Es sollte der größte Börsengang der Geschichte werden. So plante der chinesische Megakonzern Alibaba (WKN: A117ME) für Anfang November 2020 in Shanghai und Hongkong mit seiner Finanztochter Ant Group einen IPO, durch den etwa 34,5 Mrd. US-Dollar eingenommen werden sollten.

Kritik wird zum Fallstrick

Doch ganz überraschend, quasi über Nacht, wurde er am 3. November 2020 abgesagt. Die Gründe dafür sind sehr wahrscheinlich nicht im Unternehmen selbst zu finden, sondern extern. So ist China eine kommunistische Diktatur, die für Kritiker nicht viel übrighat. Davor sind selbst einheimische Großkonzerne und deren Gründer nicht gefeit.

Jack Ma (Alibabas Gründer) war mutig und äußerte sich auf einer Finanzkonferenz, bei der auch ranghohe Politiker zugegen waren, negativ über die chinesische Finanzaufsicht. Sie würde „Innovationen abwürgen“, so sein Vorwurf. Zudem verglich er chinesische Banken mit „Pfandleihhäusern“. Selbst wenn die Aussagen den Tatsachen entsprechen, werden sie in China nicht toleriert.

So folgten im Anschluss sogenannte „regulatorische Interviews“, die vom Staat angeordnet wurden. Alibaba könnte darüber hinaus zum Verhängnis werden, dass die Regierung den Abbau von monopolartigen Marktstellungen plant. Alibaba ist derzeit Chinas größte Onlinehandelsplattform.

Sammelklagen könnten folgen

Für Alibaba entstehen in Folge der Absage des Börsengangs viele weitere Probleme. So fühlen sich jetzt bestimmte ausländische Investoren betrogen. Speziell in den USA verdienen Anwaltskanzleien sehr viel Geld mit Sammelklagen, die nun Prozesse gegen Alibaba anstreben. Aber auch in Hongkong sind Sammelklagen in der Vorbereitung.

Ob sie Erfolg haben werden, ist noch offen, denn bisher ist für die Anleger kein großer Schaden entstanden. Die Alibaba-Aktie hat lediglich etwas korrigiert und ist nicht in sich zusammengebrochen.

Konkret wird dem Konzern Wertpapierbetrug vorgeworfen. So soll die Ant Group einzelne Voraussetzungen für einen Börsengang in Shanghai und Hongkong nicht erfüllt haben, was schwer glaubhaft ist. Zudem wird dem Unternehmen vorgeworfen, die regulatorischen Änderungen in Hongkong, die auf Ant Group starke Auswirkungen haben, nicht ausreichend gewürdigt haben. Daraus folgern die Anwälte, dass somit auch Alibabas Wachstumsaussichten übertrieben positiv dargestellt wurden.

Die chinesische Finanzaufsicht führt ähnliche offizielle Argumente an. Doch sie wirken angesichts von Alibabas finanziellen Möglichkeiten, des tatsächlichen starken Wachstums und eigenen rechtlichen Know-hows nicht sehr überzeugend.

In den USA haben die Anleger jetzt bis zum 12. Januar 2021 Zeit, um bei den entsprechenden Anwälten Klage einzureichen. Alibaba besitzt derzeit etwa ein Drittel der Ant Group, die unter anderem die in China sehr bekannte und häufig genutzte Zahlungsplattform Alipay betreibt.

Ausgang offen

Derartige Anschuldigungen und Klagen können schnell zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf führen und so die Alibaba-Aktie weiter drücken, was wiederum noch mehr Klagen nach sich ziehen würde. Die operative Unternehmensentwicklung steht dabei im Hintergrund. So ist Alibaba unter Ausklammerung der Umstände weiterhin ein unterbewerteter Wachstumswert.

Allein im zweiten Geschäftsquartal 2020/2021 wurde der Umsatz um 30 % gesteigert, wobei alle Bereiche meist zweistellig zulegten. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um 28 %. Dass es in absoluten Zahlen um 33 % sank, lag lediglich an dem geplanten Ant-Group-Börsengang.

Für die weitere Aktien-Entwicklung wird es auf Jack Mas Verhalten ankommen. Wenn er alle Forderungen erfüllt, könnte er die Machthaber vielleicht noch einmal umstimmen. Wenn nicht, könnten Alibaba und Jack Ma noch mehr Unannehmlichkeiten drohen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd..

Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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