Unter Fools sind Gold und Bitcoin nicht beliebt. In erster Linie, weil wir produktive Anlageklassen wie Aktien lieben. Dahinter stehen Unternehmen, die echten Wert für die Menschen und die Gesellschaft schaffen. Sie verdienen Geld und haben Cashflows, auf die wir als Aktionäre ein Anrecht haben.

OK, nicht alle Unternehmen haben Cashflows. Und ob etwas wirklich Wert schafft, das ist etwas Subjektives. Aber jeder kann an der Börse Unternehmen finden, die aus seiner oder ihrer Sicht Werte schaffen. Und es ist großartig, in diese zu investieren, um an deren Erfolg teilzuhaben.

Warum sollte man dies auch nicht tun?

Für mich, im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen, heißt das jedoch nicht, dass nicht produktive Anlagen wie Cash, Gold oder Bitcoin relativ wertlos sind.

Im Gegenteil.

Zu was Cash, Gold und Bitcoin nutzen

Den Nutzen von Cash sehe ich in der Optionalität, die es mir bietet. Im Moment sind die Aktien vieler großartiger Unternehmen teuer. Besonders in den USA, wo ich von vielen eigentlich großartigen Unternehmen nur eine sehr geringe Rendite erwarte, wenn überhaupt. Stürzen die Kurse irgendwann mal wieder stärker ab, vorzugsweise noch mehr als vor einigen Wochen, dann zeigt sich der Nutzen des trockenen Pulvers, wenn man es hat.

Gold hat seinen Nutzen länger bewiesen als alle Anlageklassen auf dieser Welt. Es ist seit tausenden von Jahren ein Inflationsschutz. Gerade in Zeiten von nie dagewesenen Gelddruckorgien der Zentralbanken ist das ein Nutzen, den ich persönlich nicht ignorieren möchte.

Und Bitcoin? Jeder hat seine eigene Meinung dazu. Für viele ist er nutzlos. Andere nutzen ihn, um Geld einfach und schnell zu transferieren. Wieder andere sehen ihn als das bessere Gold und damit als Wertaufbewahrungsmittel. Für noch einmal andere ist er eine Versicherung gegen den Kollaps des Geld- und Finanzsystems. Ich habe eine gewisse Sympathie für all diese Ansichten.

In jedem Fall habe ich in den letzten 12 Monaten den Anteil von Gold und Bitcoin an meinem liquiden Portfolio aufgebaut. Von 0 % im April 2019 auf gegenwärtig 15 %.

Ich sehe viele meiner Kollegen jetzt den Kopf schütteln.

Und ich kann sie verstehen. 15 % seines Portfolios in etwas investieren, dessen Wert sich nicht berechnen lässt. Das ist schon etwas anderes, als 15 % in eine Aktie zu investieren, von der man besonders überzeugt ist (auch das ist für die meisten Anleger wahrscheinlich zu viel).

Seit 2019 kann man dem jedoch etwas entgegensetzen. Ein anonymer niederländischer institutioneller Investor unter dem Twitter-Pseudonym PlanB hat ein Modell für Bitcoin entwickelt.

Ist ein Bitcoin bald 55.000 US-Dollar wert?

Die Idee hinter dem Modell ist die folgende: Je seltener eine Sache zu finden ist, desto wertvoller ist sie. Ausgedrückt wird diese Seltenheit mit dem Verhältnis von Stock to Flow (S2F). Auf gut Deutsch: Wie viel davon haben wir im Moment auf der Erde bereits verfügbar im Verhältnis dazu, wie viel wir davon jedes Jahr zusätzlich fördern können.

Das S2F ist bei Edelmetallen relativ stabil. Der Goldbestand wächst zum Beispiel jedes Jahr im ganz niedrigen einstelligen Prozentbereich. Laut PlanB waren es zum Zeitpunkt der Entwicklung seines Modells 1,6 %. Der Kehrwert davon wäre das Stock to Flow, also 1/1,6 % = 62.

Zum Vergleich dazu liegt das S2F von Silber bei 22.

Und auch Bitcoin hat ein S2F. Als PlanB sein Modell Anfang 2019 erstellte gab es zum Beispiel bereits 17,5 Millionen Bitcoin und es wurden neue Bitcoin mit einer Rate von 0,7 Millionen Bitcoin pro Jahr durch die Miner geschürft. Das bedeutet ein S2F von 17,5/0,7 = 22,5.

Diese Rate ist allerdings nicht konstant, sie verringert sich über die Zeit. Aber dazu gleich mehr. Zunächst zurück zum S2F-Modell von PlanB. Denn was er Anfang 2019 herausgefunden hat, ist verblüffend: Der Bitcoin-Preis in US-Dollar hängt historisch extrem eng mit dem Stock to Flow zusammen. Konkreter: Eine Verdoppelung des Stock to Flow führte relativ zeitnah ungefähr zu einer Verzehnfachung des Bitcoin-Kurses in US-Dollar.

Dieser Zusammenhang hat Gültigkeit seit dem Jahr 2009 (ganz zu Beginn der Bitcoin-Geschichte) bis heute. Und nicht nur das, statistisch gesehen beschreibt dieses Modell laut den Berechnungen von PlanB 95 % der Preisentwicklung von Bitcoin.

Anders gesagt, in den Worten von PlanB:

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung zwischen SF und Marktwert durch Zufall verursacht wird, ist nahe Null. Natürlich beeinflussen auch andere Faktoren den Preis […]. Der dominierende treibende Faktor scheint jedoch Knappheit/SF zu sein.

Und jetzt kommt das Beste: Das S2F von Bitcoin wird über Zeit nur zunehmen. Größtenteils kontinuierlich. Aber alle paar Jahre (derzeit ca. alle vier Jahre) halbiert sich das S2F sprunghaft, von einem Moment auf den anderen.

