Nach dem Crash ist vor dem Crash. Das wissen alle Investoren, die schon ein paar Jahre oder Jahrzehnte an den Börsen mitmischen.

Der letzte größere Tauchgang ist bald ein Jahr her (Stand: 21.01.2021). Damals wurden die Investoren vom Coronavirus kalt erwischt.

Die Lage beruhigte sich schnell. Nicht nur das. Die Erholung ging nahtlos in die Euphorie über.

Das ganze Ausmaß wird jetzt erst sichtbar. Offenbar war das Jahr 2020 das Rekordjahr der Kleinanleger. Eine bessere Crash-Warnung kann man als Investor nicht bekommen.

Der Kleinanleger ist los

Das Beratungsunternehmen Barkow Consulting hat sich die Mühe gemacht und die Nettoinvestitionen in Aktien von deutschen Kleinanlegern statistisch aufbereitet. 2020 kauften Kleinanleger aus Deutschland Aktien im Wert von rund 33 Mrd. Euro. Ein Rekordwert!

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 – kurz vor der Dot-Com-Krise – beteiligten sich die Kleinanleger hierzulande mit rund 13 Mrd. Euro am Wahnsinn des neuen Marktes. Das bisherige Rekordjahr war 2007 – kurz vor dem US-Immobilien-Crash. In diesem Jahr wurden hierzulande Aktien im Wert von rund 25 Mrd. Euro erworben.

Traurig aber wahr: Wer einen Crash-Indikator sehen möchte, der praktisch immer ins Schwarze trifft, muss eigentlich nur die Kleinanleger beobachten. Wenn die Masse aufwacht, kann man für gewöhnlich direkt das Handbuch von 1929 aufschlagen.

Erst mit dem Crash kommt der Verstand zurück

Die plötzliche Lust auf Aktien kommt überraschend. All die Jahre investierte der deutsche Kleinanleger so lethargisch wie eh und je. In 2019 wurde nicht mal halb so viel investiert wie in 2020. In 2012 und 2013 wurde sogar netto verkauft!

Im Nachhinein betrachtet kam der deutsche Kleinanleger immer ziemlich schlecht weg. Im Crash wird verkauft, in der Euphorie gekauft. Genau so, wie es ein Warren Buffett eben nicht macht. Die Börsenlegende kaufte 2020 wenig, und wenn, dann eher mit der Portokasse. Für den großen Crash hat er rund 140 Mrd. US-Dollar zur Seite gelegt (Stand: viertes Quartal 2020).

Das Investitionsvolumen allein sagt noch nicht viel aus. Entscheidend ist auch, was genau die Kleinanleger kaufen.

Insbesondere an der Tech-Front sieht man in letzter Zeit doch sehr viel Abenteuerliches. Die Flugtaxi-Aktie EHang explodierte innerhalb von nur einem Monat um 258 % (Stand: 21.01.2021). Wieso? Keine Ahnung! Die Aktie ist erst seit knapp einem Jahr am Markt.

Der Verdacht liegt nahe, dass bei solchen krassen Ausreißern vor allem die Kleinanleger ihre Finger mit im Spiel haben. Die Robinhood-App ist stets griffbereit. Die Suche nach dem nächsten Tesla endet erst, wenn der Crash die letzten Funken der Euphorie weggewaschen hat.

Eigentlich ein Grund zum Feiern!

Man kann die Kleinanlegerschwemme allerdings auch positiv sehen. Ja, ein Crash ist bei vielen heißen Tech-Aktien sehr wahrscheinlich. Doch immerhin traut sich der deutsche Kleinanleger überhaupt mal an den Markt.

Die Aktionärsquote hierzulande ist seit Jahren ausbaufähig. Zuletzt war nur 15,7 % der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren an Aktien oder Fonds beteiligt (Stand: 2017).

Gut möglich, dass das Jahr 2020 das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die enorme Geldmengenausweitung der Notenbanken dürfte an niemandem vorbeigegangen sein. Zudem sind hochqualitative Informationen über das erfolgreiche, langfristige Investieren heute nur wenige Klicks entfernt.

Es ist also ebenso gut möglich, dass sich der deutsche Kleinanleger im Jahr 2020 endgültig emanzipiert hat. Es wäre ihm zu wünschen.

Vielleicht halten diesmal einige Kleinanleger den Crash tapfer durch und behalten ihre Aktien langfristig. Dann hätte das Jahr 2020 tatsächlich eine gute Sache hervorgebracht.

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Autor: Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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