Tokio (dpa) - Viele der in Japan tätigen deutschen Unternehmen blicken eher skeptisch auf die bevorstehenden Olympischen Spiele in Tokio.

In einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan) gab rund ein Drittel der Unternehmen an, sie empfänden die Art der Austragung der Olympischen Spiele stärker als Signal der fortbestehenden Krise denn als positives Aufbruchssignal. Zugleich glaubten 20 Prozent, dass Japan mit der Ausrichtung der Spiele große Verluste erwirtschaften wird, hieß es. Zugleich aber bewerteten 95 Prozent der Befragten die hohe Stabilität ihrer Geschäftsbeziehungen und die Verlässlichkeit der japanischen Partner als größten Vorteil des Standorts Japan.

An der gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im April durchgeführten Umfrage beteiligten sich mehr als 100 in Japan tätige deutsche Unternehmen. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie hätten 83 Prozent von ihnen im vergangenen Geschäftsjahr Gewinne auf dem japanischen Markt erzielen können. Als weitere Vorteile ihres Engagements in der vor Deutschland drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nannte die große Mehrheit die hohe wirtschaftliche Stabilität des Landes, die Sicherheit und soziale Stabilität sowie das ebenfalls stabile politische Umfeld.

Wichtiger Partner für Deutschland

Japan gilt denn auch gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen, einschließlich zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten USA und China, für die deutsche Wirtschaft als Stabilitätsanker und wichtiger Kooperationspartner in Asien. «Investitionen sind immer langfristig ausgerichtet. Deutsche Unternehmen legen daher zurecht immer großen Wert auf Stabilität und Sicherheit. Japan nimmt im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein», so Marcus Schürmann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Japan.

Eine große Herausforderung stelle indes Japans rasant alternde Bevölkerung dar. Sie werde inzwischen als nahezu ebenso bedrohlich wahrgenommen wie die Folgen der Corona-Pandemie, hieß es. So benennen 79 Prozent der Befragten das Recruiting gut ausgebildeter Mitarbeiter als größte Herausforderung. Auch die Inflexibilität des japanischen Arbeitsrechts mache fast jedem zweiten Unternehmen zu schaffen.

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