BERLIN (dpa-AFX) - Der CDU-Wirtschaftsrat sieht die Pläne für eine verbindliche Frauenquote in der CDU kritisch. "Bei der CDU frage ich mich, ob sie angesichts einer Bundeskanzlerin, einer EU-Kommissionspräsidentin und derzeit noch einer Parteivorsitzenden sowie drei von fünf Spitzen ihrer Bundesministerien in weiblicher Hand überhaupt diese Frauendebatte braucht", sagte die Präsidentin des CDU-nahen Verbands, Astrid Hamker, der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch).

Mit Verweis auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte Hamker: "Mir kommen Vorstöße wie der von Frau Merkel für die Wirtschaft oder der von Frau Kramp- Karrenbauer für die CDU ziemlich übermotiviert und unrealistisch vor." So wie keine Führungspositionen in den Betrieben von oben angeordnet werden könnten, so verhalte es sich auch mit Kandidatinnen in einer Partei.

Seit Jahren ringt die CDU darum, mehr Frauen in Ämter und Mandate zu bekommen. In der Nacht zum Mittwoch einigte sich die CDU-Spitze nun nach gut elf Stunden langen Verhandlungen auf eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent ab dem Jahr 2025. Der Kompromiss sieht vor, dass es eine schrittweise Anhebung der Quote für Vorstandswahlen ab der Kreisebene gibt. So soll am 1. Januar 2021 eine Frauenquote von 30 Prozent gelten und zum 1. Januar 2023 eine Quote von 40 Prozent. Zum Jahresanfang 2025 gilt demnach eine Frauenquote von 50 Prozent. Die endgültige Entscheidung muss aber noch der für Anfang Dezember geplante Bundesparteitag in Stuttgart treffen.

Im Hinblick auf die Situation in der Wirtschaft hatte die Kanzlerin vergangene Woche Sympathie für Überlegungen von Familienministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht (beide SPD) signalisiert, die Quote für Frauen auf mehr Unternehmen auszuweiten und eine Mindestvorgabe für Vorstände einzuführen. Sie halte es für absolut unzureichend, dass es noch börsennotierte Unternehmen gebe, in denen nicht eine einzige Frau im Vorstand sei, sagte Merkel. "Das ist ein Zustand, den kann man nicht vernünftig finden." Sie bat um ein bisschen Zeit, um sich mit den genannten Ministerinnen weiter zu beraten./sku/DP/stk