DIRK - Deutscher Investor Relations Verband: Veröffentlichung der Studie 'Nachhaltigkeit in der Kapitalmarktkommunikation'

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DIRK - Deutscher Investor Relations Verband: Veröffentlichung der Studie

'Nachhaltigkeit in der Kapitalmarktkommunikation'

22.06.2020 / 10:00

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Pressemitteilung

Veröffentlichung der Studie "Nachhaltigkeit in der

Kapitalmarktkommunikation"

Frankfurt am Main / Leipzig, 22.06.2020. Der DIRK - Deutscher Investor

Relations Verband und das Center for Research in Financial Communication der

Universität Leipzig veröffentlichen mit der Studie "Nachhaltigkeit in der

Kapitalmarktkommunikation" die Ergebnisse aus einer breit angelegten

empirischen Untersuchung von börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Das

Forschungsprojekt in Kooperation mit Aurubis, Deutsche Lufthansa, Deutsche

Post DHL Group und Zalando zeigt, wie - und auch wie unterschiedlich - sich

die Nachhaltigkeitskommunikation an den Kapitalmarkt gestaltet.

Anhand von 13 qualitativen Interviews mit Vertretern von

Aktiengesellschaften aus DAX, MDAX und SDAX, einer quantitativen

Inhaltsanalyse der IR-Website von 90 Unternehmen in diesen Indizes sowie

einer quantitativen Befragung von 85 Investor Relations-Verantwortlichen in

Unternehmen aus dem Prime Standard und dem Freiverkehr wurden

Herausforderungen, Verantwortlichkeiten, Prozesse, Maßnahmen und Instrumente

der Kapitalmarktkommunikation zum Thema Nachhaltigkeit analysiert. Auf

dieser Basis kann der Status quo der Nachhaltigkeitskommunikation an den

Kapitalmarkt in Deutschland dargelegt werden. Weiterhin wurden drei

Professionalisierungsgrade der Nachhaltigkeitskommunikation an den

Kapitalmarkt unterschieden sowie ein State of the Art Investor

Relations-Programm für Nachhaltigkeit beschrieben.

Die Studie kommt zu folgenden Haupterkenntnissen:

* Treiber und Herausforderungen: Das Thema Nachhaltigkeit scheint noch

nicht im Herzen der Kapitalmarktkommunikation angekommen zu sein. 63,5

Prozent der Befragten geben an, dass sie Nachhaltigkeit vor allem

reaktiv, also auf Anfrage der Kapitalmarktteilnehmer, kommunizieren;

weitere 7,1 Prozent gar nicht. Vor allem Investoren (64,7 % Zustimmung)

sowie Analysten und Ratingagenturen (52,9 %) fordern die Kommunikation

von Nachhaltigkeitsthemen ein. Im Unternehmen spielen interne "Change

Agents" offenbar eine große Rolle bei der Entwicklung des Themas: 76,5

Prozent sehen in einzelnen Funktionen oder Personen im Unternehmen die

wichtigsten Treiber für das Thema. Gleichzeitig stellen die fehlende

Standardisierung des ESG-Reporting (82 %), die fehlende Transparenz der

Bewertungsmethoden der Ratingagenturen (72 %), die Komplexität und

Dynamik der Regulierungsanforderungen (55 %) sowie mangelnde Kenntnisse

der Investorenbedürfnisse (32 %) die zentralen Herausforderungen für die

Entwicklung der Nachhaltigkeitskommunikation an den Kapitalmarkt dar.

* Status quo - drei Professionalisierungsgrade: Die

Nachhaltigkeitskommunikation an den Kapitalmarkt befindet sich in einem

dynamischen Entwicklungsprozess; es existiert eine große Vielfalt der

Kommunikationsansätze im Feld. Sie lässt sich idealtypisch in drei

Professionalisierungsgrade unterteilen: Pflichtkommunikation, aktive

Nachhaltigkeitskommunikation und strategische

Nachhaltigkeitskommunikation. Die internen Herausforderungen, Strukturen

und Prozesse aber auch der Einsatz von Kommunikationsinstrumenten

unterscheiden sich in diesen Graden deutlich.

Im ersten Grad (Pflichtkommunikation) stellt die Erfüllung gesetzlicher

Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit (bspw. nichtfinanzielle

Erklärung) die zentrale Herausforderung dar. Zudem müssen Entscheider

unternehmensintern für die Relevanz von Nachhaltigkeit sensibilisiert

werden, Strukturen und Prozesse müssen etabliert werden.

