Die letzten Monaten waren nicht schön für Daimler (WKN:710000) und Ola Källenius, dem neuen Mann an der Konzernspitze. Aber auch für die Aktionäre waren es Monate zum Vergessen, in denen die Daimler-Aktie bei einem Kurs von nur knapp über 40 Euro ein neues 52-Wochen-Tief fand.

Die tiefgreifenden Umbrüche der Mobilitätsbranche machen den etablierten Konzernen schon seit einiger Zeit zu schaffen. Zumindest wenn man den Zukunftseinschätzung außenstehender Beobachter Glauben schenkt. Im Hier und Jetzt eilte Daimler dennoch zuverlässig von einem Rekordjahr zum nächsten – ganz besonders bei den Autos mit dem Stern, dem mit Abstand größten und wichtigsten Geschäftssegment.

Blickt man auf die abgesetzten Pkws, war das Jahr 2018 das achte Rekordjahr in Folge. Das Unternehmen konnte seine Pkw-Verkäufe, die sich 2008 noch auf 1,3 Mio. Fahrzeuge beliefen, bis zum Jahr 2018 auf 2,4 Mio. Fahrzeuge beinahe verdoppeln. Eine erstaunliche Erfolgsgeschichte, die an der Daimler-Aktie, beinahe ebenso erstaunlich, völlig spurlos vorbeiging. Zumindest wenn man den heutigen Kurs (Stand: 06.09.2019) von 45,51 Euro mit dem ersten Schlusskurs des Jahres 2008 von 64,00 Euro vergleicht.

Gründe für diesen Umstand gibt es natürlich genügend. Das Jahr 2019 läuft für den Daimler-Konzern bisher nämlich bedeutend schlechter als die letzten acht Jahre. Zum schon erwähnten Pessimismus vieler Marktbeobachter mit Blick auf die Zukunft der heimischen Automobilindustrie gesellen sich schmerzhafte Rückstellungen für die sogenannte Dieselproblematik.

Zu allem Überdruss ereignete sich in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2019 etwas, was viele Daimler-Mitarbeiter vielleicht selbst nicht für möglich hielten: Der Autoabsatz konnte nicht gesteigert werden, er ging im Jahresvergleich zurück. Im ersten Quartal um ganze 7 % und im zweiten Quartal um 3 %.

Die Gründe dafür waren schnell erklärt: Zulassungsprobleme bei neuen Modellen.

Die Folgen dieser Entwicklungen lassen sich nicht verbergen: Die ansteigenden Vorräte an produzierten Pkws drücken auf den Cashflow und die Rückstellungsbildungen vermiesen die Profitabilität. Zwei Dinge, die den Analysten und Aktionären nicht gefallen.

Nun erscheint aber ein Silberstreif am Horizont: Die Pkw-Verkäufe in den ersten beiden Monaten des zweiten Halbjahres konnten im Jahresvergleich wieder zulegen. Sogar so deutlich, dass im Pkw-Segment unter Umständen ein weiteres Rekordjahr möglich ist.

Im Pkw-Segment lockt ein weiteres Rekordjahr

Bereits die Juli-Verkaufszahlen fielen erfreulich gut aus. In Summe ergab sich ein Absatzplus von 10,6 %. Erfreulicherweise konnten in allen Regionen die Verkaufszahlen gegenüber dem Juli des Rekordjahres 2018 im zweistelligen Prozentbereich gesteigert werden. Sogar in China ergab sich ein Absatzplus von 13 %, trotz anhaltender Berichte über einen sich abkühlenden Pkw-Markt im Reich der Mitte.

Der August übertraf nun den starken Juli nochmals. Über alle Regionen hinweg lag das Absatzplus im Jahresvergleich bei 14 %, wobei insbesondere Deutschland mit einem um 24 % höheren Verkaufsvolumen glänzte. Und auch im Monat August zeigten alle Regionen durchweg Absatzsteigerungen von zumeist deutlich über 10 %.

Vergleicht man die Verkaufszahlen von Januar bis August mit denen des Jahres 2018, hat sich das Absatzminus auf weniger als 1 % verringert. Setzt sich der Trend der letzten zwei Monate bis zum Jahresende fort, dann winkt gar das neunte Rekordjahr in Folge.

Für die in einigen Wochen anstehenden Zahlen für das dritte Quartal sind die Meldungen aus den Monaten Juli und August natürlich positiv zu bewerten. Wenn keine neuen Hiobsbotschaften auftauchen, dann dürften die gestiegenen Absatzmengen die Lagerhallen leergeräumt haben und somit der operative Cashflow und die Profitabilität wieder deutlich stärker ausfallen als in den ersten beiden Quartalen.

Alles verraten uns die Pkw-Auslieferungen natürlich noch nicht. Offen bleibt bisher, ob man sich die Rekordzahlen im Juli und August mit hohen Rabatten erkauft hat und wie erfolgreich die anderen Geschäftssegmente sein werden. Die Quartalszahlen für das dritte Quartal, die am 24. Oktober veröffentlicht werden, bieten also noch immer sehr viel Platz für Überraschungen – sowohl nach unten als auch nach oben.

Vergiss Elektroautos – dieser Markt könnte viel größer werden

Milliardenschwere Forschungsprogramme treiben die Entwicklung von Wasserstoff jetzt voran. Vor unseren Augen entwickelt sich eine gewaltige Industrie. Und es gibt zwei Player, die unserer Analyse nach jetzt bereits davon besonders profitieren könnten!Lies alle Infos jetzt in der kostenlosen Studie „Wasserstoff: Ein schlafender Riese erwacht!“ von The Motley Fool Deutschland. Einfach klicken, um jetzt herauszufinden, wie du von diesem Megatrend profitieren könntest! Plus: zwei Aktien, die wir für besonders spannend halten — jetzt kostenlose Studie „Wasserstoff: Ein schlafender Riese erwacht!“ anfordern.

Sven besitzt Aktien von Daimler. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst