Deutsche Großanleger sind nachhaltiger geworden

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Deutsche Großanleger sind nachhaltiger geworden (News mit Zusatzmaterial)

24.06.2020 / 10:05

Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.

* 80 Prozent der institutionellen Investoren legen nachhaltig an

* Engagement der Aktionäre wird hohe Wirksamkeit beim nachhaltigen Umbau

der Wirtschaft zugeschrieben

* 83 Prozent erwarten stark steigendes Volumen nachhaltiger Geldanlagen

* Drei Viertel plädieren für CO2-Preis von 63 Euro pro Tonne - mehr als

doppelt so viel wie geplant

* Nachhaltige Unternehmen sind krisenfester

Frankfurt am Main, 24. Juni 2020 - Die intensive Nachhaltigkeitsdebatte der

vergangenen Jahre hat Spuren in den Portfolios institutioneller Investoren

in Deutschland hinterlassen. Nur wenige Großanleger verzichten heute noch

auf ESG-Anlagestrategien. So ist der Anteil der nachhaltig investierenden

Großanleger zuletzt auf einen Rekordwert von 80 Prozent angestiegen. Dies

ist ein zentrales Ergebnis der von Union Investment jährlich durchgeführten

Nachhaltigkeitsstudie. In diesem Jahr beteiligten sich 166 Großanleger mit

einem Kapitalvolumen in Billionenhöhe an der Befragung.

Hierzulande nutzen 80 Prozent der institutionellen Investoren nachhaltige

Strategien für ihre Kapitalanlage. Noch nie war die Nutzerquote so hoch. Im

vergangenen Jahr lag sie bei 72 Prozent, und noch vor fünf Jahren waren

lediglich 60 Prozent nachhaltig investiert. "Dass inzwischen vier Fünftel

der Großanleger Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlageentscheidungen

einbeziehen, zeigt die Wirkungen der intensiven Debatten über Nachhaltigkeit

und Klimaschutz", sagt Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment

zuständig für das institutionelle Kundengeschäft. "Den meisten Investoren

ist bewusst, dass Nachhaltigkeit zu einer wichtigen Dimension der

Kapitalanlage geworden ist. Denn ESG-Kriterien schärfen nicht nur den Blick

für Anlagerisiken, sondern auch für die mit Nachhaltigkeit verbundenen

Anlagechancen."

Gewachsen ist auch das Wissen der Investoren über die nachhaltige

Kapitalanlage. Hatten vor fünf Jahren gerade einmal 38 Prozent der Befragten

ihren Kenntnisstand als gut oder sehr gut bewertet, so äußerten sich jetzt

60 Prozent entsprechend. Deutlich gestiegen ist auch der Anteil der

Investoren, die mit ihren nachhaltigen Anlagen zufrieden sind. Er erhöhte

sich in den vergangen fünf Jahren von 43 auf aktuell 56 Prozent.

Nach ökologischen, sozialen, ethischen oder Governance Kriterien sind mehr

als die Hälfte (56 Prozent) aller Assets der Nachhaltigkeitsanwender

angelegt. Besonders hoch ist der Anteil mit 75 Prozent erwartungsgemäß bei

Kirchen und Stiftungen. Aber auch Versicherungen weisen mit 66 Prozent einen

hohen Wert auf.

Engagement der Aktionäre wird hohe Nachhaltigkeitswirkung zugeschrieben

Bei den Verfahren zur Auswahl nachhaltiger Anlagen dominieren

Ausschlusskriterien. 92 Prozent der Nachhaltigkeitsanwender nutzen diese.

Gleichzeitig sind allerdings drei Viertel (74 Prozent) der Befragten gegen

einen Ausschluss von Unternehmen aus nachhaltigen Portfolios, bei denen eine

Transformation hin zu einem nachhaltigen Unternehmen zwar geplant, aber noch

nicht vollzogen ist. "Spannend sind für Anleger vor allem Unternehmen, die

im Wandel begriffen sind. Als aktiver und nachhaltiger Investor gilt es,

diese rechtzeitig zu finden und zu begleiten, bevor der Markt ihr Potenzial

entdeckt", betont Schindler. Auf die Ausschlusskriterien folgen nach

Häufigkeit der Anwendung das Negative Screening mit 72 Prozent, das Positive

Screening mit 58 Prozent und der Best-in-Class-Ansatz mit 55 Prozent.

Dagegen greift lediglich ein Drittel der Investoren (34 Prozent) auf

Engagement zurück, obwohl gerade dieser aktive Dialog mit den Emittenten der

eigenen Anlagen von 57 Prozent der Befragten als besonders wirksam beurteilt

wird. "Das Engagement als aktiver Aktionär ist zwar aufwändig, aber ein sehr

wirkungsvolles Instrument, um die Nachhaltigkeitspräferenzen von Investoren

gezielt und langfristig umzusetzen. Aus diesem Grund ist es zielführend,

dass institutionelle Anleger Engagement-Ansätze über Outsourcing-Mandate

einsetzen".

Investoren erwarten stark steigendes Volumen nachhaltiger Geldanlagen

Die große Mehrheit der Investoren geht davon aus, dass die Bedeutung

nachhaltiger Anlagestrategien künftig weiter zunehmen wird. 83 Prozent

erwarten einen sehr starken oder starken Anstieg des ESG-Anlagevolumens in

den kommenden zwölf Monaten, 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Vor allem

die weiter anhaltende Regulierung nennen 70 Prozent der Befragten als Grund

für eine intensivere Beschäftigung mit nachhaltigen Investments. Ebenso

viele Investoren halten die klimapolitische Regulierung grundsätzlich für

sinnvoll und glauben, dass nachhaltige Kapitalanlagen die Entwicklung des

Weltklimas positiv beeinflussen können.

