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Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Schon wieder grundlos Wolf gerufen

17:40 Uhr 19.09.2018

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sind die hiesigen Anleger bullish -

kein gutes Zeichen, insbesondere weil sie damit recht alleine stehen.

19. September 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Was hat sich eigentlich

seit unserer vergangenen Erhebung politisch verändert? Nicht viel. Die

Eskalation im Handelskrieg schraubt sich weiter nach oben, nachdem die USA

die Umsetzung der Strafzölle auf China-Importe in Höhe von 200 Milliarden

US- Dollar beschlossen hatten und China seinerseits ebenfalls ab dem 24.

September mit Zöllen auf US-Importe - allerdings nur im Volumen von 60

Milliarden US-Dollar - reagieren will. Und auch die nächste Runde von

weiteren Strafzöllen seitens der USA in Höhe von noch einmal 267 Milliarden

US-Dollar auf chinesische Importe scheint schon längst festgeschrieben.

Genauso wie es das Drehbuch der Handelskonflikt-Eskalation vorgesehen hat.

Ein Drehbuch, das jeder zu kennen scheint und das daher keine Überraschungen

mehr in sich birgt. Auch die Situation in den Emerging Markets scheint

bereits unterhalb der Wahrnehmungsschwelle vieler Akteure zu liegen. Und

selbst diejenigen, die vergangene Woche auf den Chartbildern eine große

Umkehrformation erkannt haben wollen, dürften nun etwas in Erklärungsnot

geraten sein. Ja, man fühlt sich an die Aesop'sche Fabel vom Hirtenjungen

und dem Wolf erinnert, wenn man an all diejenigen denkt, die aus sicherlich

nachvollziehbaren Gründen wieder einmal vor einem bevorstehenden großen

Börsenkollaps gewarnt hatten. Allerdings ist der große Kurseinbruch in

Gestalt des Wolfes bislang nicht gekommen.

Im Gegenteil, seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung hat sich der DAX

sukzessive befestigt und kaum Gelegenheit zu günstigen Käufen geboten.

Dennoch hat sich die Stimmung der institutionellen Anleger gegenüber der

Vorwoche, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, deutlich verbessert,

denn der Index befestigte sich um satte 26 Punkte auf den dritthöchsten

Stand dieses Jahres von +29 Punkte. Dabei haben knapp 40 Prozent der

Pessimisten das Handtuch geworfen und ihre Ansicht mehrheitlich (fast drei

Viertel der Wechselwilligen) um 180 Grad auf "bullish" gedreht. So gesehen

kann man angesichts des gestiegenen Börsenbarometers von einer kleinen

Kapitulation sprechen.

oder kommt er doch noch?

Die Mehrheit der Privatanleger musste offenbar nicht in einen derart sauren

Apfel beißen und dem Markt hinterherrennen, denn der Börse Frankfurt

Sentiment-Index hatte in diesem Panel bereits in der Vorwoche bei +12

gestanden und ist bei der heutigen Umfrage unverändert geblieben. Wobei zu

bemerken wäre, dass die Polarisierung zwischen Bullen und Bären ein wenig

zurückgegangen ist. Offensichtlich hat der Gewinn des DAX von 1,2 Prozent im

Wochenvergleich bislang nicht zu größeren Gewinnmitnahmen gereizt. Mit

anderen Worten: Die mutigen Bullen der Vorwoche haben sich bislang nicht

belohnt.

Die jüngste Stimmungsentwicklung ist insofern bemerkenswert, als die neueste

Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch, die vom 7. bis 13. September

erhoben wurde, dafür spricht, dass bis Mitte vergangener Woche Kapital von

Aktienmärkten der Eurozone abgezogen wurde. Denn der Anteil derjenigen

internationalen Fondsmanager, die in Aktien der Eurozone übergewichtet sind,

hat sich seit der vergangenen Umfrage von netto 17 auf 11 Prozent

zurückgebildet und damit den tiefsten Stand seit 18 Monaten erreicht. Wenn

man bedenkt, dass der Anteil der in den USA übergewichteten Fonds leicht auf

per Saldo 21 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2015

gestiegen ist, kann man sich gut vorstellen, dass derzeit die größeren

Gewinnchancen für Aktien jenseits des Atlantik gesehen werden. Damit ist es

sehr wahrscheinlich, dass die Aufwärtsbewegung des DAX der vergangenen Tage

heimischer Nachfrage zuzuschreiben ist.

Mit der heutigen Erhebung befindet sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index

der institutionellen Anleger mit +29 Punkte nicht nur absolut betrachtet auf

recht hohem Niveau. Vielmehr handelt es sich in der relativen Betrachtung

auf Sicht von sechs Monaten sogar um den bislang höchsten Wert in diesem

Jahr.

Dies impliziert zweierlei: Zum einen dürften weitere Kursanstiege des DAX

durch Gewinnmitnahmen abgebremst werden. Und, zum anderen, sollte der DAX

erneut unter Druck geraten, wird man den Warnern der vergangenen Woche

möglicherweise kein zweites Mal glauben wollen. Wollen wir hoffen, dass - um

im Bild der Fabel zu bleiben - die Warner nicht am Ende Recht behalten und

der Wolf dieses Mal dann doch noch kommt.

19. September 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler

Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in

negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren

Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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