Und wie der Zufall es so will, erleben wir genau das in diesem Monat. Irgendwann Mitte Mai ist es soweit. Das S2F von Bitcoin wird halbiert von ca. 25 auf ca. 50.

Laut dem Modell müsste dieses Ereignis dazu führen, dass sich der Bitcoin-Preis in der relativ nahen Zukunft (in ein bis zwei Jahren) rund verzehnfachen wird. Konkret sagt das Modell einen Bitcoin-Kurs von 55.000 US-Dollar voraus.

In der folgenden von PlanB erstellten Grafik sieht man schön den Zusammenhang zwischen den historischen Bitcoin-Kursen (die farbigen Punkte) und dem Modell (schwarze Linie).

Quelle: medium.com

Es gab auch Kritik an dem Modell. Unter anderem, dass es einige statistische Annahmen nicht erfüllen würde.

Nichtsdestotrotz beschreibt das Modell die Kursentwicklung von Bitcoin doch sehr gut, wie man an der Grafik oben sieht.

Die große Frage ist natürlich, ob das in Zukunft so bleiben wird.

Die Weiterentwicklung des Modells. Oder: 1 Bitcoin = 288.000 US-Dollar?

PlanB hat dieses Modell erst vor wenigen Tagen noch weiterentwickelt. In seinem neuen Modell hat er den Faktor Zeit herausgenommen. Stattdessen hat er den Bitcoin-Kurs in verschiedenen Phasen betrachtet, zu denen Bitcoin jeweils als etwas anderes angesehen wurde:

  • Phase 1: Der Machbarkeitsnachweis vom Ursprung Bitcoins an im Jahr 2008
  • Phase 2: Bitcoin als Bezahlmittel ab ca. 2011, als 1 Bitcoin dem Wert von 1 US-Dollar entsprach
  • Phase 3: Bitcoin als elektronisches Gold ab ca. 2014, als 1 Bitcoin das erste Mal dem Wert von 1 Unze Gold entsprach
  • Phase 4: Bitcoin als Anlageklasse ab ca. 2017, als das Stock to Flow von Bitcoin in etwa dem Stock to Flow von Silber entsprach

Er hat dann, vereinfacht gesagt, den durchschnittlichen Bitcoin-Kurs und das durchschnittliche Stock to Flow von Bitcoin in diesen vier Phasen in einem Chart dargestellt, zusammen mit den entsprechenden Werten von Silber und Gold.

Auch dieses Modell zeigte Verblüffendes: Diese sechs Punkte (vier Punkte für die vier Phasen von Bitcoin und zwei jeweils für Silber und Gold) liegen praktisch auf einer Linie.

Quelle: medium.com

Laut diesem Modell müsste der Bitcoin-Kurs nach der in wenigen Tagen anstehenden Verdoppelung des Stock to Flow auf 50 auf einen Wert von 288.000 US Dollar ansteigen.

Macht das überhaupt Sinn?

Eines ist für mich klar. Die aktuelle Marktkapitalisierung von Bitcoin von rund 150 Mrd. US Dollar macht nicht viel Sinn. Vielleicht für irgendwelche Nischenanwendungen, die nur wenige Menschen nutzen.

Warum?

Nehmen wir an, dass nur einer von zehn Menschen Bitcoin nutzen/halten würde. Dann hätte jeder dieser Nutzer im Durchschnitt gerade einmal einen Gegenwert von rund 200 US-Dollar in Bitcoin (150 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung geteilt durch rund 0,75 Milliarden Nutzer).

Als Wertspeicher für die Menschheit (wie historisch Gold) kann Bitcoin damit nicht dienen. Genausowenig wie als weit verbreitetes Zahlungsmittel oder als alternative Anlageklasse. Dafür könnte Bitcoin nur einem sehr kleinen Teil der Menschheit dienen – oder einem größeren Teil der Menschheit, dafür aber nur in sehr geringem Umfang.

Im Umkehrschluss heißt das für mich: Entweder Bitcoin setzt sich mittel- bis langfristig wirklich als etwas Wichtiges durch oder eben nicht. Falls ja, dann muss sich der Kurs vervielfachen, um wirklich allgemein nutzbar zu bleiben. Und falls nein, dann ist Bitcoin in meinen Augen eher wertlos.

Ich weiß nicht, wohin die Reise gehen wird. Eher Richtung Null oder über 100.000 US-Dollar. Es gibt schlagkräftige Argumente für beides.

Auf einige Argumente dagegen bin ich schon einmal eingegangen.

Grundsätzlich glaube ich aber daran, dass eine sichere, nicht inflationäre und eine nicht von Staaten kontrollierte digitale Währung eine Daseinsberechtigung hat. Die Frage ist für mich eher, ob sie Bitcoin heißen wird oder irgendwie anders.

Für Bitcoin spricht aus meiner Sicht, dass es für eine mögliche Alternative wirklich schwer wird, Bitcoin abzulösen – um nicht zu sagen unmöglich. Das liegt daran, dass eine mögliche Alternative zu Beginn relativ einfach gehackt werden und das Vertrauen darin relativ einfach zerstört werden kann. So war es zu Beginn auch bei Bitcoin der Fall. Heute ist es praktisch unmöglich, das Netzwerk zu hacken.

Also selbst wenn sich kein Wert von Bitcoin im Sinne eines Cashflow-Modells wie bei Aktien berechnen lässt, schätze ich das Chancen-Risiko-Verhältnis bei Bitcoin heute als durchaus attraktiv ein – auch als Foolisher Anleger, der definitiv viel von produktiven Vermögen hält.


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Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Bernd Schmid, CFA, Motley Fool Investmentanalyst

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