Sportartikel-Hersteller, Diätspezialisten oder Fitness-Studios: Die Auswahl an Unternehmen, die sich dem Kampf gegen lästige Kilos verschrieben haben, ist groß. So holt man sich die Wachstumsbranche ins Depot.

Für die einen sorgten vermehrtes Homeoffice und verminderte Aktivitäten für etwas mehr Hüftgold, das kurz vor der ersehnten Urlaubssaison wieder verschwinden soll, viele andere allerdings trotzten den geschlossenen Fitness-Studios mit regelmäßigen Joggingrunden oder Fahrradtouren. So zitiert etwa das Ärzteblatt aus der jüngsten Alterssurvey des Bundesfamilienministeriums, wonach 64,5 Prozent der 4.762 Befragten im Alter über 45 Jahre genauso viel Zeit für sportliche Aktivitäten aufbringen, als dies vor der Pandemie der Fall war. Bei 7,7 Prozent der Teilnehmer stieg das Aktivitätslevel sogar.

Egal, auf welche Weise sich der Lockdown auf das individuelle Ernährungs- und Bewegungsverhalten ausgewirkt hat: Unternehmen, die zur Traumfigur verhelfen wollen, zählen mit zu den heimlichen Gewinnern der Krise.

Geschlossene Fitness-Studios trieben Nachfrage Fahrrädern und Laufschuhen

Das ausgefallene Training im Studio kam unter anderem Herstellern von Fahrrädern zugute. Wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) vermeldet, kletterte der Verkauf von Fahrrädern im vergangenen Jahr um 61 Prozent auf 6,44 Milliarden Euro. Einschließlich Zubehör bemisst der Branchenverband den Umsatz der Radbranche in Deutschland auf zehn Milliarden Euro, dies ist doppelt so viel wie vor zwei Jahren.

„Dass Radfahren relevanter ist denn je, zeigte sich gerade während der Corona-Pandemie noch einmal sehr deutlich. Sowohl Fahrrad als auch E-Bike sind unverzichtbare Verkehrsmittel der heutigen Zeit und der Zukunft und bieten darüber hinaus infektionssichere, aktive und umweltschonende Mobilität. Ich bin zuversichtlich, dass diese Attribute zu einer nachhaltigen Entwicklung hin zu mehr Radverkehr führen“, erklärt Ernst Brust, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands zum deutschen Fahrradmarkt, im Hinblick auf die Entwicklungen.

Doch die Radbranche ist insgesamt eher mittelständisch geprägt. Für Anleger, die sich Pedalkraft ins Depot holen möchten, könnten Shimano (WKN: 865682), der japanische Weltmarktführer für Fahrradkomponenten oder etwa die niederländische Accell Group (WKN: A1JADL) interessant sein. Beide Unternehmen profitieren zudem vom wachsenden E-Bike-Boom. Auch der für das laufende Quartal geplante Börsengang von hGears könnte das Geschäft mit den Elektrorädern beflügeln.

Viele Bewegungswillige entdeckten während der Lockdowns aber auch das Laufen für sich – und belohnten sich mit neuer Sportbekleidung oder hochwertigen Turnschuhen. Laut Statista generierte Nike (WKN: 866993) im Jahr 2020 einen weltweiten Umsatz von 30,5 Milliarden Euro, danach folgen Adidas (WKN: A1EWWW) mit 19,8 Milliarden Euro und Puma (WKN: A2P4JB) mit 5,2 Milliarden Euro. Beispiel Puma: Trotz geschlossener Läden und holprigen Lieferketten sind die Umsätze der Herzogenauracher im ersten Quartal währungsbereinigt um 26 Prozent auf gut 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Der operative Gewinn (Ebit) wurde auf 154 Millionen Euro mehr als verdoppelt, schreibt das Handelsblatt und zitiert CEO Björn Gulden:

Wir sind überrascht, dass die Nachfrage während der Pandemie so hoch ist.

Der Vorstand ist laut dem Bericht zudem zuversichtlich, dass die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele stattfinden können – solche sportlichen Großereignisse sind für die Ausstatter immer von Bedeutung für Image und Absatz, weil sich viele Fans Trikots ihrer Mannschaften oder Athleten kaufen.

Fitness in den eigenen vier Wänden

Alternativ oder ergänzend zum Outdoor-Sport richteten sich viele zu Hause einen Fitnessraum ein. Ein Anbieter, der von diesem Trend stark profitieren konnte, ist Peloton (WKN: A2PR0M). Das in New York ansässige, 2012 gegründete Unternehmen ist weltweit führend in der Sparte Interactive Sport und liefert die Geräte fürs schweißtreibende Spinning gleich mit. Wurden diese bislang in Asien gefertigt, will Peloton künftig vermehrt in Equipment Made in USA investieren – geplant ist der Bau einer firmeneigenen Fabrik in Ohio, in der ab 2023 verschiedene Modelle produziert werden sollen.

Corona sorgte bei Peloton für einen absoluten Umsatz-Boom. Doch ein tödlicher Unfall und die verspätete Rückrufaktion für die entsprechenden Laufbänder haben die Aktie zuletzt deutlich belastet. Langfristig dürften die Aussichten für das Geschäftsmodell aufgrund des Home-Gym-Trends aber positiv sein.

Alternativ könnten im Zuge der Corona-Lockerungen klassische Fitness-Studio-Betreiber wieder attraktiv werden. Eine der weltweit größten Ketten ist Planet Fitness (WKN: A14U2K). Die Aktie des US-Unternehmens erklomm vor der Pandemie neue Rekordwerte, steigende Mitgliederzahlen befeuerten das Geschäft. Geschlossene Studios sorgten inzwischen allerdings für Umsatzeinbußen. Für die Betreiber regulärer Sportstudios hängt daher vieles von der mit der Impfkampagne verbundenen Beherrschbarkeit der Pandemie ab.

WW – der Klassiker für Abnehmwillige ist immer noch top

Gesundheit und Fitness sind unweigerlich auch mit der Ernährung und dem Körpergewicht verbunden. Bereits seit 1963 helfen die Weight Watchers, heute bekannt unter dem Kürzel WW (WKN: A2PSZQ), Abnehmwilligen und Diätgestressten auf dem Weg zur schlanken Linie. Auch wenn das Konzept überholt erscheint – immerhin gibt es unzählige Diät-Tipps gratis im Netz –, verzeichnete der US-Konzern während der Pandemie enorme Zuwächse und konnte von einer Digitalisierungsstrategie profitieren. „Wir sind ein Technologie Konzern, der durch eine große Community verwurzelt ist“, beschreibt WW-Chefin Mindy Grossman den Ansatz in einem Interview mit der Wirtschaftswoche im vergangenen September. Die Aktie hat noch Luft nach oben und könnte angesichts des allgemeinen Gesundheitstrends langfristig interessant sein.

Autorin: KS, Redaktion Fondsdiscount.de

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