Beginnen wir das heutige Editorial doch einfach mal mit einem Oxymoron. Oxywas? Oxymoron, Sie wissen schon, dieser rhetorische Kniff, bei dem, wie Wikipedia weiß, „eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird, z. B. „alter Knabe“. Hier und heute ist das also der Stillstand, der weiter geht, und gemeint ist damit unter anderem die Entscheidung der Bund-Länder-Konferenz, den Lockdown ein weiteres Mal zu verlängern und/oder zu verschärfen.

Oder so, so genau weiß man das hinsichtlich der unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern, Landkreisen und Gemeinden schon gar nicht mehr. Immerhin: der vorösterliche Run auf die Discounter und Supermärkte wird nun wohl doch Gründonnerstag und Karsamstag stattfinden können – so viel Tradition muss auch in Pandemiezeiten sein! Aus den zwischenzeitlich geplanten und groß angekündigten Oster-Ruhetagen wird also nix, sorry. Nix war es in dieser Woche auch an den Aktienmärkten. Denn:

Lange Lunte

Nach dem jüngsten Rallyeschub schalteten die Kurse auf Reserve und ließen erst einmal die anderen machen. Für den DAX hieß das beispielsweise „Zurück auf 14.500“, womit das Allzeithoch vom vergangenen Donnerstag bei 14.804 Punkten zwischenzeitlich rund 300 Zähler entfernt lag. Wer ganz genau hinschaut, könnte im Chart jetzt sogar eine klitzekleine SKS-Formation entdecken, die – eine bearishe Auflösung mit Notierungen unterhalb von 14.400 vorausgesetzt – Korrekturpotenzial bis in den Bereich um 14.000 Zähler möglich machen dürfte.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Wobei der Begriff „Korrekturpotenzial“ hier wirklich sehr hoch gegriffen ist, eigentlich reden wir da immer noch über das mögliche Kursziel eines ebenfalls nicht auszuschließenden und temporären Rücksetzers. Die nächsten Haltezonen wären im Anschluss unverändert bei 13.800 sowie 13.500 zu finden, wobei die lange untere Lunte vom Donnerstag den Blick schon wieder auf die Oberseite lenkt. Auf dieser gilt es dagegen, das amtierende Rekordhoch zu überbieten und dabei idealerweise auch gleich einen Angriff auf die 15.000er-Barriere zu lancieren. War es das schon, für heute? Nein, noch nicht ganz, denn einen haben wir noch, aus der Rubrik Stillstand:

Kurze Wege

Seit Dienstag blockiert der havarierte Containerfrachter „Ever Given“ der taiwanesischen Reederei Evergreen mit seinen 400 Meter Länge und 224.000 Tonnen Gewicht den Suezkanal, das Nadelöhr bzw. der Flaschenhals der Weltwirtschaft. Denn die im November 1869 nach zehnjähriger Bauzeit fertiggestellte, 192 Kilometer lange Wasserstraße ist eine der am stärksten frequentierten Schiffsrouten weltweit – und damit so etwas wie die Hauptschlagader, wahlweise bzw. aktuell aber auch die Achillesferse im eng getakteten Logistikplan unserer globalisierten Welt.

Im Jahr 2020 fuhren rund 19.000 Schiffe durch den Kanal, der das Mittel- mit dem Roten Meer verbindet, macht im Schnitt eine Auslastung von knapp 52 Schiffen pro Tag. Nachdem seit Dienstag nun nichts mehr geht, wird der Stau der auflaufenden Frachter immer länger. Und da die Bergung der „Ever Given“ im schlimmsten Fall noch Wochen dauern könnte, drohen an allen Ecken und Enden der Lieferketten Engpässe, Produktionsausfälle und Kostenexplosionen, wofür der Ölpreis ein erstes schönes Beispiel ist. Wann wieder Bewegung in all das kommt? Diese Frage lässt sich spätestens in der kommenden Woche beantworten, in der – Osterruhe hin oder her – der Market Mover übrigens feiertagsbedingt schon am Gründonnerstag erscheinen wird.

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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Bildquellen: Prime Quants / Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

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