Milliarden-Gewinn an.

Gute Nachrichten von der Commerzbank: Nach längerer Durststrecke und einem gut angelaufenen Umbau schreibt das Finanzinstitut endlich wieder schwarze Zahlen. Und die fallen sehr positiv aus: Im zweiten Quartal stieg der operative Gewinn auf 746 Millionen Euro und liegt damit deutlich über den 32 Millionen Euro, die im entsprechenden Vorjahresquartal 2021 erzielt wurden. Dieses wurde zwar stark durch die außergewöhnlichen Belastungen des Umbaus verzerrt, trotzdem übertrifft das Ergebnis die Erwartungen der Analysten erheblich, die im Schnitt mit 480 Millionen Euro gerechnet hatten.

Unterm Strich verzeichnet der MDAX-Konzern einen Nettogewinn von 470 Millionen Euro für das zweite Quartal (Q2 2021: – 527 Mio. Euro), während die Erträge um 30 Prozent auf 2,42 Milliarden Euro (Q2 2021: 1,86 Mrd. Euro) zulegten.



Für Rückenwind sorgten ein starkes Kundengeschäft und die steigenden Zinsen, die vor allem das Polen-Geschäft beflügelten. Allerdings rechnet die Commerzbank hier in der näheren Zukunft mit deutlichen Abstrichen. Hintergrund ist ein neues Gesetz, das privaten Kreditnehmern bis Ende 2023 die wiederholte Aussetzung der monatlichen Ratenzahlungen erlaubt. In der Konsequenz plant die Commerzbank für das dritte Quartal bereits Belastungen in Höhe von 210 bis 290 Millionen Euro mit ein.

Alles in Allem bleibt die Mannschaft um Konzernlenker Manfred Knof aber positiv gestimmt und hält an ihrem Ausblick für das Gesamtjahr 2022 fest, laut dem der Gewinn die Milliarden-Euro-Marke knacken soll. Voraussetzung sei allerdings, dass sich einerseits die konjunkturelle Lage nicht wesentlich verschlechtert – etwa durch Engpässe bei der Gasversorgung.

Andererseits dürfte dafür keine signifikante Erhöhung der Rückstellungen für das Schweizer-Franken-Portfolio bei der polnischen mBank anfallen – hier schwelt schon seit Jahren ein Streit um den Umgang mit älteren Krediten in der eidgenössischen Währung.

Für das Gesamtjahr strebt die Commerzbank zudem eine Risikovorsorge von rund 700 Millionen Euro an, um sich gegen mögliche Kreditausfälle zu wappnen.

Der nachhaltige Aufwärtstrend scheint bei der Commerzbank eingeläutet und sorgt für Kursfantasie. Dennoch steht bei den Analysten erstmal Abwarten auf der Agenda. So rät unter anderem auch Andreas Pläsier zum Halten des Titels. Das Kursziel sehen er und seine Kollegen aktuell bei 7,65 Euro.

(ir) für die wallstreet:online Zentralredaktion


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