Die Marihuana-Branche ganz ohne Marihuana? Mag verrückt klingen, aber ist alles andere als abwegig.

Derzeit wird viel geforscht, um Hefestämme genetisch zu verändern. Die sollen dann Cannabinoide produzieren, einschließlich Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). Kurz gesagt, die Wissenschaftler nehmen die Gene von Cannabispflanzen, die für die Herstellung von Cannabinoiden entscheidend sind, und setzen sie in Hefe ein.

Dieser Ansatz könnte den Zeitaufwand für die Herstellung von Cannabinoiden reduzieren. Marihuanapflanzen brauchen mindestens drei Monate, um zu wachsen, aber gentechnisch veränderte Hefe kann Cannabinoide in rund einer Woche produzieren. Und diese Art der Herstellung könnte auch viel billiger sein.

Mehrere privat gehaltene Unternehmen arbeiten an Verfahren zur Herstellung hochwertiger Cannabinoide aus Hefe. Es gibt aber auch einige börsennotierte Unternehmen, die an dieser Studie beteiligt sind. Schauen wir doch mal, wie Amyris (WKN:A2DS41), Cronos Group (WKN:A2DMQY) und OrganiGram Holdings (WKN:A12AQF) bereit sein könnten, von dieser Entwicklung zu profitieren, die die ganze Branche auf den Kopf stellen könnte.

1 Amyris

Amyris ist ein Unternehmen der synthetischen Biologie, das über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung von Chemikalien mit Hilfe der Fermentationstechnologie verfügt. Es wurden in den USA und anderen Märkten 499 Patente für die Technologien des Unternehmens erteilt, weitere 314 Patentanmeldungen stehen noch aus.

Zu den aktuellen Produkten des Unternehmens gehören Chemikalien, die in Kosmetika, Aromen, Duftstoffen, Süßstoffen und Vitaminen verwendet werden. Aber Amyris nimmt jetzt auch die Produktion von Cannabinoiden ins Visier.

Im Februar kündigte Amyris eine Zusammenarbeit mit einem „noch geheimen Partner“ an, um Cannabinoide über die eigene Technologieplattform zu entwickeln. Das Unternehmen sagte, dass der Deal bis zu 255 Millionen USD wert sein kann, einschließlich einer Vorauszahlung und weiterer leistungsabhängiger Zahlungen.

Amyris hat zum Partner, wie gesagt, keine Angaben gemacht, außer dass dieser „gut kapitalisiert“ sei und Amyris es als ein Unternehmen erachtet, welches am besten geeignet sei, „die Fermentationstechnologie mit bester Qualität, zu niedrigsten Kosten und mit der nachhaltigsten Produktion hinzubekommen.“

2 Cronos Group

Die Cronos Group konnte im Dezember die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich ziehen, weil da der Taba-Gigant Altria bekannt gab, dass er für 1,8 Milliarden USD eine Beteiligung von 45 % an Cronos kaufte. Mit dieser Partnerschaft ist Cronos mit einem Mal in die Spitzengruppe der kanadischen Marihuana-Produzenten vorgedrungen.

Aber es gibt noch eine andere Partnerschaft, die für Cronos ebenfalls sehr wichtig sein könnte. Im September 2018 gab das Unternehmen bekannt, dass es sich mit Ginkgo Bioworks zusammenschließt, um hochreine Cannabinoide aus Hefestämmen zu entwickeln.

Der Wert des Deals mit Ginkgo wurde auf fast 100 Millionen USD geschätzt, sollten alle Ziele erreicht werden. Cronos Group wird somit die weltweiten Exklusivrechte an der Technologie von Ginkgo Bioworks zur Herstellung von Cannabinoiden aus Hefe erwerben.

Ginkgo Bioworks bezeichnet sich selbst als „the organism company“. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung auf mikrobieller Ebene spezialisiert, welches Chemikalien zu niedrigeren Kosten als mit herkömmlichen Verfahren produziert. Ginkgo hat Hefen entwickelt, mit denen Inhaltsstoffe für Kosmetika, Lebensmittel und Parfums hergestellt werden können.

3 OrganiGram Holdings

OrganiGram Holdings ist wie die Cronos Group ein kanadischer Marihuana-Produzent. Das Unternehmen schafft in der Branche eine der kostengünstigsten Produktionen und verfügt über eine solide Präsenz auf dem kanadischen Markt für medizinisches und frei verkäufliches Cannabis. Zudem ist es stark auf dem australischen und deutschen medizinischen Marihuana-Markt aufgestellt.

Und wie Cronos verfügt auch OrganiGram über eine wichtige Partnerschaft, die es ermöglichen könnte, auf dem Weg von der Cannabinoidproduktion aus Hefestämmen zu profitieren. Im September 2018 gab OrganiGram bekannt, dass man 10 Millionen CAD in Hyasynth Biologicals investiert, ein in Montreal ansässiges Unternehmen. Dieses nutzt eigene Enzyme und Hefestämme, die zur Herstellung von Cannabinoiden verwendet werden.

OrganiGram erhofft sich von dieser Partnerschaft mit Hyasynth, dass sich deren Cannabinoide in Medizinprodukten, Getränken und Lebensmitteln verwenden lassen. Der CEO des Unternehmens, Greg Engel, bestätigte, dass der Markt für hochwertige Cannabisblüten nicht einfach verschwinden würde. Er vertrat jedoch die Ansicht, dass die groß angelegte Produktion von Cannabinoiden durch Bio-Fermentation ein entscheidender weiterer Faktor für die Cannabisindustrie sein könnte.

Abwarten und Hanftee trinken

Wie lange wird es dauern, bis Cannabinoide, die aus künstlich hergestellten Hefestämmen hergestellt werden, kommerziell vermarktet werden? Laut Amyris soll dies innerhalb der nächsten 18 bis 24 Monate passieren, dann sollen die Zulassungen vorliegen. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit allerdings oft mehr versprochen, als es am Ende halten konnte. Trotzdem erscheint diese Einschätzung nicht unrealistisch.

Als Anleger sollte man allerdings vielleicht erst einmal abwarten, bevor man eine dieser Aktien kauft. Selbst wenn das Versprechen der Bio-Fermentation sehr attraktiv wirkt. Möglicherweise sind die Kostenvorteile hier nicht groß genug, um den pflanzlichen Extraktionsverfahren erhebliche Marktanteile abzunehmen.

Derweil kann man sich als Anleger mal die Gesamtwertrelationen für jede dieser Aktien ansehen. Die Verbindung zur potenziell disruptiven Methode der Cannabinoidproduktion wäre dann ein nettes Extra. Das könnte sich extrem lohnen, sollte die Technologie am Ende ihr Versprechen halten.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von OrganiGram Holdings. Keith Speights besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 10.3.2019 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Keith Speights, Motley Fool beitragender Investmentanalyst