HANNOVER (dpa-AFX) - Tui steht nach Überzeugung von Betriebsratschef Frank Jakobi auch mit den staatlichen Milliardenhilfen unter hohem finanziellen Druck. "Natürlich beschäftigt sich das Management aktuell noch stärker mit dem Kostenthema", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Für stationäre Reisebüros sieht Jakobi insgesamt weiterhin gute Chancen - es werde künftig jedoch stärker darauf ankommen, den Kunden dort noch mehr Zusatzangebote zu machen.

Die Vereinbarungen bei Tui mit freiwilligem Ausscheiden bedeuteten für die Betriebsräte "eine sehr schwierige Verhandlungsposition": "Auf der einen Seite gibt es die wirtschaftliche Realität einer hoch verschuldeten Tui. Auf der anderen Seite geht es darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern", erklärte Jakobi. Dabei wisse man noch nicht, wie sich der Bund als neuer Großaktionär positioniere.

Auch die Verhandlungen über Einsparungen bei Tuifly seien alles andere als leicht. "Tuifly befasst sich schon lange mit der Frage: Was ist die ideale Flottengröße?" Die vom Aufsichtsrat beschlossene Reduzierung in Deutschland auf 17 Jets hätten externe Berater bereits vor der Corona-Krise empfohlen. So solle eine optimale Auslastung im Sommer und im buchungsschwachen Winter mit dieser Zahl möglich sein.

Der pandemiebedingte Einbruch machte 2020 auch vielen niedergelassenen Reisebüros zu schaffen. Jakobi, der selbst aus dem Bereich kommt, sieht Perspektiven für das stationäre Geschäft - sofern es gelingt, Verbrauchern einen Mehrwert zu bieten. "Es gibt trotz Online-Konkurrenz ja weiter tolle Buchläden - aber viele haben ihr Angebot eben auch ausgeweitet, sich geöffnet für neue Produkte. Ich denke, das ist der Schlüssel für das, was auf die Reisebüros zukommt." Und auch das Kreuzfahrtgeschäft werde wiederkommen./jap/DP/stk