Schon seit Anfang Dezember 2020 befindet sich das Papier von BionTech in einer Korrektur. Diese kostete dem Konzern bereits 20 Prozent seines Börsenwertes. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden: Gemeinsam mit seinem Partner Pfizer will BionTech in diesem Jahr seine Produktionskapazität deutlich erhöhen. Damit könnten in der EU die Astrazeneca-Ausfälle zumindest teilweise ausgeglichen werden. Diese Nachricht und die veröffentlichten, glänzenden Geschäftszahlen verschaffen der BioNTech-Aktie ein Kursfeuerwerk. 

Bis zu 2,5 Milliarden Impfdosen in 2021

Das in Mainz ansässige Biotechnologie-Unternehmen gab am Dienstag bekannt, dass seine Impfstoff-Produktionskapazität 2,5 Milliarden Dosen erreichen kann. Vor kurzem haben BioNTech und Pfizer ihr Produktionsziel bereits von 2 Milliarden Dosen auf 2,3 auf 2,4 erhöht. Bisher hat BioNTech einen Liefervertrag für 1,4 Milliarden Dosen unterzeichnet und erwartet, dass ihr Umsatz bis 2021 9,8 Milliarden Euro erreichen wird.

Hauptgründe für den Anstieg sind die Verbesserung des Herstellungsprozesses, die neue BioNTech-Produktionsstätte in Marburg, die Genehmigung des Entzugs der sechsten Impfstoff-Dosis und der Ausbau des Hersteller- und Lieferanten-Netzwerks. BioNTech befindet sich in weiteren Gesprächen mit potenziellen Partnern. Bis zum 23. März wurden weltweit mehr als 200 Millionen Impfstoffdosen abgegeben. Der größte Kunde ist die EU, die 500 Millionen Dosen sowie eine Option von 100 Millionen weiteren bestellt hat, gefolgt von den USA, die 300 Millionen Dosen geordert haben. BioNTech-Chef Ugur Sahin erklärte: „Bis einschließlich März 2021 konnten wir gemeinsam mit unseren Partnern mehr als 200 Millionen Impfstoffdosen in über 65 Länder und Regionen ausliefern“. 

Sahin kündigte an, die Entwicklung neuer Formulierungen und Impfstoffe gegen die Mutationen voranzutreiben. Der Mainzer untersucht seinen Impfstoffs nun auch bei weiteren Personengruppen. Bisher wurde das Vakzin an Personen ab 16 Jahren verabreicht. Nun soll eine Studie mit ProbandInnen zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren starten. In Planung stehen außerdem Studien bezüglich der Verabreichung des Impfstoffs bei Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Kräftiger Quartalsgewinn & vervierfachter Umsatz

Neben den bereits ausgelieferten 200 Millionen Dosen bis zum 23. März wurden in diesem Jahr schon 1,4 Milliarden weitere Dosen bestellt. Dementsprechend fielen auch die Geschäftsdaten für das vergangene Jahr aus, welche das Mainzer Unternehmen am Dienstag veröffentlichte. 

Im Geschäftsjahr zum Dezember stieg der Umsatz auf 482,3 Millionen Euro nach 108,6 Millionen Euro im Vorjahr. Einschließlich der Einnahmen aus den Covid-19-Impfstoffen 270,5 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg auf 15,2 Millionen Euro, während der Nettoverlust 2019 179,2 Millionen Euro betrug.

Besonders auffällig war die Entwicklung im vierten Quartal 2020: In diesem Zeitraum genehmigten die USA, das Vereinigte Königreich und die Europäische Union den Impfstoff. Der Nettogewinn sprang auf 366,9 Millionen Euro – verglichen mit dem Nettoverlust von 58,2 Millionen Euro im gleichen Zeitraum 2019. 

Die tatsächlichen Auswirkungen auf das Geschäft sind jedoch bisher nicht klar.. Am Dienstag sagte Finanzvorstand Sierk Poetting auf einem Analystentreffen, dass BioNTech aufgrund der bisher unterzeichneten Lieferverträge für dieses Jahr einen Umsatz von 9,8 Milliarden Euro erwartet. Dies wurde jedoch durch den Anstieg der F & E-Ausgaben und der Zahl der Beschäftigten ausgeglichen, die Ende Dezember auf 1.900 gestiegen sind.

BioNTech hofft, die jetzt in die Registrierkasse investierten Mittel für das laufende Geschäft und vor allem für Forschungszwecke verwenden zu können. Sahin teilt mit: „Wir sehen eine enorme Chance darin, Einnahmen aus unserem Covid-19-Impfstoff in die Forschung zu reinvestieren“. BioNTech fördert die Entwicklung seines Ansatzes der „Immuntherapien der nächsten Generation“. Dieser umfasst Krebstherapie, Infektionskrankheiten, regenerative Therapie, Entzündungen und Autoimmunerkrankungen, einschließlich Allergien.

BioNTech-Aktie im Höhenflug 

Der Biotech-Riese verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr ein starkes Wachstum. Im Geschäftsjahr 2020 betrug das Ergebnis je Aktie von BioNTech 0,06 Euro. Dies hat die Erwartungen der Analysten weit übertroffen. Der Konsens der Experten hatte zuvor ein Ergebnis je Aktie von -1,588 Euro prognostiziert. BioNTech verzeichnete 2019 einen Verlust von 0,850 Euro je Aktie.

Auch am Dienstag reagierte die Börse positiv auf die veröffentlichten Unternehmensdaten. Auf dem Nasdaq-Markt in New York steigen die BioNTech-Aktien aktuell um 7,91 Prozent  auf 103,50 US-Dollar. Dies bedeutet, dass sich der Wert der BioNTech-Aktie seit dem Börsengang des Unternehmens im Oktober 2019 mehr als versechsfacht hat.

Auch in Deutschland gehört das Papier zu den Performance-Besten des Tages. Im XETRA-Handel gewinnt der Titel gegenwärtig 9,44 Prozent und ist 87,80 Euro wert.