FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft hat nach dem tiefen Absturz in der Corona-Krise nach Einschätzung der Bundesbank im Sommer die Trendwende geschafft. Die Erholung der Konjunktur habe im Juli und "wohl auch im August" angehalten - wenngleich mit nachlassendem Schwung, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht September.

"Nach dem massiven Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Frühjahr um saisonbereinigt fast ein Zehntel gegenüber der Vorperiode dürfte im dritten Vierteljahr 2020 daher eine kräftige Gegenbewegung folgen", folgern die Ökonomen der Deutschen Bundesbank in dem am Montag veröffentlichten Bericht. "Gleichwohl wird das Vorkrisenniveau im Sommer noch erheblich unterschritten werden. Dies gilt gleichermaßen für die Industrie wie für die Dienstleistungen insgesamt."

Im zweiten Quartal war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,7 Prozent zum Vorquartal abgesackt. Dies war nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen in Deutschland 1970.

Auch das Bundesamt hatte kürzlich in einer Gesamtschau aktueller Konjunkturdaten darauf hingewiesen, dass sich in vielen Branchen eine V-förmige Entwicklung abzeichne - also ein deutlicher Anstieg etwa von Produktion und Absatz nach dem herben Absturz vor allem im April. Vorläufige BIP-Zahlen für das dritte Quartal gibt es am 30. Oktober.

Die jüngsten Konjunkturprognosen für das Gesamtjahr 2020 sind etwas weniger pessimistisch - auch wenn Europas größter Volkswirtschaft demnach nach wie vor der schwerste Wirtschaftseinbruch in der Nachkriegsgeschichte droht. Auch die Bundesbank ist überzeugt: "Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte sich die Erholung zwar fortsetzen, aber an Tempo verlieren."

Für die ohnehin vom Zinstief gebeutelte Bankenbranche ist die Corona-Krise eine weitere Belastung der Ertragslage. "In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der gesamtwirtschaftlichen Erholung könnten sich in erster Linie Kreditausfallrisiken materialisieren und Wertberichtigungen sowie Abschreibungen erforderlich machen", schreibt die Bundesbank./ben/DP/bgf/jha/