Eine weitere Covid-Welle entfaltet gerade ihre volle Wucht – die Zulassung weiterer Impfstoffe läuft auf Hochtouren und auch bei der medikamentösen Behandlung gibt es neue Hoffnungsträger.

Die Sieben-Tage-Inzidenz nimmt weiter bedrohlich an Fahrt auf, das Robert-Koch-Institut vermeldet Rekordstände in Serie. Während sich die Politik in Deutschland zu strikteren Zugangsreglementierungen im öffentlichen Leben – Stichwort: 2G – durchringt und beispielsweise kostenlose Tests wieder eingeführt werden sollen, läuft die Forschung in den Biotech- und Pharma-Firmen weiterhin auf Hochtouren.

Impfstoffhersteller Valneva: EU genehmigt Liefervertrag

Vor allem die Impfung gegen Covid 19 gilt unter Experten als entscheidendes Instrument, um der Pandemie Herr zu werden bzw. das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Dabei ist die neuartige mRNA-Technologie, die bei Biontech und Moderna zum Einsatz kommt, bislang Mittel der Wahl. Die Diskussion um Booster-Impfungen könnte den beiden Konzernen weiterhin viel Geld in die Kassen spülen. Menschen, die diesen speziellen Wirkmechanismen kritisch gegenüberstehen, könnten sich hingegen von langjährig erprobten Tot- oder Proteinimpfstoffen doch noch vom Pieks überzeugen lassen.

Einer dieser Kandidaten ist das französisch-österreichische Unternehmen Valneva, dessen Totimpfstoff „VLA2001“ gerade eine Phase-3-Studie durchläuft. Das Vakzin basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie etwa die Tetanus-Impfung, bei der ebenfalls das ganze inaktivierte Virus eines Erregers den Immunschutz aktivieren soll. Die bisherigen Daten werden von der Fachwelt positiv bewertet, bis Valneva aber zugelassen werden kann, dürfte sich noch etwas hinziehen.

Für Anleger enttäuschend war zunächst die Meldung, dass Großbritannien einen Liefervertrag storniert hatte, jüngst kurbelte ein genehmigter Lieferkontrakt mit der Europäischen Union den Aktienkurs dann wieder kräftig an. Der Titel konnte einen deutlichen Kurssprung verbuchen – und wird somit wieder zu einem Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie aber auch zu einem interessanten Wachstumswert im Depot.

Novavax: Der Proteinimpfstoff könnte noch in diesem Jahr auf den Markt kommen

Ein weiterer Name könnte in der Pandemiebekämpfung – und bei Anlageentscheidungen – eine Rolle spielen: Novavax. Das US-Unternehmen arbeitet auf Hochtouren an einem Protein-Impfstoff, der damit ebenfalls auf einem bekannten Wirkprinzip beruht. Die vorveröffentlichten Ergebnisse der Phase-3-Studie klingen vielversprechend und In der Europäischen Union läuft ein beschleunigtes Prüfverfahren, sodass die Zulassung für das Novavax-Vakzin „NVX-CoV2373“ noch 2021 kommen könnte.

Die Europäische Union jedenfalls hat sich schon auf einen Liefervertrag mit dem Hersteller geeinigt. In Indonesien gibt es bereits eine Notfallzulassung, beispielsweise in Großbritannien ist die Zulassung beantragt. Diese Aussichten haben den Börsenwert nach einer Berg- und Talfahrt zuletzt wieder beflügelt. Auch das jüngst veröffentlichte Quartalsergebnis stimmt positiv – gegenüber dem Vorjahresquartal konnte Novavax eine Umsatzsteigerung von 13,90 Prozent verbuchen.

Medikamente könnten vor schweren Erkrankungen schützen

Im Verlauf der Pandemie wurden vielfach auch Medikamente erprobt, die nach erfolgter Infektion schwerere Verläufe abmildern bzw. verhindern sollten. Viren lassen sich jedoch grundsätzlich nur schwer mit einem einzelnen Medikament gezielt bekämpfen, insofern wurden Hoffnungen auch im Fall von Corona immer wieder enttäuscht.

Unter anderem machte beispielsweise das eigentlich vorrangig gegen Depressionen verordnete Medikament Fluvoxamin Schlagzeilen. In einer brasilianischen Placebo-kontrollierten Studie konnte belegt werden, dass eine möglichst frühe Gabe des Serotonin-Wiederaufnahmehemmers schon bei Anfangssymptomen von Covid 19 das Risiko einer Krankenhausweinweisung sowie die Mortalität deutlich reduzieren kann.

Inwiefern sich Fluvoxamin damit zur wirksamen Waffe gegen Covid 19 entwickelt, müssen weitere Untersuchungen zeigen – zumindest wäre das in den 1980er Jahren ursprünglich von Solvay entwickelte Medikament aufgrund seines inzwischen günstigen Preises auch für ärmere Länder interessant.