Für Unternehmen, die diese Herausforderungen gemeistert haben und statt

einer reaktiven eine proaktive Nachhaltigkeitskommunikation (2. Grad)

betreiben wollen, wird die Definition, Erhebung und Aufbereitung von

ESG-Daten zur zentralen Herausforderung. Hier stellen die Zielgruppen

zunehmend auch Fragen nach der Relevanz, der strategischen Bedeutung der

ESG-Informationen.

Im dritten Grad (strategische Nachhaltigkeitskommunikation) ist

Nachhaltigkeit darum Teil der Geschäftsstrategie, die materiellen

ESG-Themen sind definiert und entsprechende KPIs abgeleitet. Diese

werden mit den klassischen Finanzkennzahlen verknüpft, die Equity Story

wird entsprechend angepasst. Insgesamt weisen DAX- und MDAX-Unternehmen

tendenziell einen höheren Professionalisierungsgrad auf. Jedoch zeigt

sich in fast allen Unternehmen eine Diskrepanz zwischen intern bereits

getroffenen Entscheidungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und ihrer

operativen Umsetzung sowie Sichtbarkeit für die Kapitalmarktteilnehmer.

* Strategie und Management: Immerhin 47 Prozent der befragten Unternehmen

haben Nachhaltigkeit zum Bestandteil der Geschäftsstrategie gemacht. Bei

74 Prozent der Unternehmen ist Nachhaltigkeit jedoch noch nicht Element

der Vorstandsvergütung. 70 Prozent der Unternehmen haben die

wesentlichen ESG-Kennzahlen im Sinne einer Materialitätsanalyse

definiert. Dennoch haben 59 Prozent der Unternehmen Nachhaltigkeit

(noch) nicht in ihre Equity Story aufgenommen.

* ESG-Reporting: Das ESG-Reporting ist eine notwendige Voraussetzung für

eine aktive und strategische Nachhaltigkeitskommunikation an den

Kapitalmarkt. 54,2 Prozent der befragten Unternehmen veröffentlichen

einen separaten Nachhaltigkeitsbericht, nur 15,3 Prozent einen

integrierten Bericht. Bei 60 Prozent der Unternehmen liegt die

Hauptverantwortung für das ESG-Reporting bei der

Nachhaltigkeitsabteilung. Letzteres ist insofern beachtlich, als dass

die institutionellen Investoren als wichtigste Zielgruppe der

Nachhaltigkeitsberichterstattung genannt werden. Damit zeigt sich die

Bedeutung der Schnittstelle zwischen Nachhaltigkeits- und IR-Abteilung.

* Strukturen und Ressourcen: Eine professionelle

Nachhaltigkeitskommunikation an den Kapitalmarkt erfordert entsprechende

finanzielle, personelle und fachliche Ressourcen in der IR-Abteilung. 54

Prozent der IR-Abteilungen haben bereits intern einen Verantwortlichen

für ESG-Themen benannt. Tatsächlich setzen sich die IR-Verantwortlichen

überwiegend jedoch nur mit bis zu 10 Prozent ihrer Arbeitszeit mit

Nachhaltigkeitsthemen auseinander. Vor allem der Schritt zur aktiven

Nachhaltigkeitskommunikation macht es notwendig, dass eine personelle

Verantwortlichkeit definiert wird. Dieses Mitglied des IR-Teams treibt

intern das Thema voran und verankert es in der IR-Kommunikation, es

steht nach außen als Ansprechpartner zur Verfügung.

* Instrumente und Maßnahmen: Die IR-Website ist das am meisten genutzte

Instrument für die Darstellung von Nachhaltigkeitsinformationen, jedoch

haben nur 8 Prozent der befragten Unternehmen einen Menüpunkt für das

Thema Nachhaltigkeit auf der IR-Website verankert. Nur 6 Prozent

präsentieren dort ESG-KPIs, meist wird auf die Nachhaltigkeitsseite

verlinkt (43 %). Werden ESG-Themen angesprochen, liegt der Fokus

tendenziell auf Governance-Aspekten. Nur 9 Prozent der Unternehmen

bieten auf der IR-Website Informationen zu Nachhaltigkeitsratings, 16

Prozent zu Nachhaltigkeitsindizes. Die Befragten betrachten vor allem

Roadshows und One-on-One-Meetings als geeignet für die Vermittlung von

Nachhaltigkeitsthemen. Auch Investoren- und Analysten-Calls und Capital

Market Days spielen eine Rolle. Diese Einschätzung weist eine Diskrepanz

zu den tatsächlich auf den IR-Websites verfügbaren Dokumenten und

Unterlagen auf. ESG-Aspekte finden sich vor allem in Präsentationen zu

Capital Market Days (51 %), gefolgt von Roadshows (44 %) und Konferenzen

(40 %) - aber kaum in den Unterlagen für Investoren- und Analysten-Calls

(15 %).

