BERLIN (dpa-AFX) - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Einführung einer bedarfsorientierten Kindergrundsicherung. Damit solle vor allem Kindern von Geringverdienern bessere Zukunftschancen ermöglicht werden, heißt es in einem Konzept, das den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch) vorliegt. Demnach soll eine solche Kindergrundsicherung das bisherige Kindergeld, Steuerfreibeträge, Zuschläge und Hartz-IV-Leistungen für Kinder durch eine Gesamtzahlung ersetzen, die deutlich über dem heutigen Kindergeld liegt.

Die Kindergrundsicherung soll sich den Angaben zufolge aus zwei Teilen zusammensetzen. Einen Sockelbetrag von 240 Euro je Kind sollen alle Haushalte mit Kindern erhalten. Ein weiterer Zusatzbetrag solle sich nach dem Einkommen der Eltern und dem Alter der Kinder richten. Auch Volljährige in der Erstausbildung oder jene, die arbeitslos gemeldet sind, sollen bis zum 25. Lebensjahr den Sockelbetrag erhalten.

Angesichts milliardenschwerere Rettungsschirme in der Corona-Krise handle es sich bei den Kosten für eine Kindergrundsicherung um eine vergleichsweise kleine Summe, sagte die DGB-Vorständin Anja Piel. "Die Mehrkosten für die Kindergrundsicherung gegenüber der jetzigen Regelung würden sich schlussendlich auf 12,5 Milliarden Euro jährlich belaufen", so die Gewerkschafterin. "In unserem reichen Land lebt jedes fünfte Kind in Armut und daran hat sich seit Jahren im Wesentlichen nichts geändert. Das ist ein Skandal."

Auch der Kinderschutzbund, die Grünen, SPD und Linke fordern die Einführung einer eigenständigen und unbürokratischen Kindergrundsicherung, in der verschiedene Familienleistungen zusammengefasst werden./gma/DP/stk