„Aktien sind so stark überbewertet, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in 12 Monaten tiefer stehen.“ Das sagt Lori Calvasina, die renommierte Wall-Street-Strategin der Investmentbank RBC Capital Markets. Was sie zu diesem Schluss gebracht hat und was wir für unsere Anlagestrategie zusätzlich bedenken sollten, erfährst du hier.

Verkehrte Welt

In den letzten zehn Jahren befand sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezogen auf die vergangenen vier Quartale immer deutlich oberhalb des KGV bezogen auf die durchschnittlichen Analystenschätzungen für die kommenden vier Quartale (Forward-KGV). Das ist auch logisch, weil an der Börse in der Regel die Erwartung von steigenden Gewinnen vorherrscht. Schließlich werden einbehaltene Gewinne im Normalfall reinvestiert und steigern so das Gewinnpotenzial.

Da der Gewinn beim KGV in den Nenner kommt, sinkt die Kennzahl beim Forward-KGV, je stärker er erwartet wird. Jetzt in der Coronakrise haben sich die Verhältnisse jedoch umgekehrt. Weil viele Unternehmen bereits Gewinnwarnungen herausgegeben oder ihre Prognose ganz ausgesetzt haben, ist absehbar, dass die Gewinne im breiten Markt sinken werden im Vorjahresvergleich. Unbeeindruckt davon sind jedoch viele Aktienkurse gestiegen. Der Nasdaq-Index feiert sogar regelmäßig neue Rekordstände.

Steigende Kurse und sinkende Gewinnerwartungen sorgen für ein Forward-KGV beim breiten Index S&P 500, wie wir es zuletzt bei der Dotcom-Blase erlebt haben. Calvasina sagt allerdings auch, dass sie nicht zwingend mit dem großen Platzen einer Blase rechnet. Vielmehr geht sie eher davon aus, dass es holprig wird. Auf alle Fälle ist sie der Meinung, dass der heißgelaufene Markt eine Verschnaufpause benötigt.

Warum der große Crash ausbleiben könnte

Zudem sagt Calvasina, dass ihre Datenauswertung zum Ergebnis gekommen ist, dass in vielen Fällen, wo die Bewertungen so hochschnellen, Ernüchterung erfolgt. Zwölf Monate später würden die Kurse dann niedriger notieren. Das kann vieles bedeuten. Vielleicht schwanken die Kurse einfach ein bisschen hin und her — oder es kommt zu einer wilden Achterbahnfahrt.

Dafür, dass noch ein weiterer großer Einbruch kommt, von dem sich die Börsen bis in zwölf Monaten nur teilweise erholen, gibt es sicherlich gute Argumente. Hohe Aktienbewertungen, unzählige geopolitische Herausforderungen, Klimawandel, Coronakrise und Überschuldung sind nur einige der einschlägigen Stichworte. Hinzu kommt noch die erwartbare Volatilität, die von den Wahlen in den USA ausgehen könnte.

Andererseits sind die Schleusen der Notenbanken offen und die internationalen Konjunkturprogramme laufen auf Hochtouren. Bei anhaltenden Nullzinsen gibt es nur wenige gute Alternativen zu Aktien für Anleger. Außerdem stehen aktuell viele Investoren zähneknirschend an der Seitenlinie und warten ungeduldig auf eine günstige Einstiegsgelegenheit. Auch das sollte einen steilen Absturz verhindern helfen.

Zu bedenken ist auch, dass viele Analysten mit stark steigenden Unternehmensgewinnen rechnen, sobald die pandemiebedingten Einschränkungen aufgehoben werden. In diesem Fall wäre das derzeitige Forward-KGV nur eine Delle, die schnell wieder ausgebügelt werden kann.

Die jüngsten Einschätzungen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds deuten allerdings darauf hin, dass dies zu optimistisch gedacht sein könnte. Die IWF-Prognosen wurden vor wenigen Tagen stark nach unten korrigiert. Weltbank-Chefökonomin Carmen Reinhart vergleicht das weltweite Ausmaß der Krise mittlerweile mit der Depression der 1930er-Jahre, die ungleich schlimmer war als die eher kurzlebige Finanzkrise von 2008. Die Rückkehr des Wachstums sei etwas völlig anderes als eine vollständige Erholung auf Vorkrisenniveau — welche sich noch länger hinziehen dürfte.

Was Anleger davon mitnehmen können

Es gibt viele Unbekannte in diesem Szenario. Wir wissen nicht, wie lange die Kurse noch nach oben ziehen werden. Ebenso wenig lässt sich abschätzen, ob es im Anschluss eine kleinere Korrektur oder einen Riesencrash geben wird. Wir haben keine Ahnung, ob der nächste stärkere Rücksetzer schon morgen kommt oder erst zum Jahreswechsel. Es ist auch unklar, welches Aktiensegment es am stärksten treffen wird.

Sicher ist jedoch, dass die Luft jetzt sehr dünn geworden ist. Dabei ist sehr wahrscheinlich, dass es früher oder später günstigere Kurse geben wird. Von daher halte ich es für eine sinnvolle Anlagestrategie, an soliden Werten unbeirrt festzuhalten, und gleichzeitig bei stark heißgelaufenen Aktien schrittweise Kasse zu machen. Wenn Calvasina recht hat, dann werden wir über die kommenden zwölf Monate gute Gelegenheiten bekommen, um in aussichtsreiche Titel zu vernünftigeren Preisen zu investieren.

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Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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