FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Euro ist am Mittwoch gefallen und hat seine Vortagesgewinne abgegeben. Am Mittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0660 US-Dollar. Noch am Vortag war ein einmonatiger Höchststand von 1,0749 Dollar markiert worden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,0720 Dollar festgesetzt.

Wurde der Euro am Vortag durch Äußerungen aus den Reihen der EZB angetrieben, geriet er zur Wochenmitte aus demselben Grund unter Druck. Hintergrund ist eine Debatte über den richtigen Kurs gegen die hohe Inflation in der Eurozone. Am Montag hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach langem Zögern eine erste Zinsanhebung im Juli und ein Ende der Negativzinsen für Spätsommer signalisiert. Das impliziert einen eher vorsichtigen Einstieg in die Straffungsphase. Einzelne Notenbanker hatten dagegen einen entschiedeneren Einstieg gefordert oder zumindest nicht ausschließen wollen.

Äußerungen vom Mittwoch deuteten jedoch darauf hin, dass Forderungen nach einem großen Zinsschritt zum Einstieg in die geldpolitische Wende derzeit wohl keine Mehrheit im EZB-Rat finden. EZB-Direktor Fabio Panetta sprach sich für eine graduelle Straffung der Geldpolitik aus. Finnlands Notenbankchef Olli Rehn plädierte für einen kleinen Zinsschritt zum Start. Der Euro gab daraufhin nach.

Allerdings gab nicht nur der Euro nach, zugleich legte der Dollar gegenüber vielen Währungen zu. Deutlich wurde dies am neuseeländischen Dollar, der seine Gewinne vom Morgen vollständig abgab. Zunächst hatte der Neuseeland-Dollar davon profitiert, dass die Notenbank des Landes ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge deutlich um 0,5 Prozentpunkte anhob. Große Zinsschritte um einen halben Punkt hatten zuletzt unter anderem die Notenbanken der USA und Kanadas vorgenommen.

Auch im Tagesverlauf dürfte die Geldpolitik breiten Raum einnehmen. Am Abend veröffentlicht die US-Zentralbank Federal Reserve ihr Protokoll zur jüngsten Zinssitzung. Analysten und Anleger werden die Mitschrift auf Hinweise zur künftigen Linie abklopfen. Von der Fed werden in diesem Jahr weitere deutliche Zinsanhebungen erwartet, um die hohe Teuerung einzudämmen./bgf/jkr/jha/