Einig sind sich die Investoren hierzulande in einem wichtigen Punkt: Der

nachhaltige Umbau der Wirtschaft wird die Karten neu mischen und neue

Chancen und Risiken für die Kapitalmärkte mit sich bringen. Nicht alle

Branchen und Geschäftsfelder weisen dabei allerdings gleich große Chancen

auf. Überdurchschnittliches Potenzial für nachhaltige Investments sehen die

deutschen Großanleger vor allem im Energiesektor (95 Prozent) sowie im

Transport- und Mobilitätssektor (93 Prozent).

Drei Viertel plädieren für CO2-Preis von 63 Euro pro Tonne - mehr als

doppelt so viel wie geplant

Vor allem stehen die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen im

Fokus der Investoren. 92 Prozent sind überzeugt, dass die Klimarisiken an

den Kapitalmärkten noch nicht angemessen bepreist sind. Die Mehrheit der

Befragten (55 Prozent) sieht in der geplanten CO2-Bepreisung in Höhe von

anfänglich 25 Euro pro Tonne im Rahmen des deutschen Klimapakets eher eine

Chance als ein Risiko für die deutsche Wirtschaft. Jedoch halten rund drei

Viertel der Investoren (72 Prozent) den von der deutschen Bundesregierung

vorgesehenen Preis von 25 Euro je Tonne CO2-Ausstoß für nicht angemessen.

Sie plädieren stattdessen für einen mehr als doppelt so hohen Preis, im

Durchschnitt in Höhe von rund 63 Euro.

Nachhaltige Unternehmen sind krisenfester

Die hohe Zufriedenheit der Investoren mit ESG-Investments lässt sich auch

auf deren Performance zurückführen. Lediglich zwei von 130 Befragten, die

nachhaltig und konventionell investieren, gaben an, dass die Rendite ihrer

nachhaltigen Kapitalanlage im Vergleich zu konventionellen Portfolios

schlechter gewesen sei. Bei zwölf Prozent entwickelte sich die Rendite

allerdings deutlich besser. In Bezug auf das Risiko ihres nachhaltigen

Portfolios sehen 25 Prozent hier deutliche Vorteile. Jeweils rund der Hälfte

der Investoren zufolge haben das nachhaltige und das konventionelle

Portfolio bezüglich Performance (59 Prozent) und Risiko (46 Prozent) ähnlich

abgeschnitten. "Dieser Befund bestätigt die Ergebnisse verschiedener

Studien, die mit Blick auf nachhaltige Strategien generell keine

Renditenachteile feststellen und sogar leichte Vorteile bei den

ESG-Strategien sehen. Auch in der aktuellen Coronakrise scheinen sich

nachhaltig ausgerichtete Strategien gegenüber konventionellen Ansätzen

bislang etwas besser geschlagen zu haben", stellt Schindler fest.

Zu dieser Einschätzung ist Union Investment in einer Analyse des

Portfoliomanagements gelangt, die unabhängig von der Nachhaltigkeitsstudie

durchgeführt wurde. Als Anlageuniversum wurde dabei zunächst der MSCI World

festgelegt. Mit seinen 1.640 Titeln aus 23 Industrieländern und einer

breiten Sektorenzusammensetzung bildet er einen verlässlichen Indikator für

den globalen Aktienmarkt. Im nächsten Schritt wurden alle Unternehmen aus

dem MSCI World sektorweise nach ihrem ESG-Score sortiert. Im Rahmen einer

stark vereinfachten Investmentstrategie wurde angenommen, die Aktien der

besten 20 Prozent der so sortierten Unternehmen zu kaufen. Gleichzeitig

wurden die am schlechtesten bewerteten 20 Prozent der Titel verkauft.

Auch wenn diese Untersuchung nur eine Momentaufnahme darstellt, lässt sich

dennoch festhalten: ESG-Strategien haben sich in der aktuellen Krise bislang

robuster als der Gesamtmarkt entwickelt. Das nachhaltig aufgebaute Portfolio

konnte nicht nur die immensen Verluste an den Weltbörsen abfedern, sondern

verzeichnete auch aufgrund der Verkäufe eine positive Gesamtbilanz. "Die

Gründe dafür sind zwar nicht ausschließlich auf Nachhaltigkeitsaspekte

zurückzuführen. Dennoch spricht einiges dafür, dass Unternehmen, die

besonders nachhaltig wirtschaften, krisenfester sind", so Schindler.

Hinweis für die Redaktionen:

Für die diesjährige Untersuchung wurden von Januar bis April 2020 insgesamt

166 institutionelle Investoren in Deutschland befragt, die zusammen ein

Vermögen von mehr als sechs Billionen Euro verwalten. Das Spektrum der

Befragten umfasste folgende Investorengruppen:

Versicherungen (18 Prozent der Befragten), Großunternehmen (9 Prozent),

Altersversorger/Pensionskassen (12 Prozent), Stiftungen/Kirchen (16

Prozent), Kreditinstitute (24 Prozent) und Kapitalverwaltungsgesellschaften

(21 Prozent).

Zusatzmaterial zur Meldung:

Datei:

https://eqs-cockpit.com/c/fncls.ssp?u=1816e4a9a562031b62694afd3f63d1bd

Dateibeschreibung: Booklet Nachhaltigkeitsstudie

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