Merck: Die „Pille danach“ verspricht gute Wirkung

Das Thema Anti-Covid-Medikamente beschäftigt die Pharma-Konzerne seit Beginn der Pandemie, schließlich würde sich – bei Erfolg – ein weltweit gigantischer Absatzmarkt eröffnen. Geradezu als Game Changer wurde das eigens entwickelte und derzeit erprobte Medikament Molnupiravir des Pharma-Riesen Merck populär. Gegenüber der Placebo-Gruppe musste unter früher Gabe der „Pille danach“ nur die Hälfte der Patienten ins Krankenhaus eingewiesen werden oder verstarben.

Das Wirkprinzip wird bereits schon länger gegen verschiedene Viruserkrankungen getestet. In Großbritannien wurde das Medikament inzwischen zugelassen, in den USA könnte die Zulassung noch in diesem Jahr erfolgen. An der Börse reagierte das Papier des US-Pharmakonzerns Merck & Co.– der übrigens unabhängig von der Darmstädter Merck KGaA ist – mit deutlichen Kurssteigerungen. Denn, so die Hoffnung der Aktionäre, wenn sich Molnupiravir als sicheres, nebenwirkungsarmes und wirkungsvolles Anti-Covid-Mittel erweisen sollen, könnte es für das Unternehmen zu einem echten Blockbuster werden.

Auch Pfizer hat einen Kandidaten in der Pipeline

Das Konkurrenzunternehmen Pfizer zog ebenfalls nach und wartete mit der Meldung auf, sein Medikament Paxlovid könne das Risiko von Krankenhauseinweisungen oder gar an Covid zu sterben um 89 Prozent senken. Das Medikament wurde bereits 2003, als das Sars-Virus tobte, entwickelt und ist den jetzt vorliegenden Daten zufolge auch in der Lage, das derzeitige Sars-CoV-2-Virus in Schach zu halten.

„Die heutigen Nachrichten sind ein echter Wendepunkt bei den weltweiten Bemühungen, die Verwüstung dieser Pandemie zu stoppen. Diese Daten deuten darauf hin, dass unser oraler antiviraler Kandidat, wenn er von den Aufsichtsbehörden zugelassen wird, das Potenzial hat, das Leben von Patienten zu retten, die Schwere von Covid-19-Infektionen zu verringern und bis zu neun von zehn Krankenhausaufenthalten zu vermeiden“, so Albert Bourla, Vorsitzender und Chief Executive Officer, Pfizer, in einer Pressemitteilung anlässlich der erfolgsversprechenden Daten.

Für Pfizer wäre Paxlovid neben der Biontech-Impfung ein weiterer Meilenstein in der Pandemiebekämpfung und möglicherweise eine Cash-Cow im Portfolio. Die Aktie ging nach der Meldung deutlich ins Plus. Pfizer und Biontech haben zudem die Umsatzprognose für ihren Impfstoff ein weiteres Mal angehoben. In diesem Jahr soll der Konzernumsatz bei 81 bis 82 Milliarden US-Dollar liegen.

Kampf gegen die Pandemie – Risiken und Nebenwirkungen

Diese Forschungsergebnisse machen Hoffnung, dass Covid insgesamt besser beherrschbar werden könnte und Anleger von der weiteren Entwicklung profitieren können. Wie immer bei Pharmawerten sollten hier aber die typischen Schwankungen einkalkuliert werden.

Bei Covid-Medikamenten etwa muss der Beweis über die Wirksamkeit und Verträglichkeit noch erbracht werden. Zugleich stellt sich grundsätzlich die Frage nach der Zielgruppe: Die derzeit entwickelten Medikamente wirken nur bei einer sehr frühen Einnahme – doch wann fangen die Symptome eigentlich genau an bzw. sind diese immer gleich zu erkennen und sollte dann jeder zu den entsprechenden Tabletten greifen? Bei einer breiten Verabreichung könnten sich in der Bevölkerung Resistenzen bilden und das Virus unter Umständen weiter mutieren – dies würde die Pandemiebekämpfung wiederum zurückwerfen.

Fest steht: Die Forschungstätigkeit in diesem Bereich ist hoch. Für Pharmaunternehmen geht es dabei nicht nur um Prestige, sondern auch um riesige Absatzmärkte und hohe Gewinnspannen. Für Anleger, die hier vorne mit dabei sein möchten, könnten solche Titel ebenfalls Gold wert sein. Um Verluste zu vermeiden, sollte das Depot grundsätzlich breit aufgestellt sein, denn nicht immer werden kurzfristige Erfolgsmeldungen den Erwartungen gerecht.

Autorin: KS, Redaktion Fondsdiscount.de

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