BERLIN (dpa-AFX) - Die Denkfabrik Agora Energiewende sieht kurzfristig umsetzbare Maßnahmen auch vonseiten der Verbraucher, um angesichts der Abhängigkeit von russischen Importen den Gasverbrauch zu senken. Der Deutschland-Direktor der Organisation, Simon Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir gehen davon aus, dass mit optimiertem Heizverhalten, das heißt einem Absenken der Raumtemperatur um 1-2 Grad und optimierten Heizungseinstellungen, der Energiebedarf von Haushalten um mindestens 10-15 Prozent reduziert werden kann."

Um die strukturelle Abhängigkeit von russischen Gasimporten für die Wärmeversorgung nachhaltig aufzulösen, müssten außerdem der Einbau von Wärmepumpen, die energetische Sanierung und der Anschluss an die Fernwärme massiv beschleunigt werden.

Im Falle eines Embargos russischer Energielieferungen sei die Erdgasversorgung die größte Herausforderung. Russische Importe machten für Deutschland 55 Prozent und für Europa 40 Prozent aus. Bei einem vollständigen Stopp der russischen Erdgaslieferungen seien kurzfristig eine weitere Erhöhung der Flüssiggas-Importe und ein Auffüllen der Erdgasspeicher über den Sommer unerlässlich.

Die Industrie, auf die etwa 37 Prozent des Erdgasverbrauchs entfalle, müsse noch schneller auf klimafreundliche, zukunftsorientierte Technologien setzen, um die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren. Ein Beispiel sei die Elektrifizierung der Wärme- und Dampferzeugung über den Einbau von Wärmepumpen und Elektrodenkesseln. Diese Maßnahmen könnten schon im kommenden Winter eine erste Wirkung zeigen. Zusätzlich lasse sich in vielen Industrieanlagen über sogenannte redundante Energieversorgungssysteme die Produktion kurzfristig auf den Betrieb mit Kohle, Öl, Biomasse oder Ersatzbrennstoffe umstellen. "Im äußersten Notfall kann die Abschaltung weiterer Anlagen den Gasverbrauch kurzfristig erheblich reduzieren", sagte Frank Peter, Direktor von Agora Industrie./hoe/DP/zb