BERLIN (dpa-AFX) - Der monatelange Corona-Lockdown trifft auch die Spielhallen hart - die Branche beobachtet eine Verlagerung ins illegale Glücksspiel im Internet und in Hinterzimmer. "Um den Schwarzmarkt zu bekämpfen, braucht es einen funktionierenden Vollzug und ein ausreichendes, attraktives legales Angebot - das zeigt der Lockdown einmal mehr", sagte der Vorstandssprecher des Verbands Deutsche Automatenwirtschaft, Georg Stecker, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Gesundheitsschutz stehe an oberster Stelle. "Wir halten Tests der Bevölkerung aber für eine gute Idee." Sie eröffneten die Option, Spielhallen wieder zu öffnen. Dort herrsche striktes Alkoholverbot, und es sei ausreichend Platz für Besucher, die sich kaum bewegten.

Die Lage der Branche sei dramatisch, sagte Stecker. "Die Spielhallen sind seit Anfang November abermals geschlossen. Im Jahr 2020 hatte die Branche im Bereich der Automatenaufstellung einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent." Das treffe auch die Industrie, die Geräte etwa an Spielbanken liefert, die auch dicht seien. Viele Unternehmen hätten Reserven aufgebraucht. Hilfen fließen weiter nur schleppend. "Wir erwarten Betriebsschließungen."

Ohnehin ist die Branche in Bewegung. Ab Sommer 2021 soll ein neuer Glücksspielstaatsvertrag in Kraft treten. Glücksspiele im Internet wie Online-Poker oder Online-Casinos sollen künftig erlaubt werden. Stecker sagte, der Vertrag sei gut, weil er klare Qualitätsvorgaben mache.

Mit Blick auf Ausführungsgesetze in den Ländern fügte er aber hinzu: "Die Länder sind am Scheideweg: Sie müssen sich nun entscheiden, ob sie Spielhallen nach Qualitätskriterien regulieren und dadurch den Spieler- und Jugendschutz stärken oder ob sie das legale Angebot vernichten und so dem Schwarzmarkt den Weg ebnen. Im letzten Fall drohen irreparable Schäden."

Stecker warnte vor Betriebsschließungen und einem Stellenabbau, wenn Länder Spielhallen nach Mindestabständen regulierten. Vielmehr käme es auf den Spieler- und Jugendschutz in der Spielhalle selbst an. Auch ergäben Mindestabstände angesichts der künftig legalisierten, überall verfügbaren Online-Angebote keinen Sinn./hoe/DP/he