Frankfurt/Main (dpa) - Nach der starken Dax-Erholung der vergangenen Wochen tun sich Börsianer mit der weiteren Richtungsbestimmung schwer.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit und beim Brexit hätten zumindest die politischen Risiken etwas Brisanz verloren, schrieb Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Eine Eskalation erscheine «derzeit wenig wahrscheinlich», da beide Seiten konstruktiv an einer Lösung arbeiteten. Beim Brexit sei zugleich eine gesichtswahrende Verschiebung möglich.

Am Freitag behauptete der deutsche Leitindex ein Plus von 0,75 Prozent auf 11.601,68 Punkte. Der Dax hielt sich knapp über der 11.600-Punkte-Marke, die er erstmals seit fast vier Monaten wieder geknackt hatte. Auf Wochensicht schaffte er damit Kurszuwachs von 1,26 Prozent, und seit Jahresbeginn hat der Dax schon fast zehn Prozent wieder gut gemacht. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg am Freitag um 1,12 Prozent auf 24.657,69 Zähler.

Charttechnik-Experte Andreas Büchler von Index-Radar sieht indes «nach wie vor keine Anzeichen von Ermüdung». Kurzfristig gebe es noch Luft bis knapp unter 11.900 Punkte für den Dax, was vom aktuellen Bewertungsniveau aus einem weiteren Plus von etwas mehr als 2 Prozent entspräche. «Dieses Restpotenzial dürfte jedoch nur im Idealfall realisiert werden», betont Büchler.

Im Fokus der deutschen Anleger bleibt die laufende Berichtssaison. Zudem dürfte die Bekanntgabe der Veränderungen in den Aktienindizes der Dax-Familie am späten Dienstagabend Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wirksam werden etwaige Änderungen, die für den MDax und den SDax erwartet werden, aber erst am 18. März.

Am Donnerstag folgt der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) und am Freitag der monatliche US-Arbeitsmarktbericht, der als wichtiger Faktor für die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed gilt.

Den Zahlenreigen am deutschen Aktienmarkt eröffnet am Dienstag der Spezialchemiekonzern Evonik. Tags darauf folgen der Chemikalienhändler Brenntag sowie der Immobilienkonzern TAG Immobilien. Beim Kochboxen-Anbieter Hellofresh und beim Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor geht es lediglich um endgültige Jahreszahlen.

Am Donnerstag geht es im Dax dann nochmals hoch her. Zwar haben bereits mehr als die Hälfte der 30 Unternehmen aus dem Leitindex berichtet, doch dann folgen der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA, die Deutsche Post und der Immobilienkonzern Vonovia. Endgültige Zahlen legt außerdem der Autozulieferer Continental vor.

Wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) über den bisherigen Zahlenreigen schrieb, ging die zuletzt schwächere Konjunkturdynamik bislang «nicht spurlos» an den Dax-Unternehmen vorüber. Sowohl die Zahlenwerke als auch die Unternehmensziele für das laufende Jahr hätten mehrheitlich die Erwartungen verfehlt. Dennoch, so hoben die LBBW-Experten positiv hervor, habe nur der Autobauer Daimler seinen Dividendenvorschlag gesenkt - alle anderen Berichtsunternehmen wollen ihre Gewinnausschüttung im Vergleich zum Vorjahr konstant halten oder sogar erhöhen.