Die hohe Inflation holt auch den Chip-Entwickler Nvidia ein. Viele Gaming-Kunden halten sich aktuell mit großen Anschaffungen zurück. Auch der Krypto-Winter könnte für das langsamere Wachstum verantwortlich sein.

Die DZ-Bank hat nach den enttäuschenden Umsatzzahlen beim Chip-Entwickler Nvidia das Kursziel von 225 US-Dollar auf 200 US-Dollar gesenkt. Grund dafür sei der "unerwartet starke Nachfrageinbruch bei Grafikkarten", wie Analyst Ingo Wermann in einem Report  schreibt. Er rechne nicht mit einer baldigen Erholung des Geschäfts.

Die beliebten GeForce-Grafikkarten von Nvidia stecken in zahlreichen teuren Gaming-PCs. Eine Anschaffung, auf die viele Kunden angesichts der hohen Inflation derzeit lieber verzichten. Auch speziell für das Krypto-Mining entwickelte Grafikkarten waren weniger gefragt – möglicherweise eine Folge der gesunkenen Kurse von Bitcoin & Co. Insgesamt brach der Umsatz der Gaming-Sparte von Nvidia im Vergleich zum Vorquartal um 44 Prozent ein.

Der Konzernumsatz soll im zweiten Quartal bei 6,7 Milliarden US-Dollar liegen. Deutlich weniger als die 8,1 Milliarden US-Dollar, von denen das Unternehmen noch im Mai ausgegangen war.

Mit dieser Hiobsbotschaft hatte Nvidia am Montag den Tech-Index Nasdaq mit herunter gezogen. Seit Montag hat die Nvidia-Aktie, die auch beim Smartbroker zu den meistgehandelten Wertpapieren zählt, rund zehn Prozent verloren.

Der Nvidia-Vorstand reagierte bei der Präsentation der Zahlen gelassen und kündigte weitere Aktienrückkäufe an. "Wir haben das Wachstum bei den Betriebskosten verlangsamt und dabei ein Gleichgewicht zwischen Investitionen für langfristiges Wachstum und kurzfristiger Rentabilität geschaffen. Wir planen weitere Aktienrückkäufe, da wir eine starke Cash-Generierung und zukünftiges Wachstum erwarten", sagte Nvidia-Finanzvorständin Colette Kress.

Auch DZ-Bank-Analyst Wermann sieht Lichtblicke bei Anleger-Favorit Nvidia. So konnte die Sparte "Data Center" ihren Umsatz um satte 61 Prozent steigern. "Dies zeigt unseres Erachtens, dass die Betreiber großer Rechenzentren weiterhin hohe Summen investieren, um die weltweit steigende Nachfrage nach Cloud Computing bewältigen zu können."

An seiner Kaufempfehlung will der Analyst auch deshalb nicht rütteln. "Wegen der unseres Erachtens unverändert hervorragenden Perspektiven bei Lösungen für Rechenzentren und den Automotive-Sektor sowie der stärkeren Ausrichtung auf Produkte für die virtuelle beziehungsweise erweiterte Realität, halten wir an unserem Anlageurteil 'Kaufen' fest."

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion


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