FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Bundesanleihen haben auch am Dienstag unter Druck gestanden. Der richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future fiel bis zum Nachmittag um 0,99 Prozent auf 144,94 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg im Gegenzug auf 1,63 Prozent. Das Mitte Juni markierte Achtjahreshoch von 1,92 Prozent liegt aber noch um einiges entfernt.

Am Anleihemarkt wirken seit einigen Wochen gegenläufige Kräfte. Während die hohe Inflation und die hohen Inflationserwartungen für Zinsauftrieb sorgen, werden die Kapitalmarktzinsen durch aufkommende Rezessionsängste belastet. Zuletzt hat die tendenziell bessere Stimmung an den Finanzmärkten die Anleihekurse fallen lassen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bestätigte unterdessen im portugiesischen Sintra die Straffungsabsicht der Europäischen Zentralbank (EZB). Derzeit wird für Juli eine erste Zinsanhebung seit elf Jahren erwartet, vermutlich um 0,25 Prozentpunkte. Im September könnte dann eine deutlichere Anhebung um 0,5 Punkte folgen.

Lettlands Notenbankchef Martins Kazaks brachte einen größeren Zinsschritt schon für die kommende EZB-Sitzung im Juli ins Gespräch. Kazaks gilt allerdings als Notenbanker mit einer besonders straffen geldpolitischen Haltung.

Eine schwache Konsumstimmung in den USA stützte die Anleihen nicht. Das vom Marktforschungsinstitut Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen gab im Juni stärker als erwartet nach. Es fiel, belastet durch die hohen Preissteigerungen, auf den niedrigsten Stand seit Februar 2021. Die Konjunkturerwartungen trübten sich deutlich ein, während sich die Beurteilung der aktuellen Lage leicht verschlechterte./jsl/men