FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind am Freitag gesunken. Der richtungweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future fiel bis zum Mittag um 0,28 Prozent auf 172,96 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg im Gegenzug auf minus 0,49 Prozent. Auch in den übrigen Ländern der Eurozone ging es mit den Kurse nach unten, während die Renditen stiegen.

Die Aussicht auf neue Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Festverzinslichen nur am Donnerstag vorübergehend beflügelt. Die Wirkung hielt nicht lange an. Einige Beobachter hatten offenbar ein noch weitergehendes Programm erwartet.

Zudem war der Widerstand im EZB-Rat vor allem gegen die Entscheidung, die Anleihekäufe wieder aufzunehmen, offenbar groß. So sollen sich laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg die Notenbankchefs Deutschlands, Frankreichs, Österreichs, der Niederlande und Estlands gegen neue Käufe von Anleihen ausgesprochen haben. Zudem hätten sich die Direktoren aus Deutschland, Sabine Lautenschläger, und aus Frankreich, Benoit Coeure, den Abweichlern angeschlossen.

Am Freitag kritisierten der niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der Chef der österreichischen Notenbank, Robert Holzmann, öffentlich die Maßnahmen. Der starke Widerstand dämpft laut Beobachtern die Aussichten auf eine weitere geldpolitische Lockerung.

Nach Einschätzung des Anleiheexperten Michael Leister von der Commerzbank dürfte das "Draghi Paket" dennoch eindeutige Gewinner hervorbringen. Vor allem italienische Anleihen sollten von den zeitlich nicht begrenzten Anleihekäufen durch die Notenbank profitieren, sagte Leister./jsl/bgf/nas