"Mit der Studie ist es uns gelungen, den aktuellen Stand der

Nachhaltigkeitskommunikation an den Kapitalmarkt in Deutschland abzubilden

und unterschiedliche Professionalisierungsgrade zu identifizieren," sagt

Prof. Dr. Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement an der

Universität Leipzig und Akademischer Leiter des Center for Research in

Financial Communication. "Die Ergebnisse machen deutlich, dass die IR-Praxis

die Bedeutung der Nachhaltigkeitskommunikation erkennt - viele Unternehmen

arbeiten an der strategischen Verankerung der Nachhaltigkeit. Nun wird es

Zeit, dass die Kapitalmarktkommunikation nachzieht. In vielen Equity Stories

wird das Thema bisher ignoriert, viele IR-Abteilungen adressieren es nur

zurückhaltend und auf Nachfrage."

Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK, ergänzt: "Die Studie ist ein idealer

Ausgangspunkt für die Diskussion und weitere Professionalisierung der

Finanzkommunikation im Hinblick auf die Integration von Nachhaltigkeit. Noch

liegen die Verantwortlichkeiten häufig in der Nachhaltigkeitsabteilung, der

Austausch ist eher informell und ESG-Kompetenzen in der IR-Abteilung müssen

aufgebaut werden. Investor Relations hat jetzt noch die Chance, sich

proaktiv des Themas anzunehmen und sich auch unternehmensintern als Change

Agent zu profilieren."

Die vollständige Studie steht auf der DIRK-Website oder auf der

CRiFC-Website zum Download bereit.

Weitere Erkenntnisse der Studie werden in einem Webinar am Dienstag, den 23.

Juni 2020 um 16 Uhr erläutert. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere

Informationen zum Webinar erhalten Sie auf www.dirk.org.

Über den DIRK:

Der DIRK - Deutscher Investor Relations Verband ist der größte europäische

Fachverband für die Verbindung von Unternehmen und Kapitalmärkten. Wir geben

Investor Relations (IR) eine Stimme und repräsentieren rund 90% des

börsengelisteten Kapitals in Deutschland. Als unabhängiger Kompetenzträger

optimieren wir den Dialog zwischen Emittenten, Kapitalgebern sowie den

relevanten Intermediären und setzen hierfür professionelle

Qualitätsstandards. Unsere Mitglieder erhalten von uns fachliche

Unterstützung und praxisnahes Wissen sowie Zugang zu Netzwerken und

IR-Professionals aus aller Welt. Zugleich fördern wir den Berufsstand der

Investor Relations und bieten umfangreiche Aus- und

Weiterbildungsmöglichkeiten in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaft und

Forschung.

Kontakt:

DIRK - Deutscher Investor Relations Verband

Hannes Bauschatz

Reuterweg 81

60323 Frankfurt

T. +49 (0)69.9590 9490

http://www.dirk.org

Über das Center for Research in Financial Communication:

Das Center for Research in Financial Communication (CRiFC) wurde 2016 unter

dem Dach der Günter-Thiele-Stiftung an der Universität Leipzig gegründet. Im

Mittelpunkt der Aktivitäten stehen nationale und internationale Forschungs-

und Lehrprojekte im Themengebiet Finanzkommunikation und Investor Relations.

Diverse Veranstaltungen unterstützen den engen fachlichen Austausch zwischen

Forschung und Praxis. Die BASF SE (www.basf.com), die Deutsche Börse AG

(www.deutsche-boerse.com) und Hering Schuppener Consulting

(www.heringschuppener.com) unterstützen und beraten das Forschungsteam des

CRiFC als Partner.

Kontakt:

Prof. Dr. Christian P. Hoffmann

Universität Leipzig, Universitätsprofessor für Kommunikationsmanagement

Tel.: +49 341 97 35061 | E-Mail: christian.hoffmann@uni-leipzig.de

Sandra Binder-Tietz

Universität Leipzig, Research Associate

Tel.: +49 178 399 1681 | E-Mail: sandra.binder-tietz@uni-leipzig.de

www.financialcommunication.org

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