FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Bundesanleihen haben am Donnerstag deutlich nachgegeben. Bis zum Nachmittag fiel der richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future um 0,50 Prozent auf 150,51 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf 1,31 Prozent. Von dem Mitte-Juni markierten Achtjahreshoch bei 1,92 Prozent ist sie aber noch weit entfernt. In allen Ländern der Eurozone stiegen die Renditen.

Zuletzt hatten die deutschen Anleihen wegen Rezessionsängsten deutlich zugelegt. Am Donnerstag gerieten sie dann, auch wegen der freundlichen Stimmung an den Aktienmärkten, merklich unter Druck. Die deutsche Industrie hat unterdessen ihre Produktion im Mai leicht ausgeweitet. "Die Industrieproduktion kann sich bislang im zweiten Quartal gut über Wasser halten", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Dies gebe Hoffnung für das gesamtwirtschaftliche Wachstum im zweiten Quartal. Risiken blieben allerdings die schwierige Materialversorgung und die bereits gedrosselte Gasversorgung aus Russland.

Tatsächlich stellt derzeit ein Ende der Gaslieferungen aus Russland wohl die größte Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und Europa dar. "Sollte es im schlimmsten Falle zu einer Gasrationierung kommen, befänden sich Teile der Industrie im Lockdown", schreibt Gitzel. Eine schwere Rezession in der Eurozone könnte auch dazu führen, dass die Zinserhöhungserwartungen mit Blick auf die EZB gedämpft würden. Dies würde die Anleihekurse tendenziell stützen.

Keine großen Impulse kam von den wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg etwas. Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Die Zahl bleibt jedoch auf einem vergleichbaren niedrigen Niveau. An diesem Freitag werden die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten für Juni veröffentlicht.

Etwas gefallen sind die Anleihekurse in Großbritannien. Nach beispiellosem Druck seiner Konservativen Partei ist der britische Premierminister Boris Johnson vom Parteivorsitz zurückgetreten, bleibt aber vorerst Regierungschef. Er werde weitermachen, bis seine Partei einen Nachfolger gewählt habe, sagte Johnson. Gleichzeitig legte das britische Pfund zu./jsl/jha/