FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat sich seit Jahresanfang als wahres Stehaufmännchen erwiesen: Mit einer beeindruckenden 180-Grad-Wende konterte der deutsche Leitindex das desaströse Schlussquartal des Jahres 2018. Auf Quartalssicht steuert das Börsenbarometer wieder auf ein ordentliches Plus zu. Doch am Konjunkturhimmel tauchen schon die nächsten Wolken auf.

DAS IST LOS AM MARKT:

Ende letzten Jahres herrschte fast schon Untergangstimmung an der Börse in Frankfurt: Internationale Handelskonflikte, Konjunktursorgen und die Angst vor steigenden Zinsen - die Anleihen attraktiver machen - haben den Aktienanlegern 2018 gründlich die Laune verhagelt. Sie erlebten das verlustreichste Jahr seit der internationalen Finanzkrise 2008. Am vorletzten Handelstag 2018 sackte der Dax zwischenzeitlich auf ein Tief von rund 10 279 Punkten ab - das tiefste Niveau seit November 2016.

Doch schon Anfang Januar übernahmen die Optimisten am Aktienmarkt wieder die Kontrolle. Unter anderem neue Hoffnungen auf ein Ende des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits gaben den "Bullen" Futter und trieben den Dax auf ein Jahreshoch von gut 11 823 Punkten. Doch am letzten Freitag dann der Rückschlag ausgerechnet von Seiten der noch recht stabilen Konjunktur in Deutschland: Das Stimmungsbarometer für die hiesige Industrie im März war auf den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren gefallen, und der Dax ging auf Tauchstation.

DAS SAGEN MARKTEXPERTEN:

"Die Konjunktursorgen wurden zuletzt eher größer", schrieb Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg. Gegenwind komme weiterhin auch von politischer Seite: Die Probleme rund um den Brexit seien lediglich in die Zukunft verschoben, und die Verhandlungen im Handelskonflikt zwischen China und den USA offenbar zuletzt doch etwas ins Stocken geraten. Allerdings glaubt Burkert, dass sich die Themen Brexit und Handelsstreit im ersten Halbjahr lösen, so dass bis zur Jahresmitte moderat steigende Kurse möglich sind.

Aber falls die Konjunktur- und Handelssorgen doch überhand nehmen sollten, können ja immer noch die Notenbanken zur Rettung bereit stehen. Schon auf ihrer März-Sitzung hätten die amerikanischen Währungshüter nicht nur das Ende des US-Zinserhöhungszyklus signalisiert, sondern öffnen sogar die Tür für Zinssenkungen geöffnet, sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Damit sei aus dem "US-Falkenhorst wieder ein Taubenschlag" geworden. In der Sprache der Finanzwelt verfolgen die "Falken" unter den Notenbankern eine eher restriktive Politik, während die "Tauben" mit billigem Geld und niedrigen Zinsen eine lahmende Wirtschaft ankurbeln wollen. Insofern sieht Halver gute Chancen, dass der Dax Ende des Jahres die Marke von 12 000 Punkten übersprungen haben wird.

Für Analyst Frank Wohlgemuth von der Essener National-Bank "bleiben Aktien vor dem Hintergrund der Erzielung einer auskömmlichen Rendite alternativlos". Daran werde sich dauerhaft auch nicht signifikant etwas ändern. Das Argument der beständig hohen Dividendenrenditen werde zwar oft zitiert, verliere dadurch aber nichts von seiner Bedeutung. Für die Dax-Unternehmen rechnet Wohlgemuth für dieses Jahr abermals mit einer Dividenden-Rekordausschüttung.

DAS SAGEN CHARTEXPERTEN:

Der Dax habe nach den deutlichen Verlusten von Ende letzter Woche zwar eine Gegenbewegung gestartet, schrieb Analyst Dirk Oppermann von der DZ Bank. Am turbulenten Freitag, den 22. März, aber habe der Leitindex seine seit Ende Dezember beziehungsweise seit Anfang Februar laufenden Aufwärtstrendlinie erst einmal gebrochen, so dass im mittelfristigen Kontext weitere Rückschlagrisiken bis zur charttechnischen Unterstützung um die 11 000-Punkte-Marke zu erwarten seien.

Auch die Commerzbank bleibt nach der jüngsten Stabilisierung skeptisch. Anlagestratege Christoph Geyer wies vor allem auf die rückläufigen Handelsumsätze in der Erholung im Vergleich zum vorherigen Abschwung hin. "Dies bedeutet, dass die Erholungsbewegung nur von wenigen Marktteilnehmern getragen wurde und nicht auf breiter Basis angelegt ist", erklärte der Experte. Entwarnung kann aus Sicht von Geyer erst nach einem Ausbruch über das jüngste Zwischenhoch bei 11 823 Punkten gegeben werden./la/ag/mis