FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Bundesanleihen sind am Dienstag erheblich unter Druck geraten. Gegen Mittag sank der richtungsweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future um 0,33 Prozent auf 169,58 Punkte. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen stieg auf minus 0,16 Prozent. Sie liegt damit nur noch unwesentlich entfernt von ihrem höchsten Stand seit März 2020.

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern stiegen die Kapitalmarktzinsen spürbar an. Hintergrund sind erneut aufkommende Inflationsängste. Am Mittwoch werden in den USA Inflationsdaten veröffentlicht, auf die Analysten und Anleger gespannt blicken werden. Es wird damit gerechnet, dass die Teuerung einen deutlichen Sprung in Richtung eines zehnjährigen Höchststandes macht.

Selbst wenn die aktuelle Inflationsdynamik zum Großteil auf statistische Basiseffekte aufgrund des Preiseinbruchs in der ersten Corona-Welle zurückgeht, stärkt die Entwicklung das Thema Inflation an den Märkten. Hinzu kommen deutlich steigende Rohstoffpreise und zahlreiche, teils coronabedingte Probleme in den internationalen Lieferketten, die zu stark steigenden Vorproduktpreisen führen.

Bisher geben sich die Zentralbanken gelassen, weil sie die Preissteigerungen als temporäres Phänomen betrachten. An den Finanzmärkten jedoch steigen die Inflationserwartungen bereits deutlich. Sollten die Inflationserwartungen der Verbraucher ebenfalls stärker zulegen, dürfte dies die Notenbanken zum Nachdenken bringen.

Neue Konjunkturdaten aus Deutschland belegten den zunehmenden Konjunkturoptimismus, der ebenfalls zu den steigenden Inflationserwartungen beiträgt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen im Mai auf den höchsten Wert seit gut 21 Jahren. Die Aussagekraft für die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung gilt im Vergleich zu anderen Umfragen jedoch als eingeschränkt, da vornehmlich Finanzexperten und nicht etwa Verbraucher oder Unternehmen befragt werden./bgf/jsl/stk