Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach den klaren Vortagesgewinnen eine Auszeit gegönnt. Der Leitindex Dax schloss am Mittwoch 0,02 Prozent tiefer bei 13 289,80 Punkten. Der MDax der 60 mittelgroßen Werte ging prozentual unverändert bei 29 029,48 Zählern aus dem Handel.

«Von der Rekordlaune an der Wall Street wollen sich die Anleger offensichtlich nicht anstecken lassen», bemerkte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Am Dienstag hatte der US-Leitindex Dow Jones Industrial ein Rekordhoch markiert und erstmals über der Marke von 30 000 Punkten geschlossen. Die Sorgen bezüglich des Konjunkturschrecks Covid-19 gingen zwar zurück. Doch mit dem nach wie vor dynamischen Infektionsgeschehen und den damit drohenden schärferen Restriktionen bleibe das Coronavirus immer noch zu präsent. Der Risikoappetit dürfte somit weiterhin überschaubar bleiben. Gleichwohl war an diesem Mittwoch zumindest der Nebenwerte-Index SDax im Tagesverlauf auf den höchsten Stand seiner Geschichte geklettert und stand am Ende 0,34 Prozent höher.

Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank zollten ihren jüngsten Erholungsrallys Tribut und verloren 1,3 Prozent beziehungsweise 2,9 Prozent. Zur Wochenmitte verstärkte der aktuelle Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) den Drang zu Gewinnmitnahmen. Zwar seien die Bilanzen der Banken im Euroraum heute solider als zur Zeit der Finanzkrise, dennoch könnte eine Welle von Firmenpleiten und Kreditausfällen infolge der Pandemie zur Belastung für die Branche werden, hieß es dort.

Nach aktuellen Geschäftszahlen von Aroundtown machten die Papiere des Gewerbeimmobilien-Spezialisten zwischenzeitliche Verluste wett und gingen 1,4 Prozent höher aus dem Handel. Goldman-Sachs-Analyst Jonathan Kownator bewertete die Neunmonatsbilanz als durchwachsen. Jefferies-Analyst Thomas Rothaeusler stellte indes den bestätigten Ausblick und die positive Neubewertung von Immobilien in den Vordergrund.

Zudem bewegten Analystenkommentare die Kurse. Die Papiere der Deutschen Telekom etwa stiegen nach einer Kaufempfehlung um 1,7 Prozent. Sie überwanden dabei die Marke von 15 Euro, die sich in den vergangenen Handelstagen immer wieder als Hürde erwiesen hatte. Analyst Jakob Bluestone von der schweizerischen Bank Credit Suisse zeigte sich optimistischer für das Geschäft in den USA. Aber auch bei den übrigen Aktivitäten sieht Bluestone Potenzial für höhere Bewertungen.

Nach einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank zogen die Papiere von Thyssenkrupp um rund drei Prozent auf 5,84 Euro an. Analyst Bastian Synagowitz rief die Anleger mit «Jetzt oder nie» bei einem Kursziel von 8,00 Euro zum Einstieg auf. Bei dem Stahl- und Industriekonzern seien die Risiken bezüglich der Barmittelentwicklung inzwischen wohl bekannt, ihnen stünden aber starke positive Triebfedern wie der Portfolioumbau, die Umsetzung des Sparprogramms und das Potenzial des Wasserelektrolyse-Geschäfts entgegen.

Der EuroStoxx 50 als Leitbarometer der Eurozone ging mit plus 0,11 Prozent bei 3511,90 Punkten aus dem Handel. Der französische Cac 40 legte noch etwas deutlicher zu, während der britische FTSE 100 mit einem Minus von 0,64 Prozent unter Verlusten bei den schwer gewichteten Rohstoffwerten litt. Der New Yorker Dow Jones Industrial verzeichnete zum europäischen Handelsschluss Abschläge in ähnlicher Größenordnung.

Der Kurs des Euro stieg. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1890 (Dienstag: 1,1865) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8410 (0,8428) Euro.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,58 Prozent. Der Rentenindex Rex rückte um 0,01 Prozent auf 146,11 Punkte vor. Der Bund-Future stieg um 0,10 Prozent auf 175,31 Punkte.

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